Verbraucherfalle Energiepreise: Wie hohe Gas- und Ölpreise die Privathaushalte belasten

Drehen am Heizventil kann in diesem Winter teuer werden: „In den kommenden Wochen erwarten wir eine große Preiswelle beim Gas“,
Drehen am Heizventil kann in diesem Winter teuer werden: „In den kommenden Wochen erwarten wir eine große Preiswelle beim Gas“, sagt Verivox-Experte Thorsten Storck. (Foto: Winfried Rothermel/imago images)
Korrespondent
Deutsche Presse-Agentur

Der anstehende Winter könnte viele Haushalte in finanzielle Bedrängnis bringen. Davor warnen inzwischen nicht mehr nur Verbraucherschützer. Grund sind die massiven Preissteigerungen beim Gas und beim Erdöl.

Das führt zum einen zu steigenden Spritpreisen. Inzwischen haben Diesel und Super E10 Neunjahreshochs erreicht, wie der ADAC am Mittwoch mitteilte. Besonders der Diesel legte zu: Am Dienstag kostete der Treibstoff im bundesweiten Tagesdurchschnitt laut ADAC 1,526 Euro pro Liter – 4,8 Cent mehr als vor einer Woche.

Zum anderen führen die Preissteigerungen beim Gas und beim Erdöl vor allem auch zu Mehrausgaben für eine warme Stube. Das Vergleichsportal Verivox hat die ersten Auswirkungen der Preissprünge auf dem Wärmemarkt schon einmal ausgerechnet.

Gaspreise erhöhen sich um durchschnittlich 12,9 Prozent

Die bisher von den Versorgern angekündigten Gaspreiserhöhungen liegen demnach bei durchschnittlich 12,9 Prozent. Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden entspricht dies einem Plus von 189 Euro. „In den kommenden Wochen erwarten wir eine große Preiswelle beim Gas“, sagt Verivox-Experte Thorsten Storck.

Beim Heizöl sieht es für alle, die ihre Tanks zu Beginn der Heizsaison noch nicht gefüllt hatten, noch härter aus. Hier errechnet das Portal jährliche Mehrkosten von 735 Euro für einen Musterhaushalt. Denn die Beschaffungskosten für beide Brennstoffe sind geradezu explodiert.

Der Ölpreis hat sich im Vergleich zum Tiefstand im vergangenen Jahr verfünffacht. Der Großhandelspreis für Gas ist ebenfalls in luftige Höhen gestiegen. Die Teuerung wirkt sich auf einzelne Kunden unterschiedlich aus. Das hängt unter anderem mit den Verträgen zusammen, die ihr Versorger mit den Gaslieferanten geschlossen hat.

Energieversorger Eon hat das Neugeschäft mit Privatkunden wegen des enormen Preisanstiegs beim Gas sogar bereits vorläufig gestoppt. „Leider können wir Ihnen derzeit keine Erdgas-Produkte anbieten“, war am Mittwoch auf der Kunden-Homepage des Energiekonzerns zu lesen. Ein Unternehmenssprecher betonte, Bestandskunden seien nicht betroffen. Sie würden selbstverständlich weiter beliefert.

Ab Januar wird es wohl teurer für die Kunden

Und was kommt von den Preissteigerungen beim Gas und beim Erdöl bei den Verbrauchern an? „Da es sich bei den derzeitigen Preisspitzen um Großhandelspreise handelt, spüren die Verbraucherinnen und Verbraucher die derzeitigen Marktbewegungen noch nicht in gleicher Höhe auf ihren Energierechnungen“, stellt der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) fest.

Das wird sich im Januar schon leicht ändern. Dann steigen die Kosten für die CO2-Abgabe von 25 auf 30 Euro pro Tonne. Diesen Schub geben die Versorger wohl direkt an die Kunden weiter.

Die gestiegenen Energiepreise heizen die Inflation in Deutschland aber schon jetzt an. Erstmals seit knapp 28 Jahren überschritt die Jahresteuerungsrate im September die Vier-Prozent-Marke. Die Verbraucherpreise kletterten gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte.

Die Wiesbadener Behörde bestätigte damit vorläufige Daten. Eine Vier vor dem Komma wurde zuletzt im Dezember 1993 mit 4,3 Prozent ermittelt. Gegenüber dem August blieben die Verbraucherpreise im September unverändert.

Ärmere Haushalte haben Schwierigkeiten, ihre Energierechnungen zu begleichen

Es steigt die Gefahr, dass ärmere Haushalte sich das Heizen bald nicht mehr wie gewohnt leisten können. Davor warnt auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Energie dürfe nicht nur etwas für Reiche sein, sagt Verbandschef Gerd Landsberg. Die Bundesregierung müsse finanzschwache Familien unterstützen.

Damit steht der Gemeindebund nicht allein. Der vzbv fordert, bei einem kalten Winter Gassperren vorerst auszusetzen. Denn immer mehr ärmere Haushalte hätten Schwierigkeiten, ihre Energierechnungen pünktlich zu begleichen.

Inwieweit die künftige Bundesregierung aktiv wird, müssen die angehenden Koalitionäre erst einmal klären. Ein Instrument haben FDP und Grüne in ihren Wahlprogrammen schon genannt.

Beide Parteien wollen die Einnahmen aus der CO2-Abgabe in Form eines jährlich ausbezahlten Energiegeldes an die Bürger zurückgeben. Ob das angesichts der rasanten Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten reicht und ob das schnell genug ginge, darf bezweifelt werden.

Erneuerbare Energien können Abhängikeit von Importen verringern

Bleibt die Frage nach den Ursachen des Preisschocks. Ganz genau lässt sich das nicht klären. Nach Angaben von Fachleuten kommen dabei mehrere Faktoren zusammen. Die Nachfrage nach Gas war im Frühjahr insbesondere aus Asien sehr hoch. Schon dies trieb die Preise.

Das hohe Preisniveau wiederum sorgte demnach für zurückhaltende Bestellungen der Betreiber von Gasspeichern. Sie hofften auf sinkende Beschaffungskosten. So blieben die Reserven bis heute auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Das Gas muss zum hohen Marktpreis zugekauft werden.

Vermutungen, Russland liefere nicht genügend Erdgas, um die Betriebnahme der Pipeline Nordstream II zu forcieren, lassen sich nicht belegen. Auf jeden Fall scheint die Abhängigkeit vom russischen Erdgas zu hoch zu sein. So fordert DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert ebenso wie der vzbv den schnellen Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland, um die Abhängigkeit von Importen zur verringern.

Mehr zum Thema

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen