Unwetter an den Aktienmärkten

Lesedauer: 6 Min
 Aktienhändler an der New Yorker Börse: Mehr als 800 Punkte ist das US-Börsenbarometer Dow Jones am Mittwoch eingebrochen.
Aktienhändler an der New Yorker Börse: Mehr als 800 Punkte ist das US-Börsenbarometer Dow Jones am Mittwoch eingebrochen. (Foto: dpa)
Brigitte Scholtes
Redakteurin

Der kräftige Einbruch der Aktienmärkte, der schon am Mittwoch begonnen hatte, geht weiter. Bis zum Abend verlor der DAX weitere 1,5 Prozent bis auf 11 539 Punkte. Das war der niedrigste Stand seit Februar 2017. Die wichtigsten Fragen und Antworten für Anleger.

Warum bricht der Aktienmarkt jetzt ein?

Man muss unterscheiden zwischen einem länger schon anhaltenden Unbehagen an den Finanzmärkten und dem aktuellen Auslöser. Der dürfte in den pessimistischen Äußerungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) der letzten Tage liegen. Der hatte zunächst vor allem wegen der Handelskonflikte zwischen den USA und China seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft gesenkt. Dann warnte er vor abrupten Turbulenzen an den Finanzmärkten – auch wegen der Handelskonflikte und geopolitischen Risiken. Das ließ die Börsen weltweit am Mittwoch abstürzen.

Welche weiteren Risiken sehen die Anleger?

Sie sorgen sich um einen massiven Zinsanstieg in den USA. Vor einer Woche hatte Jerome Powell, der Präsident der amerikanischen Notenbank Fed, von einer „bemerkenswert positiven“ Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft gesprochen. Wenn das so bleibe, werde die Notenbank die Zinsen vielleicht noch schneller anheben als zuvor angekündigt. Wenn aber die Zinsen zu schnell steigen, könnte das die Konjunktur auch wieder abwürgen, fürchten manche Börsianer. „Das Thema Zinsen wird zu hoch gehängt“, meint jedoch Hans-Jürgen Delp, Anlagestratege der Commerzbank: „Die Fed macht einen Super-Job.“ Sie richte sich nach der Entwicklung der Konjunktur, sie werde sie sicher nicht abwürgen. US-Präsident Donald Trump hatte jedoch ge-twittert, die Fed sei „verrückt geworden“. Dabei war er es, der mit der Steuerreform Ende des vergangenen Jahres die schon gut laufende Wirtschaft noch stärker angeschoben hatte. Mit weiteren Zinserhöhungen musste er deshalb eigentlich rechnen, denn die Fed will nicht, dass die Wirtschaft überhitzt.

Welche Rolle spielt die italienische Politik an den Märkten?

Vor allem in Europa schaut man auf Italien. „Diese Diskussion ist noch nicht ausgestanden“, meint Michael Holstein, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft bei der DZ-Bank. „Die Währungsunion ist zwar nicht unmittelbar gefährdet. Aber der Konflikt hat potenziell große Sprengkraft.“ Denn Italien ist zum einen die drittgrößte Volkswirtschaft der EU. Zum anderen legt es die italienische Regierung mit ihrem Haushaltsentwurf und dem Ausbau der Staatsschulden auf einen Streit mit der EU an. „Die italienische Regierung dürfte ein Problemfaktor bleiben“, glaubt auch Commerzbank-Stratege Delp.

Wie wirkt sich die Lage an den Finanzmärkten auf die Schwellenländer aus?

Die Wirtschaftspolitik der Türkei etwa hat zwar nicht den aktuellen Crash ausgelöst. Aber Schwellenländer spüren meist als erste eine Veränderung der Geldpolitik in den USA. Denn wenn die Zinsen dort steigen, wird die Anlage im Dollar und US-Anleihen wieder reizvoller. Deshalb ziehen Anleger dann ihre Gelder aus den Schwellenländern ab, weil die Investitionen dort auch mit höherem Risiko verbunden sind, und legen sie etwa in amerikanischen Staatsanleihen an. Das kann dann weitere Turbulenzen in den Schwellenländern auslösen.

Welche Aktien werden verkauft?

Alle – bis auf defensive Titel. Besonders hart trifft es die Aktien, die vorher stark zugelegt hatten – allen voran Technologiewerte wie Amazon, Google, Apple oder, aus deutscher Sicht, Dax-Aufsteiger Wirecard.

Wie geht es nun weiter?

Das ist zum aktuellen Zeitpunkt schwer zu sagen. Für manche Börsianer ist die Charttechnik ein Anhaltspunkt, die sich an bestimmen Kursmarken orientiert. Mit dem Bruch der Unterstützung bei 11 800 Dax-Punkten und neuen Jahrestiefständen wurde in den vergangenen Tagen viel Porzellan zerschlagen. Andere Finanzmarktexperten hingegen sehen auf dem aktuellen Niveau Einstiegskurse. Dem Verwaltungsratschef der Schweizer Großbank UBS und ehemaligen Bundesbankpräsidenten Axel Weber zufolge, sei das dümmste was Anleger jetzt machen könnten, Aktien zu verkaufen. Dividendentitel hätten nach wie vor Kurspotential.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen