Ulmer Spedition Noerpel übernimmt Mitbewerber Lebert

Lesedauer: 4 Min
Lebert-Geschäftsführer André Biwer und Stefan Noerpel-Schneider, geschäftsführender Gesellschafter der Noerpel-Gruppe (rechts) a
Lebert-Geschäftsführer André Biwer und Stefan Noerpel-Schneider, geschäftsführender Gesellschafter der Noerpel-Gruppe (rechts) arbeiten künftig eng zusammen: Noerpel kauft alle Lebert-Anteile. (Foto: Möllers)
Chefreporter Ulm und Alb-Donau

Die Ulmer Spedition Noerpel übernimmt zum 1. Januar alle Anteile der Spedition Lebert & Co. in Kempten. Mit dem Zusammenschluss der beiden Logistikdienstleister entsteht eine Unternehmensgruppe mit 2300 Mitarbeitern an 15 Standorten. 2018 will Noerpel 350 Millionen Euro umsetzen, und Lebert & Co. 135 Millionen. Für die neue Gruppe wird 2019, dem ersten gemeinsamen Jahr am Markt, ein Gesamtumsatz von über 500 Millionen Euro erwartet. 80 Prozent davon werden voraussichtlich in Süddeutschland erwirtschaftet. Das sagten Stefan Noerpel-Schneider, geschäftsführender Gesellschafter der Noerpel-Gruppe, und Lebert-Geschäftsführer André Biwer am Montag in Ulm. Zum Kaufpreis wollten sich die Häuser nicht äußern.

Je nach Definition gehört die Gruppe nach Einschätzung von Branchenexperten dadurch künftig zu den größten zehn deutschen Mittelständlern der Branche.

Der Grund für den Zusammenschluss: Bei Lebert & Co. hat Mehrheitseigner Mathias Lebert immer vorgehabt, sich im Alter von 60 Jahren zurückzuziehen, berichtet Stefan Noerpel-Schneider. Mögliche Nachfolger aus der Familie gebe es nicht. Beim Verkauf des Unternehmens habe nicht der Preis im Vordergrund gestanden. „Für ihn war es wichtig, dass ein Mittelständler übernimmt“, sagt der Noerpel-Chef.

Für Noerpel ist der Lebert-Coup der dritte Zusammenschluss in kurzer Zeit: Seit 2012 gehören die Kentner Kraftwagen-Spedition GmbH & Co. KG und seit 2014 die Ascherl- Noerpel GmbH & Co. zur Unternehmensgruppe. Im Raum Kempten und Ravensburg werden die Geschäftsaktivitäten beider Häuser künftig an den bisherigen Lebert-Standorten gebündelt. Das heißt: In Kempten und in Baienfurt (Landkreis Ravensburg) ziehen die Noerpel-Mitarbeiter auf den größeren Standort des einstigen Konkurrenten um. Die Immobilien des Ulmer Logistikers werden zunächst nicht verkauft, um die weiteren Entwicklungen abzuwarten.

Von der Zusammenführung der Geschäftsaktivitäten versprechen sich beide Häuser große Vorteile: „Lebert und Noerpel können ihre Ressourcen gemeinsam für eine gezielte und effiziente Marktbearbeitung nutzen“, sagt André Biwer. „Das stärkt unsere Position in den jeweiligen Regionen, die wir in Zukunft weiter ausbauen wollen. Hier setzen wir weiterhin auf das starke Engagement unserer Mitarbeiter, die von dieser Entwicklung profitieren und positiv in die Zukunft blicken können.“

Kampf um Fachkräfte

In der Speditionsbranche herrscht derzeit ein noch schärferer Kampf um Fachkräfte als in anderen Branchen. Der Grund: die schlechten Arbeitsbedingungen. Selbst Fahrer aus Rumänien seien nicht mehr zu bekommen, bestätigte Noerpel-Schneider und fügte hinzu: „Früher mussten wir bei Kunden akquirieren, heute akquirieren wir auf dem Arbeitsmarkt.“

Bei Noerpel sind nach Unternehmensangaben derzeit 80 Stellen unbesetzt. Durch den Zusammenschluss sollen die Personalprobleme behoben oder zumindest gemildert werden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen