Turbulentes Davoser Weltwirtschaftsforum beendet

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Ohne konkrete Lösungsvorschläge für die globale Wirtschafts- und Finanzkrise ist am Sonntag das 39. Weltwirtschaftsforum in Davos zu Ende gegangen.

Es hinterlässt nach Ansicht der meisten Teilnehmer weitgehende Ratlosigkeit, wie die gewaltigen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft zu bewältigen sind. Mit dem Motto „Die Welt nach der Krise gestalten“ stand das fünftägige Treffen ganz im Zeichen der weltweiten Krise sowie der Risiken bei Klimaschutz und Energieversorgung. Mit rund 40 Staats- und Regierungschefs unter den etwa 2500 Führungskräften aus Politik und Wirtschaft war das 39. Treffen prominent besetzt wie nie zuvor. Am Samstag kam es bei einer zunächst friedlich begonnenen Demonstration in Genf gegen das Weltwirtschaftsforum zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Spitzenredner in Davos waren unter anderem der russische Regierungschef Wladimir Putin, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao, Großbritanniens Premier Gordon Brown, Japans Regierungschef Taro Aso sowie Mexikos Präsident Felipe Calderón.

Während Putin vor allem die USA beschuldigte, die Krise ausgelöst zu haben, suchte Wen Jiabao versöhnlichere Töne. Putin warnte vor einer zu großen Einschnürung der Privatwirtschaft hin zu neuem Dirigismus. Wen Jiabao kündigte Chinas aktive Mithilfe zur Überwindung der Krise an. „Die Menschen auf der ganzen Welt wollen weise Worte von hier hören, die ihnen die Kraft geben, die Krise zu überleben“, sagte Wen Jiabao.

Weit nach vorne mit einer Lösungsmöglichkeit wagte sich Bundeskanzlerin Merkel. Sie warb für das deutsche Modell einer sozialen Marktwirtschaft als weltweit dritten Weg. Die Überwachung der Regeln dieses Erfolgsmodell sollte ein „Weltwirtschaftsrat“ übernehmen, der - wie der Sicherheitsrat - bei den Vereinten Nationen anzusiedeln sei. Merkel will für ihre Idee beim Treffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) im April in London werben.

Die Welthandelsorganisation (WTO) sah die Gefahr einer Wettbewerbsverzerrung durch die im Zusammenhang mit der Krise weltweit aufgelegten Konjunkturprogramme. Sie werde die Maßnahmen überwachen und die Folgen für den freien Welthandel untersuchen, sagte WTO-Generaldirektor Pascal Lamy. Protektionismus verzerre die Märkte. Man müsse aufpassen, welche Signale man mit den Konjunkturpaketen aussende. Nach Ansicht des WTO-Generaldirektors könnte etwa die Bestimmung im Stützungspaket der USA marktverzerrend sein, wonach amerikanische Unternehmen nur Hilfe bekommen, wenn sie heimischen Stahl verwenden.

Überschattet wurde die Begegnung durch einen Eklat, nachdem der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan empört eine Podiumsdiskussion verlassen hatte. Er bekam keine zusätzliche Redezeit, obwohl der israelische Präsident Shimon Peres zuvor ein langes, emotionales Plädoyer für den Krieg Israels im Gazastreifen gehalten hatte.

Weitgehende Einigkeit herrschte darüber, dass die Krisen nur global gelöst werden können. Alle Staaten wurden zur Mithilfe aufgerufen. Der Klimaschutz und die Hilfe für die Ärmsten dieser Welt dürften nicht vernachlässigt werden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen