Thyssenkrupp will betriebsbedingte Kündigungen vermeiden

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 Stahlkocher im Thyssenkrupp-Werk Schwelgern in Duisburg bei der Arbeit: Ein Großteil der Stellenstreichungen dürfte den Stahl m
Stahlkocher im Thyssenkrupp-Werk Schwelgern in Duisburg bei der Arbeit: Ein Großteil der Stellenstreichungen dürfte den Stahl mit seinen 27 000 Mitarbeitern treffen. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Claus Haffert

Bei Thyssenkrupp könnte der radikale Konzernumbau weniger einschneidende Folgen für die Beschäftigten haben als zunächst befürchtet. Der Industriekonzern will bei dem geplanten Stellenabbau möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen. Das sieht eine Grundlagenvereinbarung des Unternehmens mit der IG Metall vor, wie Thyssenkrupp-Personalvorstand Oliver Burkhard mitteilte.

Thyssenkrupp will nach dem Aus für die Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata und der gestoppten Zweiteilung des Konzerns 6000 Stellen streichen, davon 4000 in Deutschland. „Betriebsbedingte Kündigungen wollen wir vermeiden“, erklärte Burkhard am Wochenende. Sie seien „aber in Ausnahmen möglich“. Weltweit beschäftigt der Konzern mehr als 160 000 Mitarbeiter.

Aus Sicht der IG Metall sind mit der Grundlagenvereinbarung Mindeststandards für den fairen Umgang mit den Beschäftigten festgelegt worden. „Die roten Linien sind gezogen“, sagte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, Markus Grolms von der IG Metall, am Sonntag. „Der Umbau von Thyssenkrupp ist leider unvermeidbar.“ Das werde „ein schwerer, aber leider notwendiger Weg für das Unternehmen und die Beschäftigten“. Die Arbeitnehmer seien „bereit, dafür Schmerzen zu ertragen, aber nicht um Aktionäre mit Sonderdividenden zu beglücken“.

Grolms bezog sich damit auf den geplanten Börsengang der profitablen Aufzugssparte des Konzerns. Er verlangte, dass die Einnahmen aus dem Börsengang „eingesetzt werden, um die Probleme in den anderen Geschäftsbereichen zu lösen“. Vorstandschef Guido Kerkhoff will das Aufzugsgeschäft an die Börse bringen, Thyssenkrupp soll aber Mehrheitsaktionär bleiben.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der Mitglied im Kuratorium des Großaktionärs Kruppstiftung ist, begrüßte die Vereinbarung. „Das Konzept, das mir Vorstand und Gewerkschaften gemeinsam vorgestellt haben, ist überzeugend. Es bietet Zukunfts-chancen für Thyssenkrupp und für Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen“, sagte er nach einem Treffen mit Kerkhoff und Grolms am Samstag in Essen. Kerkhoff habe bestätigt, dass alle Erlöse aus dem Börsengang in das Unternehmen gesteckt werden sollen. Das sei sehr wichtig.

Ein Großteil der Stellenstreichungen dürfte den Stahl mit seinen 27 000 Mitarbeitern treffen. Die Traditionssparte bleibt weiterhin der Kernbereich des weit verzweigten Konzerns. Dort sollten auch bei der jetzt gestoppten Fusion mit Tata 2000 Jobs wegfallen. Die IG Metall hatte aber in Verhandlungen mit dem Unternehmen eine Beschäftigungsgarantie bis zum 30. September 2026 sowie eine langfristige Standortsicherung erreicht. Auf die Einhaltung dieser Vereinbarungen pocht die Gewerkschaft.

Stellenstreichungen dürften neben dem Stahlbereich auch die Firmenzentrale und andere Verwaltungseinheiten treffen. Kerkhoff will die Verwaltungskosten im gesamten Konzern von derzeit 380 Millionen Euro pro Jahr innerhalb von zwei Jahren auf unter 200 Millionen Euro nahezu halbieren. Außerdem könnten Unternehmensteile verkauft werden. Auf der Sitzung des Aufsichtsrats am 21. Mai will sich Kerkhoff die Zustimmung für seine Pläne abholen.

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