Tchibo will staatliche Regulierungen für Textilproduktion

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ARCHIV - 15.06.2013, Kambodscha, Phnom Penh: Eine Frau arbeitet in einer Bekleidungsfabrik. Der Tchibo-Konzern, einer der führen
ARCHIV - 15.06.2013, Kambodscha, Phnom Penh: Eine Frau arbeitet in einer Bekleidungsfabrik. Der Tchibo-Konzern, einer der führenden Textilhändler in Deutschland, setzt sich zum Schutz der Beschäftigten in den Schwellenländern für mehr staatliche Regulierung ein. (zu dpa „Tchibo fordert mehr Regulierung für faire Löhne in Einkaufsländern“ vom 02.04.2019) (Foto: Mak Remissa)

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) will sozial und ökologisch korrekte Kleidung mit einem neuen Siegel belohnen: dem „Grünen Knopf“. Unternehmen, wie der Konsumgüter- und Einzelhandelskonzern Tchibo reagieren skeptisch. Hannes Koch hat sich mit der Tchibo-Direktorin für Unternehmensverantwortung, Nanda Bergstein, unterhalten.

Nanda Bergstein. (Foto: M. Kuhn)

Frau Bergstein, Entwicklungsminister Gerd Müller will das neue, staatliche Textilsiegel „Grüner Knopf“ einführen. Kann das einen neuen Impuls geben?

Wir sind skeptisch, dass der Grüne Knopf allein schnell genug zu einer Verbesserung der sozialen und ökologischen Bedingungen in den Produktionsländern führt. Vielleicht kann er aber helfen, die Kunden mit auf den Weg zu nehmen. Wer das staatliche Siegel an einem Kleidungsstück sieht, lässt sich möglicherweise eher zum Kauf nachhaltiger Produkte animieren.

Warum bringt das Siegel keine Fortschritte bei den Arbeitsbedingungen in den Zulieferfabriken?

Zertifikate halten nicht immer, was sie versprechen. Unternehmen können sie erhalten, wenn sie beispielsweise erklären, die Gewerkschaftsfreiheit in ihren Zulieferfabriken durchzusetzen. Tun sie das aber wirklich? Die bescheinigten Standards entsprechen mitunter nicht der Realität. Was ein Siegel wert ist, hängt davon ab, ob es die Firmen ernstnehmen und was sie tun, um vor Ort Dinge zu verändern.

Wird Tchibo beim Grünen Knopf mitmachen?

Wir können uns vorstellen, dass wir das Siegel bei den Kunden testen. Wenn es in unserem Online-Shop als stärkerer Kaufanreiz wirkt als etwa das Gots-Siegel für Biobaumwolle, wäre das ein Vorteil.

Minister Müller kommt auch deshalb nur langsam voran, weil Unternehmen bremsen. Tchibo unterstützt zwar Tarifverhandlungen in seinen Zulieferfabriken, damit die Beschäftigten mehr Geld erhalten. Trotzdem bekommen viele Arbeiter keine ausreichenden, existenzsichernden Löhne. Warum ?

Allein schaffen wir es nicht, die Bezahlung deutlich anzuheben. Deshalb plädieren wir für flächendeckende Tarifverhandlungen in allen Produktionsländern. Um das zu erreichen, kooperieren wir mit 20 weiteren globalen Textilhändlern wie H&M, Inditex und Primark in der Organisation ACT.

Warum ist die Kooperation nötig?

Tchibo ist nicht der einzige Einkäufer in den Fabriken. Wenn wir allein mehr zahlen, subventionieren wir nur die Wettbewerber, die nicht mitziehen.

Bisher haben diese gemeinsamen Tarifverhandlungen mit den ACT-Firmen aber noch nicht begonnen.

In Kambodscha bringen wir das erstmals auf den Weg. Es ist ein intensiver Prozess. Der kambodschanische Arbeitgeberverband hat Sorge, dass unsere Firmen nur 50 Prozent des Marktes repräsentieren und die anderen Einkäufer die höheren Kosten nicht akzeptieren.

Auch einige Mitglieder des Textilbündnisses machen nicht mit.

Das muss sich ändern. Wir fordern Unterstützung. Daran wird sich zeigen, ob das Textilbündnis mehr Wirkung für die Beschäftigten der Fabriken erzielen kann als bisher.

Sie befürworten einen „systemischen Ansatz“. Nun hat Müllers Ministerium ein Gesetz für Sorgfaltspflichten der Unternehmen entworfen. Was halten Sie davon?

Wir begrüßen Regulierungen, die für alle Marktakteure in Europa gleiche Bedingungen schaffen. Mit freiwilligen Initiativen einzelner Firmen allein werden wir nicht schnell genug vorankommen. Damit die Regulierung sinnvoll etwas in den Produktionsländern bewegt, brauchen wir in der Branche gleichzeitig eine tiefere Diskussion darüber, welche Maßnahmen echte Veränderungen bewirken.

 Baumwollernte in Indien: Deutsche Unternehmen gehören zu den größten Abnehmern von Biobaumwolle auf dem Weltmarkt. Ganz vorne s
Baumwollernte in Indien: Deutsche Unternehmen gehören zu den größten Abnehmern von Biobaumwolle auf dem Weltmarkt. Ganz vorne sind Handelshäuser wie C&A und Tchibo. Allerdings wird insgesamt nur ein Prozent der Baumwolle weltweit biologisch angebaut und hergestellt. (Foto: AFP)
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