Suche nach Heckler-&-Koch-Eigentümer geht weiter

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 Soldaten der Bundeswehr mit dem G-36 Gewehr von Heckler & Koch: Ob Andreas Heeschen der Mehrheitsaktionär des Waffenherstellers
Soldaten der Bundeswehr mit dem G-36 Gewehr von Heckler & Koch: Ob Andreas Heeschen der Mehrheitsaktionär des Waffenherstellers ist, konnte ein Gericht nicht bestätigen, weil dazu eine wichtige Aussage fehlt – die von Heeschen. (Foto: Christian Charisius)
Lothar Häring

Wem gehört der Oberndorfer Waffenhersteller Heckler & Koch? Um diese Frage dreht sich seit längerem ein Verfahren vor dem Landgericht Rottweil. Nun ist einer weiterer Versuch der Aufklärung unter kuriosen Umständen gescheitert.

Offiziell gilt der in England lebende öffentlichkeitsscheue in Bayern aufgewachsene Investor und Unternehmen Andreas Heeschen als der starke Mann. Der 56-Jährige besitzt nach Informationen der „Schwäbischen Zeitung“ etwas mehr als 17 Millionen Aktien – genau 17 000 787 – und hat damit fast eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Mit weitem Abstand auf Platz zwei folgt eine Gesellschaft aus Amsterdam mit 3,8 Millionen Aktien. Insgesamt gibt es nur sechs größere Anteilseigner, der Rest sind Kleinaktionäre.

Seit Jahren aber sät der frühere Geschäftsführer der Waffenfirma, Nicola Marinelli, Zweifel. Der 62-Jährige war 2016 entlassen worden und hat noch im gleichen Jahr dagegen Klage eingereicht. Darum geht es seither vor dem Landgericht Rottweil. Martinelli hatte sich in einer sogenannten Change-of-Control-Klausel rund 500 000 Euro zusichern lassen für den Fall, dass ein neuer Mehrheitsaktionär ihn entlassen sollte.

Und das ist nach Martinellis Überzeugung prompt geschehen: In Wirklichkeit habe nämlich Heeschen unter der Hand seine Aktien an den französischen Investor Nicolas Walewski abgegeben. Der 52-Jährige ist Eigner der Londoner Vermögensverwaltung Alken Asset Management. Und der Franzose hat, so die Überzeugung Martinellis, auch das Sagen bei Heckler & Koch.

Eigentlich ist ein Wechsel des Mehrheitsaktionärs, zumal bei einer Waffenfirma, meldepflichtig. Doch bei der Bundesregierung sei von einer Veränderung nichts bekannt, das ergab eine Anfrage zu Jahresbeginn im Bundestag. Bei der Hauptversammlung Ende September in Rottweil war Andreas Heeschen in der offiziellen Liste als Mehrheitsaktionär aufgeführt. Zu sehen war der scheue Investor allerdings nicht – wie immer. Er ließ sich von einem Kölner Anwaltsbüro vertreten.

Ladung ging an falsche Adresse

Auch die Verhandlung am Dienstag vor dem Landgericht Rottweil ergab keine Klarheit. Es war bereits der dritte Versuch – und er scheiterte erneut. Beim letzten Mal kam die Ladung an Heeschen zurück – falsche Adresse. Dieses mal kam der Brief nachweislich am 30. August an. Der Investor ist offenbar in England von London nach in die Grafschaft Kent im Südosten des Vereinigten Königreichs umgezogen.

Nur: Der als Zeuge vorgeladene Heeschen blieb verschwunden – ohne Entschuldigung und Angabe von Gründen. Und so spielten sich im Gerichtssaal kuriose Szenen ab: „Ist ein Herr im Raum, der auf den Namen Heeschen hört?“ fragte der Richter mit dem gebotenen Ernst. Keiner meldete sich. Martin Regner, der Anwalt des Klägers, fragte seine Kollegen von Heckler & Koch auf der Gegenseite: „Wissen Sie, wo Herr Heeschen ist?“ „Keine Ahnung“, bekam er zur Antwort, „das ist doch Ihr Zeuge.“

Neue Dienstpistole der bayerischen Polizei
Die Pistole SFP9-TR (Kaliber 9x19) von Heckler & Koch.  (Foto: DPA)

Wichtig ist, dass Geschäftsführer Martinelli von der Heckler & Koch GmbH eingestellt worden war, Aktionär Heeschen aber Heckler & Koch KG gehört. „Aber das ist doch eine Firma, da fragt man doch mal“, hakte Regner nach. Genervte Replik: „Wir wissen es nicht! Wir haben mit der Heckler Koch KG nichts zu tun!“ Schließlich schickte der Richter einen Zuschauer vor die Tür, um zu fahnden, ob sich Andreas Heeschen irgendwo auf den Gängen befinde. Fehlanzeige. So ging es noch eine Weile weiter, bis Regner resignierte: „Herr Heeschen bleibt ein Phantom!“

Auf „die Anregung“ des Anwalts, ein Ordnungsgeld gegen Heeschen zu verhängen, ging der Richter nicht ein. Dafür schlug er vor, ein Rechtshilfe-Ersuchen nach England zu schicken, damit die dortigen Behörden Heeschen vernehmen könnten. Die Anwälte haben jetzt drei Wochen Zeit, um ihre Fragen zu formulieren. Martin Regner drängte zur Eile, schließlich wäre nach dem Austritt Englands aus der Europäischen Union auch dieser Weg versperrt.

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