Studie: Welthandel bleibt schwach

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Containerhafen
Container warten am Tiefwasserhafen Yangshan in China darauf, verladen zu werden. (Foto: Ding Ting / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Der weltweite Handel mit Waren und Dienstleistungen hat in diesem Jahr nach einer Studie des Kreditversicherers Euler Hermes um 1,5 Prozent zugelegt. Das sei das niedrigste Wachstum der vergangenen zehn Jahre, teilte die deutsche Tochtergesellschaft des internationalen Konzerns mit.

Auch die Konjunkturaussichten in Deutschland sind eher mau: Trotz zuletzt überraschend positiver Signale glauben Volkswirte führender Finanzinstitute nicht an eine rasche Konjunkturbelebung, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. „Es gibt keinen Grund zum Feiern, weil wir glauben, dass 2020 nicht besser werden wird als 2019“, sagte Katharina Utermöhl von der Allianz.

Die Wachstumsrate des Welthandels von plus 1,5 Prozent, die Euler Hermes berechnet hat, bezieht sich auf die Menge der gehandelten Güter. Gemessen am Wert der gehandelten Güter werde Ende dieses Jahres nach den Hochrechnungen der Experten ein Minus von 1,7 Prozent zu Buche schlagen. Das sei vor allem dem Einbruch bei den Rohstoffpreisen geschuldet. Insgesamt habe der schwache Welthandel bei den Exporten zu Verlusten von 420 Milliarden US-Dollar geführt.

Um die Exportleistungen der Länder bei Waren und Dienstleistungen weltweit vergleichbar zu machen, haben die Volkswirte von Euler Hermes die nationalen Währungen und den Euro auf US-Dollar umgerechnet. Da der Dollar im Laufe des Jahres erheblich wertvoller geworden ist, verlieren gleichzeitig die Exporte aus dem Euro-Raum relativ an Wert. Bei dieser Betrachtung ist China mit einem Exportminus von 67 Milliarden Dollar der größte Verlierer im Welthandel dieses Jahres, gefolgt von Deutschland mit einem Minus von 62 Milliarden Dollar.

Gerechnet in Euro geht Euler Hermes für Deutschland für das Gesamtjahr 2019 jedoch von leichten Exportgewinnen bei Waren und Dienstleistungen von rund 30 Milliarden Euro aus. Diese fallen allerdings rund 37 Prozent geringer aus als im Vorjahr (48 Milliarden Euro). Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes haben allein die Warenexporte ohne Dienstleistungen in den ersten neun Monaten von 988 auf 997 Milliarden Euro zugelegt, also um 9 Milliarden Euro oder 0,9 Prozent.

Neben dem schwachen Wirtschaftswachstum könne ein beträchtlicher Teil der Einbußen direkt auf die großen Unsicherheiten und die höheren Zölle durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China zurückgeführt werden.

Das deutsche Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments in Berlin wies am Sonntag auf die Bedeutung der rund 100 Handelsabkommen hin, die die EU geschlossen hat oder noch verhandelt. Sie führten zu höheren Qualitäts- und Sicherheitsstandards bei Produkten und bedeuteten Profit für europäische Unternehmen.

Die USA waren nach den Angaben des Europäischen Parlaments zwischen Januar und August 2019 der wichtigste Partner der EU bei den Warenausfuhren (259,9 Milliarden Euro), gefolgt von China (145,3 Milliarden Euro) und der Schweiz (105,6 Milliarden Euro). Im gleichen Zeitraum importierte die EU vor allem aus China (272,7 Milliarden Euro), den USA (193,2 Milliarden Euro) und Russland (105 Milliarden Euro).

In Deutschland wird die Bundesagentur für Arbeit am kommenden Freitag ihre Arbeitsmarktstatistik für den Monat November bekanntgeben. „Die deutsche Wirtschaft wird aus dem Konjunkturtal so schnell nicht heraus kommen“, sagte der KfW-Arbeitsmarktexperte Martin Müller der dpa. Ein Mini-Wachstum der deutschen Wirtschaft im Sommer hatte zuletzt die Hoffnung auf eine Stabilisierung der Konjunktur genährt.

Müller geht nun davon aus, dass sich die Zahl der Arbeitslosen im nächsten Jahr wieder auf 2,34 Millionen erhöhen und damit auf dem Niveau von 2018 liegen wird. Der Abbau um 80.000 Arbeitslose im laufenden Jahr wäre damit egalisiert. Dennoch bleibe der Fachkräftemangel eines der Hauptprobleme und eine Konjunkturbremse, da er die Binnennachfrage hemme.

Das deutsche Wirtschaftswachstum wird den Prognosen zufolge auch im nächsten Jahr mau ausfallen. Marc Schattenberg von der Deutschen Bank geht - wie auch die Bundesagentur für Arbeit von einem Plus von 1,0 Prozent aus. „Es gibt aber einen positiven Arbeitstageeffekt, der allein schon 0,4 Prozentpunkte ausmachen wird“, sagte Schattenberg. Volkswirte gehen davon aus, dass ein Arbeitstag mehr im Kalender - etwa weil ein Feiertag auf einen Sonntag fällt - 0,1 Prozentpunkte beim Wachstum bringt.

Mitteilung Europäisches Parlament

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