Strafen für Firmen ohne Homeoffice? Überzogen und an der Realität vorbei

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 Benjamin Wagener
Benjamin Wagener (Foto: SZ)
Ressortleiter Wirtschaft

Das Coronavirus ist brandgefährlich. Covid-19 hat das Gemeinwesen in eine tiefe Krise gestürzt – und alle Teile der Gesellschaft müssen zusammenhalten, um der Pandemie gemeinsam zu begegnen. Und dazu gehört nicht zuletzt auch die Wirtschaft, die – das sei an dieser Stelle angemerkt – in Gastronomie und Handel, in Handwerk und Tourismus und Politik schon gewaltige Einschränkungen auszuhalten hat.

Hinzu kommen Homeoffice-Regelungen, die viele Unternehmen im vergangenen Frühjahr eingeführt haben, die weder allen Mitarbeitern behagen noch in vielen Fällen der Profitabilität zuträglich sind.

Ein Vorstoß, der überzogen ist und an der Realität vorbei geht.

Angesichts der weiter sehr hohen Infektionszahlen fordern die Grünen nun Strafen für Unternehmen, die ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, verwehren. Ein Vorstoß, der überzogen ist, der an der Realität vorbei geht und der von grundsätzlichem Misstrauen gegenüber den verantwortlichen Chefs und ihren jeweiligen Personalabteilungen geprägt ist. Schließlich haben die Unternehmen selbst ein hohes Eigeninteresse, dass ihre Mitarbeiter gesund durch die schwierigen Monate kommen.

Und in den Branchen und an den Arbeitsplätzen, in denen ein Arbeiten von zu Hause nicht oder nur schwer möglich ist, haben die Verantwortlichen die Arbeitsplätze in der Regel so gut es geht abgesichert und es liegt an den Angestellten selbst, die Hygienemaßnahmen zu befolgen.

Nach der Einschätzung des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, können fast 60 Prozent der Beschäftigten in Deutschland sowieso nicht von zu Hause aus arbeiten. Hinzu kommt, dass nach einer Umfrage des Verbands Bitkom aktuell 25 Prozent der Arbeitnehmer bereits jetzt ausschließlich im Homeoffice sitzen, dazu kommen weitere 20 Prozent, die zumindest teilweise am heimischen Küchentisch arbeiten.

Groß kann die Zahl der Personen, denen die Grünen mit ihrer Initiative helfen würden und die ohne große Probleme ins Homeoffice wechseln könnten, von ihren Arbeitgebern jedoch in die Betriebe gezwungen werden, also gar nicht sein.

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