Stahlriese ThyssenKrupp vor Radikalumbau

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Der ThyssenKrupp-Aufsichtsrat hat angesichts der Wirtschaftskrise grünes Licht für den tiefgreifendsten Konzernumbau beim Stahlriesen seit der Fusion vor zehn Jahren gegeben.

ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz schloss dabei auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. „Eine Garantie für den Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen und Standortschließungen kann und werde ich Ihnen aber nicht geben können“, sagte Schulz nach der Sitzung des Aufsichtsrats in Düsseldorf. Zahlen zu einem möglichen Personalabbau wollte der Konzernchef nicht nennen.

Der Bezirksleiter der IG Metall in Nordrhein-Westfalen, Oliver Burkhard, warf Schulz vor, sich nicht an die zuvor mit den Arbeitnehmervertretern getroffenen Vereinbarungen gehalten zu haben. Die Zustimmung der Arbeitnehmervertreter sei an einen Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen geknüpft gewesen. „Wenn der Vorstand von ThyssenKrupp jetzt dahinter zurückfällt und betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen nicht ausschließt, stellt er den gesamten Prozess infrage“, sagte Burkhard.

Mögliche Stellenstreichungen würden deutlich geringer ausfallen als in der letzten Stahlkrise in den Jahren 1991 bis 1996, kündigte der ThyssenKrupp-Chef an. Damals seien von zusammen 94 000 Mitarbeitern in den Stahlgesellschaften der beiden Vorgängerunternehmen Thyssen und Krupp rund 34 000 Stellen gestrichen worden. „Das war ein Personalabbau um rund 30 Prozent“, sagte Schulz.

Das Unternehmen werde alle personalpolitischen Instrumente wie Kurzarbeit, Abbau von Überstunden und Frühverrentungen nutzen, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, sagte Schulz. Derzeit arbeiteten im Konzern bereits über 30 000 der weltweit knapp 200 000 Mitarbeiter kurz. Im In- und Ausland habe sich das Unternehmen von rund 5 000 Leiharbeitern getrennt. „Darüber hinaus können wir weiteren Personalabbau nicht ausschließen“, sagte Schulz.

Durch die Neugliederung des Konzerns sollen Einsparungen von jährlich 500 Millionen Euro erreicht werden. Die Zahl der Konzernbereiche soll von fünf auf nur noch zwei reduziert werden. Mehrere Vorstandsposten sollen gestrichen werden. Allein in der Verwaltung soll es dadurch zum Wegfall mehrerer Hundert Arbeitsplätzen kommen. Zuvor hatte der Konzern bereits Einsparungen von rund einer Milliarde Euro angekündigt.

Hintergrund des Umbaus beim größten deutschen Stahlkonzern ist vor allem der drastische Einbruch des Geschäfts im wichtigsten Unternehmensbereich Stahl. Dazu kommen milliardenschwere Kostenüberschreitungen beim geplanten Bau neuer Stahlwerke in Brasilien und den USA. Für das am 31. März endende zweite Quartal rechnet das Unternehmen mit roten Zahlen.

Für das gesamte erste Halbjahr wird im operativen Geschäft mit einem nur noch „leicht positiven Ergebnis“ erwartet. Der wichtigste deutsche ThyssenKrupp- Konkurrent im Stahlbereich, Salzgitter, hatte am Vortag angekündigt, auf die Kostenbremse treten zu wollen und die Zahl der Kurzarbeiter von 4000 auf 8000 zu verdoppeln.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen