Stühle rücken bei Haniel: Cordes geht zur Metro

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Deutsche Presse-Agentur

Zwei Chefposten sind auf Dauer einer zu viel: Eckhard Cordes (58), der gleichzeitig die Großunternehmen Haniel und Metro leitet, wird sich künftig allein auf Metro konzentrieren.

Den Chefposten bei Haniel soll ein anderer Manager übernehmen. Haniel suche ein viertes Vorstandsmitglied, dass das Potenzial besitze, die Nachfolge von Cordes anzutreten, sagte ein Firmensprecher am Montag in Duisburg der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er bestätigte damit Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) und des „Handelsblatts“.

Haniel ist der größte Einzelaktionär der Metro AG. Nachdem die Beteiligung 2007 um mehr als drei Milliarden Euro auf über 34 Prozent deutlich aufgestockt wurde, übernahm Haniel-Chef Cordes auch das Steuer bei der Metro AG in Düsseldorf.

Diese Doppelfunktion hatten Aktionärsschützer heftig kritisiert: Vorstandschefs von DAX-30- Unternehmen sollten ihre ganze Arbeitskraft für ein Unternehmen einsetzen. Die Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jella Benner-Heinacher, bewertete die Haniel- Ankündigung am Montag als einen längst überfälligen Schritt.

„Man kann nicht gleichzeitig auf zwei Hochzeiten tanzen“, betonte die Aktionärsschützerin. Die Aufgabe der Doppelfunktion von Cordes zeige aber auch, dass es bei der Metro deutlich mehr Probleme gebe. Cordes hatte Anfang Januar einen tiefgreifenden Umbauplan vorgelegt, der den Metro-Konzern bis 2012 deutlich effizienter machen soll.

Dabei fallen weltweit etwa 15 000 Stellen weg. Cordes selbst hatte erst vor wenigen Tagen in einem Interview mit der „FAZ“ von einem „Fulltime-Job“ bei der Metro gesprochen. „Es liegt aber ganz wesentlich im Ermessen der Anteilseigner zu entscheiden, wie die Besetzung der Unternehmensspitzen aussieht“, sagte der 58-Jährige.

Die Erkenntnis, dass das stramme Programm bei Metro seinen ganzen Einsatz erfordere, soll Cordes schon im Herbst 2008 der Familie und deren Repräsentanten Franz Haniel vorgetragen haben, berichtete die „FAZ“. Als Favorit für die Cordes-Nachfolge bei Haniel gelte Metro-Finanzchef Thomas Unger, schrieb das „Handelsblatt“. Der Sprecher von Haniel betonte: „Es gibt definitiv keinen Namen“. Dem Vernehmen nach soll der neue Haniel-Vorstand zunächst eingearbeitet werden, ehe ein Wechsel auf den Chefposten erfolgt. Die Berufung eines vierten Haniel-Vorstands würde bereits Cordes entlasten.

Zur Metro AG gehören neben den gleichnamigen Großhandelsmärkten für Gewerbetreibende die Elektronikketten Media Markt und Saturn sowie der Lebensmittelhändler Real und die Warenhauskette Kaufhof. Der Düsseldorfer Konzern erzielte 2008 nach vorläufigen Zahlen 68 Milliarden Euro Umsatz.

Er hat rund 300 000 Mitarbeiter. Haniel erzielte 2007 einen Umsatz von gut 29 Milliarden Euro. Der Konzern beschäftigte damals rund 56 000 Mitarbeiter. In der Zwischenzeit wurde 2008 aber die Baustoffsparte Xella verkauft. Wichtigster Unternehmensbereich von Haniel ist der Pharmahändler Celesio.

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