Sporthändler erwarten trotz Krise Umsatzplus

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Schwäbische Zeitung

München (dpa) - Die deutschen Sporthändler rechnen trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise in diesem Jahr mit einer nach wie vor lebhaften Nachfrage der Kunden.

„Anfang 2008 haben wir die Krise der Sportbranche beklagt, heute haben wir die Krise außerhalb der Sportbranche“, sagte der Geschäftsführer des Händlerverbandes Sport 2000, Jens Fischer, am Sonntag auf der Sportartikelmesse ispo winter 09 in München. Er rechne allerdings mit einem langsamerem Wachstum von ein bis drei Prozent. 2008 seien die Erlöse allein seines Verbandes im Vergleich zum Vorjahr noch um 5,8 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro gestiegen.

Der Gesamtumsatz im Handel mit Sportartikeln kletterte nach Angaben des Verbandes Deutscher Sportfachhandel (VDS) 2008 im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent auf 7,1 Milliarden Euro. „Voraussichtlich beim Start in die Sommersaison werden wir sicher auch im deutschen und europäischen Sportfachhandel Auswirkungen der krisenhaften Entwicklungen auf den Finanz- und Arbeitsmärkten spüren“, teilte der VDS mit. Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Sportartikel-Industrie (BSI) beurteilen aber 80 Prozent der Mitgliedsfirmen die Geschäftserwartungen für 2009 immer noch als gut oder befriedigend.

Für Schwung habe 2008 unter anderem die Fußball-EM gesorgt, sagte Fischer. Vor allem aber das Thema Sicherheit beschäftigte die Kunden. So verdoppelte sich beispielsweise bei Ski-Helmen der Umsatz. Der Unfall des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus sei „Auslöser gewesen für extreme Entwicklungen“, sagte Andreas Rudolf, ebenfalls Sport-2000-Geschäftsführer. In diesem Jahr wolle sein Verbund 60 Prozent mehr Helme bei den Lieferanten bestellen.

Nach BSI-Angaben wurden zeitweise 2600 Helme pro Tag produziert und direkt an den Handel ausgeliefert. Auch der Sportfachhändler- Verbund Intersport bestätigte diesen Trend. In den Intersport-Läden seien 2008 mit Ski-Helmen 25 Millionen Euro umgesetzt worden, sagte Intersport-Vorstand Klaus Jost auf der weltgrößten Sportartikelmesse.

Vor der Rezession habe Intersport keine Angst, sagte Jost. „Wir haben allen Grund zum Strahlen.“ Im Januar sei mit einem Umsatz von 300 Millionen Euro der beste Jahresauftakt der Unternehmensgeschichte gelungen. Das Wetter sei für die Sportbranche wichtiger als die kritische Wirtschaftslage, trotzdem sei klar, dass diese Umsatzzahlen im Jahresverlauf nicht mehr erreicht werden könnten, räumte Jost ein. Für die Umsatzplanung 2009 gelte: „stabil plus x Prozent“. Im vergangenen Jahr waren bei Intersport mehr als 2,4 Milliarden Euro umgesetzt worden.

Der Trend geht nach Einschätzung des Sport-2000-Geschäftsführers Rudolf zu hochwertiger und entsprechend teurer Ware. „Wir werden weniger Bons in der Kasse haben, die werden aber mehr wert sein“, sagte er. Intersport-Vorstand Kim Roether bestätigte diesen Trend: „"Geiz ist geil" ist durch.“

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