So viel Taschengeld bekommen Kinder in Deutschland

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Der Berg wächst: In den vergangenen Jahren ist das Taschengeld von Kindern in Deutschland um 20 Prozent gestiegen.
Der Berg wächst: In den vergangenen Jahren ist das Taschengeld von Kindern in Deutschland um 20 Prozent gestiegen. (Foto: imago)

Ein kleiner Junge steht an der Supermarktkasse und streckt seiner Mutter einen Schokoriegel entgegen. „Mama, darf ich den haben?“, fragt er. Eine Situation, die wohl jeder schon einmal erlebt hat. Nicht selten lautet die Antwort: „Wenn du es von deinem Taschengeld bezahlst, darfst du es haben.“ Der Junge strahlt und legt den Riegel auf das Band. Ein Schokoriegel – mehr als erschwinglich für den Jungen, denn in den vergangenen Jahren ist das Taschengeld von Kindern in Deutschland um 20 Prozent gestiegen.

182 Euro Taschengeld pro Jahr bekommen deutsche Grundschüler durchschnittlich. Vor fünf Jahren waren es mit 151 Euro im Jahr 31 Euro weniger. Das „erste Gehalt“ der deutschen Kinder steigt also kontinuierlich. Das besagt die forsa-Umfrage „Taschengeld 2018“, die im Auftrag des Versicherungsgruppe CosmosDirekt durchgeführt wurde. Demnach bekommen Grundschüler durchschnittlich 3,50 Euro pro Woche. Etwa 39 Prozent der Kinder zwischen der ersten und vierten Klasse bekommen jedoch gar kein Taschengeld von ihren Eltern.

Kindern das Taschengeld zu verweigern, sei keine gute Entscheidung, kritisiert Konsumexpertin Kirsten Schlegel-Matthies. Die Professorin lehrt Haushaltswissenschaft an der Universität Paderborn und hat bei dem Bildungsprojekt „Money & Kids“ Schulmaterialien erstellt, mit denen Kinder an Grundschulen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg Finanzkompetenz erlernen sollen. „Taschengeld spielt eine wichtige Rolle, wenn Eltern ihren Kindern beibringen möchten, mit Geld umzugehen“, sagt Schlegel-Matthies.

So könnten Kinder mit wirtschaftlichen Vorgängen vertraut gemacht werden und beispielsweise lernen, dass die Geldquelle endlich sei. „Eine wichtige Erkenntnis ist, dass ich mich entscheiden muss, was ich kaufe. Wenn ich mir die eine Sache kaufe, ist für eine andere Sache vielleicht kein Geld mehr da, und ich muss warten, bis es wieder Taschengeld gibt“, sagt die Haushaltswissenschafts-Professorin.

Orientierung Taschengeldtabelle

Dass das Taschengeld in den vergangenen fünf Jahren gestiegen ist, hält Schlegel-Matthies für eine normale Entwicklung. „Wenn die Gehälter steigen, wollen die Eltern ihren Kindern eben auch etwas davon abgeben“, sagt sie. Die Professorin rät Eltern, sich bei der Festlegung der Summe an der Taschengeldtabelle des Jugendamtes zu orientieren.

Ganz oben auf dem Einkaufszettel der Kinder stehen laut „Kinder-Medien-Studie 2017“ Süßigkeiten und Magazine. In Spielzeug investieren die Kinder nur 18 Prozent ihres Taschengeldes. Im Rahmen der „Kinder-Medien-Studie“, die unter anderem von „Panini“-Verlag sowie den Verlagsgruppen von „Der Spiegel“ und „Die Zeit“ in Auftrag gegeben wird, wird jährlich das Konsum- und Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen zwischen vier und 13 Jahren untersucht.

Wichtige Multiplikatoren

Laut Studie kommen zum Taschengeld oft Geldgeschenke zu Geburtstag, Ostern oder Weihnachten dazu, mit denen sich die Kinder größere Wünsche erfüllen. Aufgrund des demografischen Wandels treffen immer weniger Kinder auf mehr erwachsene Verwandte. „Diese Geldgeschenke nehmen also ebenfalls zu“, sagt Schlegel-Matthies. Insgesamt, Taschengeld und Geldgeschenke eingerechnet, haben Sechs- bis Neunjährige in Deutschland im Durchschnitt 394 Euro pro Jahr zur Verfügung.

Die Kaufkraft der Kinder gewinnt also für Werbetreibende immer mehr an Bedeutung. „Kinder sind gleich auf mehreren Ebenen interessant. Sie sind aktuelle Konsumenten, werden aber auch als zukünftige Konsumenten umworben. Unternehmen wollen sie so früh wie möglich an Marken binden“, sagt sie. Außerdem seien Kinder bereits im jungen Alter wichtige Multiplikatoren bei Kaufentscheidungen innerhalb der Familie. „Kinder haben bei großen Anschaffungen im Haushalt, wie bei Autos, Computern oder Fernsehern, oft ein gewichtiges Wort mitzusprechen“, lautet die Erkenntnis von Schlegel-Matthies.

Sie rät Eltern, ihre Kinder immer wieder in solche Entscheidungsprozesse miteinzubeziehen und das Thema Geld immer wieder zu thematisieren. „Wenn Finanzen kein Tabuthema in der Familie sind, hilft das dabei, dass Kinder ein gutes Verhältnis zu Geld entwickeln können“, sagt Schlegel-Matthies. Wichtig sei außerdem, dass Kinder frei über ihr Taschnegeld verfügen dürfen – um sich zum Beispiel Schokoriegel an der Supermarktkasse zu kaufen.

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