Schwacher Export: Deutsche Wirtschaft geschrumpft

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Deutsche Presse-Agentur

Der dramatische Einbruch der Exporte hat die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal 2008 tief in die Rezession gestürzt. Die Wirtschaftsleistung schrumpfte zum Jahresende um 2,1 Prozent.

Das teilte das Statistische Bundesamt mit und bestätigte damit vorläufige Zahlen von Mitte Februar. Das war der dritte Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Folge zum jeweiligen Vorquartal und der stärkste seit Anfang 1987. Die Aussichten für das laufende Quartal sind nach Einschätzung von Volkswirten weiter trübe.

Nach den Berechnungen des Bundesamts war das BIP in Deutschland Anfang 2008 im Vergleich zum Vorquartal real noch um 1,5 Prozent gestiegen. In den beiden darauffolgenden Quartalen ging es real jeweils um 0,5 Prozent zurück. Für das Gesamtjahr 2008 bestätigten die Statistiker ein Wachstum der deutschen Wirtschaft von 1,3 Prozent. 2007 war die deutsche Wirtschaft um 2,5 Prozent gewachsen, im Boomjahr 2006 sogar um 3,0 Prozent. Im Vergleich zum vierten Quartal 2007 schrumpfte das BIP Ende 2008 um 1,6 Prozent.

Analyst Simon Junker von der Commerzbank-Dresdner Kleinwort sieht angesichts der bestätigten Zahlen zum Jahresende wenig Hoffnung auf ein baldiges Anspringen der Konjunktur: „Damit startet die deutsche Wirtschaft denkbar schlecht in das Jahr, das wohl die schwerste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg bringen wird.“ Die Volkswirte der Bank rechnen mit einem weiteren Rückgang im ersten Quartal von 1,5 Prozent. Ähnlich dramatisch schätzt Alexander Koch von UniCredit die aktuelle Lage der deutschen Wirtschaft ein: „Die Rezession wird sich im ersten Quartal 2009 fortsetzen. Das Ergebnis wird nicht viel besser ausfallen als im vierten Quartal 2008.“

Für das Gesamtjahr rechnet UniCredit mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 2,5 bis 3,5 Prozent, die Commerzbank von 3,0 bis 4,0 Prozent. Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter erwartet nach Angaben vom Wochenende einen Absturz der deutschen Wirtschaft um fünf Prozent des BIP. Die Bundesregierung rechnet weiterhin mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,25 Prozent.

Ursache für den BIP-Rückgang im vierten Quartal war die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise, durch die die Nachfrage nach deutschen Gütern und Dienstleistungen eingebrochen ist: Der Export sank um 7,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal und um 5,2 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2007. Das war der stärkste Einbruch seit 15 Jahren. Auch die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen fielen nach acht Wachstums-Quartalen in Folge zum Jahresende erstmals wieder deutlich um 4,9 Prozent. Die Bauinvestitionen lagen um 1,3 Prozent niedriger als im Zeitraum Juli bis September, die Konsumausgaben sanken leicht um 0,1 Prozent.

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