Sachanlage Holz: „Genau hinsehen bei nachhaltigen Waldinvestments!“

Stephan Witt
Stephan Witt, Kapitalmarktstratege bei der Finum Finance AG: „Grundsätzlich sind Bereiche wie Nahrungsmittel, Bioenergie oder grünes Baumaterial sicher interessante Themen in jedem Depot.“ (Foto: Finum)
Florian Junker

Holz und Co. versprechen beste Renditechancen und werben mit grünem Charme. Stephan Witt, Kapitalmarktstratege bei der Finum Finance AG in Berlin, rät dazu, die Risken nicht zu vergessen. Florian Junker hat mit ihm gesprochen.

Was halten Sie von Angeboten nach dem Motto „Regenwald schützen und acht Prozent verdienen“?

Es mag hier Anbieter mit besten Absichten geben, das will ich gar nicht in Abrede stellen. Aber generell erfordert das schon sehr viel Vertrauen, das gilt ganz besonders bei Laufzeiten von 20 Jahren und mehr. Denn wer kann schon wirklich beurteilen, ob es die Flächen, die oft weit weg in Südamerika liegen, überhaupt gibt? Und wie lässt es sich überprüfen, ob die tatsächlich nachhaltig bewirtschaftet werden? Auch kann wahrscheinlich niemand sicher abschätzen, ob dort die rechtlichen Rahmenbedingungen in den nächsten Jahrzehnten stabil bleiben.

Einige Anbieter versuchen solche Zweifel mit Nachhaltigkeitssiegeln auszuräumen, hilft das?

Natürlich ist externe Kontrolle besser als nichts, aber auch hier heißt es, ganz genau hinzusehen. Was sind die Kriterien für das Siegel und wie werden die überprüft? Wer garantiert für die Unabhängigkeit oder ist es vielleicht sogar eine Eigenmarke des Anbieters? Und nicht zuletzt, entspricht das dadurch versprochene Verständnis von Nachhaltigkeit den eigenen Vorstellungen?

Welche Gefahren bei Waldinvestments gibt es noch?

Da kommen mir einige in den Sinn, das fängt bei möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf dem Baumbestand an, was sich ja hierzulande in den trockenen Sommern bereits beobachten lässt. Aber auch Schädlingsbefall, Sturmschäden, Feuergefahr können zum Totalverlust führen. Wie gut ist hier der Versicherungsschutz des Anbieters?

Sind Investments in landwirtschaftliche Nutzflächen überhaupt rentabel?

Tatsächlich konnten Anleger in Deutschland mit Acker und Wald in den vergangenen Jahren zum Teil sogar eine bessere Rendite als im DAX erzielen, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt eingestiegen sind. Dafür geeignete Flächen sind allerdings hierzulande rar und auf dem Markt sind viele große Player unterwegs. Der durchschnittliche Privatanleger kommt da eher selten zum Zug. Ein Grund für das hohe Interesse ist neben der Rendite unter anderem, dass diese Flächen oft als Betriebsvermögen eingestuft werden und das Vorteile bei der Erbschaftssteuer bei großen Familienvermögen bringen kann.

Gibt es weniger riskante Alternativen für normale Anleger, um in Holz und Co. zu investieren?

Grundsätzlich sind Bereiche wie Nahrungsmittel, Bioenergie oder grünes Baumaterial sicher interessante Themen in jedem Depot. Hier wird auch in Zukunft eine stabile Nachfrage relativ unabhängig von wirtschaftlichen Zykluskapriolen erwartet. Investiert werden kann zum Beispiel in die Wertschöpfungskette der Holzindustrie über börsennotierte Aktien oder Indexfonds. Wenn es aber eher vorrangig um eine grüne Anlageperspektive geht, gibt es auch direktere Möglichkeiten, am besten vor Ort. Ich habe mich zum Beispiel privat an einer Genossenschaft beteiligt, die Apfelbäume pflegt. Hier kann ich mir als Rendite ein paar Mal pro Jahr eine Kiste leckerer Äpfel abholen.

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