Rolls-Royce Power Systems trennt sich von L’Orange

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Produktion der 1600er-Motors von MTU: Auch nach dem Verkauf von L’Orange bleibt der Friedrichshafener Motorenbauer Kunde des St
Produktion der 1600er-Motors von MTU: Auch nach dem Verkauf von L’Orange bleibt der Friedrichshafener Motorenbauer Kunde des Stuttgarter Unternehmens. (Foto: RRPS)
Schwäbische Zeitung
Ressortleiter Wirtschaft

Der Motorenhersteller Rolls-Royce Power Systems (RRPS), zu dem unter anderem das traditionsreiche Friedrichshafener Unternehmen MTU gehört, trennt sich von L’Orange, dem Stuttgarter Spezialisten für Einspritzsysteme. Der US-amerikanische Industriekonzern Woodward, der vor allem Steuerungssysteme für die Luftfahrt und Industrieanwendungen anbietet, zahlt für das Unternehmen, das 2017 bei einem Umsatz von 244 Millionen Euro einen operativen Gewinn von 64 Millionen Euro erwirtschaftet hat, rund 700 Millionen Euro. Das teilten RRPS und Woodward am Montag mit.

Kapital für Kerntechnologien

„Diese Transaktion basiert auf den Maßnahmen zur Vereinfachung des Geschäfts, die wir in den vergangenen zwei Jahren ergriffen haben. Der Verkauf von L‘Orange ermöglicht es Rolls-Royce Power Systems, sich auf andere langfristige und hohe Wachstumsmöglichkeiten zu konzentrieren. Zugleich ermöglicht es uns, unser Kapital Kerntechnologien und -geschäften zuzuweisen, die der Gruppe höhere Renditen einbringen werden“, sagte Rolls-Royce-Chef Warren East.

Künftig nur drei Bereiche

RRPS ist einer von fünf Geschäftsbereichen bei dem britischen Motorenhersteller, der zuletzt angekündigt hatte, sein Geschäft grundlegend umzustrukturieren und die Zahl seiner Geschäftsfelder auf drei zu verkleinern. Künftig wird es nur noch die zivile Luftfahrt, Verteidigung und den RRPS-Bereich geben, zu dem neben MTU und dem gerade veräußerten Unternehmen L’Orange noch der norwegische Motorenbauer Bergen Engines gehört.

RRPS bleibt ein Schlüsselkunde

RRPS werde aber auch weiterhin ein Schlüsselkunde von Woodward L’Orange, wie das Stuttgarter Unternehmen mit seinen insgesamt 1000 Mitarbeitern in Zukunft heißen wird, sein. Das erklärte jedenfalls RRPS-Chef Andreas Schell. „Wir haben immer gerne mit L‘Orange zusammengearbeitet, das in seinen Märkten eine führende Position inne hat sowie über herausragende Technologien, hochqualifizierte Mitarbeiter und ein starkes Führungsteam verfügt.“

L‘Orange passe nach Angaben von Woodward-Chef Thomas Gendron sowohl in strategischer als auch in finanzieller Hinsicht hervorragend zu Woodward. „Die Transaktion steht in vollem Einklang mit unserer Akquisitionsstrategie, in Märkte mit soliden langfristigen Fundamentaldaten zu investieren. Die Akquisition von L‘Orange bringt innovative Technologie, sie stärkt die Beziehungen mit Schlüsselkunden und steigert die Profitabilität unseres Industrial Segments“, sagte Gendron.

Woodward baut Position aus

Mit der Übernahme werde Woodward nach Unternehmensangaben zu einem führenden Technologie- und Systemanbieter von Motorsteuerungssystemen im Markt für Industriemotoren. Die sich stark ergänzenden Portfolios der Unternehmen ermöglichen ferner eine weitere Expansion in Schlüsselsegmente und -märkte der Branche, gleichzeitig wird die Ertragskraft der Unternehmen gesteigert, heißt es bei dem Konzern mit Sitz in Colorado.

Durch eine langfristige Liefervereinbarung mit einer anfänglichen Laufzeit von 15 Jahren werde L‘Orange auch zukünftig ein wichtiger Partner und Zulieferer für MTU Friedrichshafen und Bergen Engines bleiben, hieß es in Friedrichshafen. Nach Jahren, in denen der Umsatz bei RRPS stagnierte und der Gewinn zurückging, stieg der Umsatz des Unternehmens im Jahr 2017 um drei Prozent auf rund 2,92 Milliarden Pfund (umgerechnet 3,27 Milliarden Euro). Die Umsatzrendite erhöhte sich um 4,1 Prozentpunkte auf 11,3 Prozent, sodass der Gewinn von RRPS um 61 Prozent auf 330 Millionen Pfund (rund 370 Millionen Euro) stieg. Der Auftragsbestand ist mit 2,19 Milliarden Pfund (2,45 Milliarden Euro) vier Prozent höher als ein Jahr zuvor.

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