Renditen mit gutem Gewissen

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Windräder vor dem Braunkohlekraftwerk Neurath im nordrhein-westfälischen Grevenbroich: Investitionen in die Windanlagen sind nac
Windräder vor dem Braunkohlekraftwerk Neurath im nordrhein-westfälischen Grevenbroich: Investitionen in die Windanlagen sind nach der Definition der EU nachhaltig, die Finanzierung von Kohlemeilern dagegen nicht. (Foto: Imago Images)
Agence France-Presse

Die Europäische Union will ihre Bürger ermuntern, mit ihrem Vermögen Gutes zu bewirken. Deshalb hat das Europäische Parlament nun eine einheitliche Definition für nachhaltige Geldanlagen beschlossen.

Warum ist das nötig?

Bislang ist nicht eindeutig geklärt, was als „nachhaltig“ gilt. Das Label hat eine hohe Bedeutung in Zeiten, in denen der Markt für nachhaltige Geldanlagen kräftig wächst. 2017 wurden in Deutschland laut dem Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) 171 Milliarden Euro nachhaltig angelegt. 2014 waren es noch 127 Milliarden Euro.

Das lockt schwarze Schafe an, die sich grüner geben, als sie sind. Sie untergraben das Vertrauen in nachhaltige Geldanlagen insgesamt. Außerdem haben verschiedene Länder bereits eigene Definitionen und Labels für Nachhaltigkeit definiert. Sie machen es den Anbietern der Geldanlagen aber schwer, ihre Produkte über Ländergrenzen hinweg anzubieten. Große Investoren und Verbraucher wiederum können die Produkte nur schwer vergleichen.

Was gilt nun als nachhaltig?

Das Parlament hat unter anderem festgelegt, dass Investitionen in Kohle, Atomkraft und Gasinfrastruktur nicht als „nachhaltig“ bezeichnet werden dürfen. Außerdem müssen Anbieter nachhaltiger Finanzprodukte die Menschenrechtsstandards der Vereinten Nationen bei ihren Investitionen sicherstellen. Anbieter nicht-nachhaltiger Finanzprodukte sollen nach dem Willen des Parlaments sogar warnen, dass ihr Produkt keine nachhaltigen Kriterien erfüllt. Eine schwarze Liste mit schlechten Investitionen oder ein Ranking von Finanzprodukten anhand ihrer Nachhaltigkeit soll es hingegen nicht geben.

Reicht die EU-Definition aus?

Georg Schürmann, deutscher Geschäftsleiter der Triodos Bank – eine der führenden Nachhaltigkeitsbanken hierzulande – begrüßt die Entscheidung des Parlaments als einen „ersten wichtigen Schritt, um zukünftig Greenwashing bei Investmentprodukten zu verhindern“. Er fordert allerdings, dass das Parlament im folgenden Trilog mit der EU-Kommission und den Mitgliedsstaaten auch die soziale Dimension berücksichtigt. Denn gesetzlich beschlossen ist die Definition noch nicht. Viele Nachhaltigkeitsbanken und nicht staatliche Organisationen wählen engere Definitionen. Die Stiftung Warentest beispielsweise schließt Hersteller geächteter Waffen, Betreiber von Atomkraftwerken sowie Firmen, die Arbeits- und Menschenrechtsverstöße dulden, von dem Begriff aus.

Wie erkenne ich nachhaltige Anlageprodukte?

Wer sich nicht mühsam durch die Beschreibungen der einzelnen Produkte wühlen will, kann sich an den Empfehlungen der Stiftung Warentest oder dem FNG-Siegel des Forums Nachhaltige Geldanlagen orientieren. Bis die Europäische Union eigene Siegel vorschreibt, wird es noch einige Zeit dauern.

Welche Möglichkeiten gibt es, Erspartes nachhaltig anzulegen?

Die einfachste Möglichkeit ist, zu einer Nachhaltigkeitsbank zu wechseln. In Deutschland gibt es inzwischen einige solche Institute, etwa die Triodos Bank, die GLS Bank oder die Ethikbank. Diese Geldhäuser versprechen, das Geld der Kunden nur in Unternehmen zu stecken, die nachhaltig agieren. Sie haben eigene Kriterien definiert, die bestimmte Geschäftsfelder für Investitionen ausschließen. Dazu zählen etwa: Waffen, Atom- und Kohlekraft, Kinderarbeit und Tierversuche. Die Institute bieten gängige Leistungen wie Giro- oder Festgeldkonten und Fondssparpläne an. Auch andere Banken, Sparkassen und Volksbanken bieten nachhaltige Produkte an, etwa grüne Aktien- oder Anleihefonds. Zudem gibt es Genossenschaften wie Oikocredit, die mit dem Geld ihrer Mitglieder gezielt Kredite an nachhaltige Unternehmen vergeben. Schließlich können Anleger mittels Crowdfunding ihr Geld auch selbst Unternehmen geben, an deren Nachhaltigkeit sie glauben. Das ist allerdings die riskanteste Methode.

Bringen nachhaltige Investments weniger Rendite?

Dass nachhaltige Fonds aus ethischer Sicht besser, aus finanzieller Sicht aber teurer seien, können aktuelle Untersuchungen nicht bestätigen. Wie die Stiftung Warentest jüngst berichtete, schnitt ein von ihr erstelltes nachhaltiges Portfolio in den vergangenen drei Jahren sogar besser ab als das konventionelle. Experten zufolge sind nachhaltige Investments etwas weniger riskant als konventionelle, da Unternehmen, die auf Nachhaltigkeit achten, oft auch weniger riskant handeln.

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