Renditeknüller Turnschuhe: Top-Sneaker laufen teilweise besser als Aktien

Lesedauer: 6 Min
Turnschuhe
Ein Paar „Moon Shoe“ der Firma Nike, das um das Jahr 1972 gefertigt wurde. Das Paar Turnschuhe ist im Juni in New York für mehr als 400 000 Dollar versteigert worden. (Foto: Ryan Unruh)
Max Geißler

Schondorf - Mit Turnschuhen Geld verdienen? Seltene Sneaker sind der Renner unter den alternativen Geldanlangen. Wer mitmischen will, braucht Glück und Interesse am Thema.

Als Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) 1985 als erster deutscher Umweltminister mit weißen Turnschuhen zu seiner Vereidigung im Hessischen Landtag erschien, war das eine Sensation. Heute wäre seine als Provokation gedachte Aktion keine Schlagzeile mehr Wert – denn Sneaker sind längst gesellschaftsfähig.

US-Basketball-Star Michael Jordan machte die flotten Laufschuhe berühmt und schreibt mit seinen von Nike gefertigten Air-Jordan-Stiefeln bis heute Geschichte. Im Jahr 1984 kamen die ersten Schuhe dieser Serie für weniger als 100 Dollar auf den Markt. Heute findet man gebrauchte Air Jordan 1 für 900 Euro beim Online-Auktionshaus ebay. Eine der teuersten Sneaker aller Zeiten ist der von Michael Jordan höchstpersönlich im NBA-Finale 1997 getragene Nike Air Jordan 12 „Flu Game“. Diese Schuhe waren einem Sammler bei einer Auktion immerhin 104 765 US-Dollar wert.

Bestpreise erzielen in der Regel ungetragene Schuhe. Vier- bis fünfstellige Summen sind keine Seltenheit, wie Internetauktionen bei Stockx.com belegen. Mit Gold und Diamanten besetzte Einzelstücke, zum Beispiel der Buscemi 100 MM Diamond der gleichnamigen US Luxusmarke, kommen sogar auf sechststellige Beträge.

Inzwischen gibt es auch einen Jordan-, Nike- oder Adidas-Index, berechnet aus den bezahlten Kaufpreisen. Mit etwas Glück können Anleger märchenhafte Gewinne erzielen. Wer beispielsweise den Nike SB Dunk Low Reese Forbes Denim im Jahr 2002 für 55 Dollar kaufte, der kann sich heute nach Berechnungen des Portals eschuhe.de über eine Rendite von mehr als 7500 Prozent freuen. Sneaker-Fans müssen schnell und findig sein. Einfach in den nächsten Schuhladen marschieren, klappt nicht. Um von größtmöglichen Wertgewinnen zu profitieren, versuchen echte Sammler, sogenannte „Sneakerheads“, bei der Erstausgabe von limitierten Editionen dabei zu sein. Die Grundlage dafür schaffen Adidas, Nike & Co., indem sie alle paar Wochen stark begrenzte Sneaker-Auflagen auf den Markt bringen. Die Stückzahlen dieser „limited releases“ liegen oft nur bei wenigen Hundert, in Ausnahmefällen sogar nur bei ein paar Dutzend. Die Verkaufspreise sind keineswegs hoch. Die Konzerne profitieren vom Run auf ihre Schuhe, der ihre Marke in aller Munde hält.

Um ein ausgewähltes Stück zum Ausgabepreis zu erwerben, muss man die Webseiten von Herstellern und Händlern im Auge behalten. Dort sind sogenannte Raffles, also Verlosungen, zum Herstellerpreis ausgeschrieben. Für die Teilnahme an einer Auslosung ist eine Registrierung notwendig. Erhält man den Zuschlag, besitzt man das Kaufrecht an einem neu erscheinenden Schuh zum Herstellerpreis. Das allein bietet zwar noch keine Garantie für satten Gewinn, aber es schafft die Grundlage dafür.

Ein Sneaker-Entwurf in Kooperation mit einem Prominenten ist empfehlenswert: Die Yeezy-Boost Reihe von Adidas, die gemeinsam mit dem Rapper Kanye West entsteht, ist ein Paradebeispiel dafür. Der beim Raffle im Dezember 2018 zum Preis von 220 Euro auf den Markt gekommene Yeezy Boost 350 V2 Static ist heute auf der Plattform stocks.com bereits über 300 Euro wert.

Wann lohnen sich Sneaker als Geldanlage?

Sneaker als Anlageform sind prädestiniert für Fans und Sammler mit Background zum Thema und Freude an ausgefallenen Schuhen. „Eine solche Form der Geldanlage ist für Leute interessant, die in den Markt eintauchen und ihn verstehen wollen – das gilt für jegliche Investition in Sammlerobjekte, wie zum Beispiel Oldtimer, Kunst und Wein“, findet der auf Sachwerte spezialisierte Investmentberater Jürgen Raecke. Voraussetzung für ein erfolgreiches Investment ist, dass Anleger stets am Ball bleiben und sich laufend über Marktentwicklungen informieren. „Ein Informationsrückstand kann sich schnell negativ auswirken, etwa indem man neue Trends nicht erkennt und in die falschen Schuhe investiert oder über den Tisch gezogen wird“, warnt Raecke.

Eine weitere Unsicherheit: Bei Sammlerobjekten wie Sneakers ist schwer einzuschätzen, ob das Investment langfristig gewinnbringend ist. Wer sich überhaupt nicht für das Thema Sneaker interessiert und lediglich einen schnellen Gewinn realisieren möchte, der sollte sich nach Ansicht Raeckes eher nach klassischen Formen der Geldanlage umschauen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen