Rückruf wegen Bakterien in Milch: Was Verbraucher nun wissen müssen

Lesedauer: 5 Min
Milch
Wegen Verunreinigung durch Bakterien haben die Deutsche Milchkontor DMK und Fude + Serrahn einen großflächigen Rückruf von frischer fettarmer Milch in Supermärkten und Discountern gestartet. (Foto: Sebastian Gollnow/dpa / DPA)

Zuerst der Skandal beim Wursthersteller Wilke, jetzt die Milch-Rückrufaktion – erneut sind gesundheitsgefährdende Lebensmittel in den Handel gelangt. Bei „einzelnen Artikeln“ sei eine Belastung mit gefährlichen Bakterien festgestellt worden, teilten die beiden Herstellerfirmen Deutsches Milchkontor (DMK) und Fude + Serrahn mit.

Der Verbraucherverband Foodwatch bescheinigt den Unternehmen, zügig gehandelt zu haben. „Im Gegensatz zum Fall Wilke scheint diesmal, zumindest was das Krisenmanagement betrifft, alles korrekt gelaufen zu sein“, sagt Foodwatch-Experte Dario Sarmadi.

Was ist passiert?

Laut Unternehmen hat eine defekte Dichtung dazu geführt, dass im DMK-Werk Everswinkel (Nordrhein-Westfalen) größere Mengen Milch mit Bakterien verunreinigt wurden. Inzwischen sei das Problem behoben. Die Dichtung sei ausgetauscht und die Maschine gereinigt worden, versicherte ein Unternehmenssprecher. Wie viel Milch betroffen war, sei nicht zu klären, sagte er. Die DMK Group gehört zu den größten Lieferanten des deutschen Einzelhandels mit 20 Standorten in Deutschland und den Niederlanden.

Welche Handelsketten und Produkte sind betroffen?

Fast alle großen: unter anderem Aldi Nord und Süd, Lidl, Edeka, Rewe, Metro und Kaufland. Die fraglichen Marken tragen das Kennzeichen „DE NW 508“ und bestimmte Mindesthaltbarkeitsdaten zwischen dem 10. und 20. Oktober. Konkret geht es um den Artikel „Frische fettarme Milch 1,5 Prozent Fett“ im Ein-Liter-Pack. Verkauft wird er unter den Markennamen Aro-Milch von Metro, Milsani von Aldi Nord, Milfina von Aldi Süd, K-Classic von Kaufland, Milbona von Lidl, Tip und Hofgut von Bartels-Langness, Gut und Günstig von Edeka, Gutes Land von Netto, Ja von Rewe und Tip von Real.

Haben die Milchproduzenten richtig reagiert?

Produzenten müssten bei Problemen so früh wie möglich eine Rückrufaktion starten, um die Verbraucher zu warnen und zu schützen, sagt Sarmadi von Foodwatch. Das sei im aktuellen Fall geschehen. Kritisch sieht der Experte das Verhalten mehrerer Handelsketten. Viele von ihnen hätten nur versteckt über das Internet oder gar nicht über den Rückruf informiert. Mancher hat jetzt vielleicht infizierte Milchkartons im Kühlschrank, ohne es zu wissen.

Gab es weitere Versäumnisse?

Die zuständige Behörde hat ihre Warnung am Freitag erst spät auf die Website www.lebensmittelüberwachung.de gestellt. „Das hätte früher geschehen müssen, zumal die Unternehmen schon am Vorabend die Probleme gemeldet hatten“, kritisiert Sarmadi.

Wie gefährlich ist der Erreger?

Das in der Milch gefundene Bakterium Aeromonas hydrophila kann zu Durchfall, Fieber und Erbrechen führen. Kommt es mit offenen Wunden in Berührung, ist sogar eine Blutvergiftung möglich. Behandelt wird eine Infektion mit Antibiotika.

Bekommen Kunden ihr Geld zurück?

Ja – auch wenn dies bei einem Preis von rund einem Euro pro Liter nicht das drängendste Problem sein dürfte. Kunden können bedenkliche Ware einfach in den Supermarkt zurückbringen und erhalten dort – auch ohne Vorlage des Bons – den Kaufpreis erstattet.

Hat der Fall Ähnlichkeiten mit dem Skandal um den Wursthersteller Wilke?

Nein. Zur Erinnerung: An den Listerien-Keimen in den Wurstwaren des hessischen Betriebes starben mindestens drei Menschen. Zudem geriet die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) in die Kritik, weil sie Informationen über den Fall viel zu spät an den zuständigen Landkreis weitergegeben haben soll.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen