Privatinsolvenz befreit von Schulden - Was Betroffene wissen müssen

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Ein Taschenrechner auf einem Tisch
Wenn einem die Schulden über den Kopf wachsen, führt manchmal an der Privatinsolvenz kein Weg vorbei. Das Verfahren dauert Jahre und fordert Entbehrungen. (Foto: Christin Klose/dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Sabine Meuter

Schulden, nichts als Schulden. Der Berg der unbezahlten Rechnungen wächst – selbst für Miete, Strom und Telefon ist auf absehbare Zeit nicht mehr genug Geld da. In eine solche finanzielle Misere geraten viele Privatpersonen: Deutschlandweit sind nach Zahlen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform 6,92 Millionen Verbraucher überschuldet.

Je früher Betroffene zu einer Schuldnerberatung gehen und sich beraten lassen, desto besser. 

Frank Wiedenhaupt von der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung

Oft schaffen Betroffene es nicht alleine, dann ihre Geldangelegenheiten zu regeln und Forderungen zu begleichen. Ein Weg aus der Schuldenfalle ist, sich professionelle Hilfe zu suchen und gegebenenfalls in Privat-insolvenz zu gehen.

Wichtig ist, darauf zu achten, dass es sich um eine anerkannte Schuldnerberatung handelt.

Christoph Zerhusen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

„Je früher Betroffene zu einer Schuldnerberatung gehen und sich beraten lassen, desto besser“, sagt Frank Wiedenhaupt von der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung. Also etwa schon, wenn sie ständig in den Dispo rutschen oder ihr Einkommen so gesunken ist, dass sie die Miete nicht mehr zahlen können.

„Wichtig ist, darauf zu achten, dass es sich um eine anerkannte Schuldnerberatung handelt“, betont Christoph Zerhusen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Anerkannt sind unter anderem die Schuldnerberatungen der Verbraucherzentralen und der Wohlfahrtsverbände. Daneben können zum Beispiel Anwälte Schuldnerberater sein.

Beim ersten Gespräch wird eine Bestandsaufnahme der Einnahmen, Ausgaben und Schulden gemacht.

Roman Schlag vom Caritasverband für das Bistum Aachen

„Beim ersten Gespräch wird eine Bestandsaufnahme der Einnahmen, Ausgaben und Schulden gemacht“, erläutert Roman Schlag vom Caritasverband für das Bistum Aachen. Der Berater prüft, ob der Wohnraum und die Energieversorgung des Schuldners gesichert sind, das Geld zum Leben reicht und ob Sozialleistungsansprüche bestehen.

Erste Wahl ist dann die außergerichtliche Einigung. Doch sie scheitert, wenn auch nur ein Gläubiger ablehnt, die Schulden in einem bestimmten Zeitraum in Raten abgezahlt zu bekommen. „Dann bleibt dem Betroffenen nichts anderes übrig, als beim zuständigen Gericht seine Verbraucherinsolvenz als Schuldenbereinigungsverfahren zu beantragen“, erläutert Schlag. Auch dabei hilft der Schuldnerberater.

„Die Kosten des Verfahrens liegen bei bis zu 3000 Euro und gehen zulasten des Schuldners“, so Schlag.

Schuldner können die Verfahrensdauer auf fünf Jahre reduzieren, wenn sie bis dahin alle Verfahrenskosten beglichen haben.

Christoph Zerhusen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

In der Regel dauert das Verbraucherinsolvenzverfahren sechs Jahre. Neue Schulden dürfen während des Insolvenzverfahrens nicht entstehen. „Schuldner können die Verfahrensdauer auf fünf Jahre reduzieren, wenn sie bis dahin alle Verfahrenskosten beglichen haben“, sagt Zerhusen.

Wer zusätzlich innerhalb von drei Jahren 35 Prozent der Gläubigerforderungen beglichen hat, kann sich nach drei Jahren von den Restschulden befreien lassen. Künftig soll es nach dem Willen des Bundesjustizministeriums (BMJV) auch im Normalfall nur noch drei Jahre dauern. 2019 ist dies jedoch nicht mehr beschlossen worden.

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Während des Insolvenzverfahrens stellt das Gericht dem Schuldner einen Insolvenzverwalter als Treuhänder zur Seite. Er pfändet so viel verwertbares Vermögen wie möglich und zahlt den Ertrag an die Gläubiger aus. „Pfändbar sind zum Beispiel Schmuck des Schuldners oder teure Fahrzeuge“, sagt Zerhusen. Doch keine Sorge: Ein Auto, mit dem ein Betroffener zwingend zur Arbeit fahren muss, bleibt in seinem Besitz. Gleiches gilt beispielsweise für eine einfache Armbanduhr oder den Ehering.

In der sogenannten Wohlverhaltensphase muss der Schuldner mit einem Mindestsatz an Gehalt auskommen. Der Rest der Einnahmen fließt an die Gläubiger. Über wie viel Geld der Verschuldete verfügen darf, hängt unter anderem davon ab, wie viele Kinder zu versorgen sind. Der Wert geht aus der Pfändungstabelle hervor, die das BMJV zum Beispiel online veröffentlicht.

Ist er arbeitslos, muss er sich nachweisbar um einen zumutbaren Job bemühen.

Frank Wiedenhaupt von der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung

Damit die Pfändungsfreigrenzen eingehalten werden, braucht der Schuldner aber unbedingt ein Pfändungsschutzkonto, kurz P-Konto. Dafür beantragt er bei seinem Kreditinstitut, das Girokonto in ein P-Konto umzuwandeln. Die Schuldnerberatungsstelle stellt die Bescheinigung aus, um den unpfändbaren Sockelbetrag zu erhöhen.

Während des Insolvenzverfahrens darf der Schuldner keinerlei Schulden machen. „Ist er arbeitslos, muss er sich nachweisbar um einen zumutbaren Job bemühen“, sagt Wiedenhaupt. Heiratet er, zieht um oder ändern sich die Lebensverhältnisse aus anderen Gründen, muss der Schuldner dies dem Gericht und dem Insolvenzverwalter mitteilen. Kommt der Schuldner seinen Pflichten nicht nach, kann das Verfahren scheitern.

Das Ziel ist ein anderes: Nach Abschluss der Wohlverhaltensphase wird der Schuldner von seinen Restschulden befreit – er wird schuldenfrei.

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