Preis-Dumping im Supermarkt: Mehr für Lebensmittel bezahlen? - Das sagen Leser von Schwäbische.de

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Mit einem Regionalmanager will der Landkreis Ravensburg die Verkaufsstrategien von regionalen Bio-Lebensmitteln verbessern.Foto:
Preis-Dumping im Supermarkt: Für Lebensmittel mehr bezahlen? (Foto: Uli Deck / dpa)
Schwäbische Zeitung

Angesichts von Kampfpreisen für Lebensmittel in vielen Supermärkten hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Handel zu fairen Bedingungen für die Bauern aufgerufen.

"Wir haben ein gemeinsames Interesse an einer starken regionalen Versorgung unserer Bevölkerung mit einheimischen Produkten", sagte Merkel bei einem Treffen mit Vertretern von Handel und Ernährungsindustrie zu Wochenbeginn.

Sie verwies auf eine "gewachsene Sensibilität" für Qualität und Umweltauflagen, die sinnvoll und richtig seien - aber natürlich auch ihren Preis hätten

Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Klaus Müller, sagte, viele Kunden wünschten sich hohe Standards etwa beim Tierwohl und wären bereit, dafür mehr zu zahlen. 

Nicht vergessen werden dürften in der Debatte aber auch Verbraucher, für die preiswerte Lebensmittel entscheidend seien.

Wir haben Sie - die User von Schwäbische.de - befragt: Würden Sie für Lebensmittel höhere Preise bezahlen?

Eine Auswahl an Meinungsbeiträgen:

Der Staat muss aufhören, Großproduzenten von Lebensmittel zu fördern.

Dieter G.: "Der Staat muss aufhören, die Großproduzenten von Lebensmittel zu fördern und er muss den Import von Lebensmittel regulieren. Solange Lebensmittel aus aller Herrenländer trotz der Transportkosten bei uns billiger sind, als die selber produzierten, wird nichts vernünftig funktionieren. Lasst die kleinen Landwirte in Ruhe produzieren und gängelt sie nicht damit, indem sie dieselben Vorschriften, Dokumentationen und Bürokratien zur Auflage bekommen wie die Konzerne."

Gibt doch schon schleichende Preiserhöhungen.

Frank R. via Facebook: "Definitiv nein! Warum sollte man dazu freiwillig bereit sein? Wenn man mal aufmerksam die Preisentwicklungen der einzelnen Supermärkte beobachtet, wird man schnell feststellen, dass durch schleichende Preiserhöhungen ohnehin schon kräftig zur Kasse gebeten wird. Speziell bei Butter, Milch, Käse, Wurst und Fleisch. Wissenswert wäre allerdings: bei wem bleiben die Mehreinnahmen durch diese Preiserhöhungen hängen?"

Hartz 4 und Mindestlohn anheben.

Ralf C.: "Diese Bundesregierung muss dafür sorgen, dass wir Verbraucher*innen faire Preise für Lebensmittel bezahlen. Diese Preise müssen so gestaltet sein, dass die Produzierenden von diesen anständig leben können. Gleichzeitig muss auch erkennbar sein, aus welchen Haltungsbedingungen tierische Produkte stammen. Nur dann kann der Slogan von Frau Klöckner gelten, dass wir alles in der Hand haben, welche Produkte wir konsumieren. Zur Sicherung der Lebensmittelversorgung von Menschen mit niedrigen Einkommen, könnten die Unionsparteien beispielsweise auch endlich dafür sorgen, dass die Hartz 4 Sätze angehoben werden und ein Mindestlohn von 12 Euro plus eingeführt wird, um auch die Kaufkraft dieser Menschen zu verbessern."

Äußerer Schein mehr wert, als gesunde Nahrung.

Markus O.: "Wenn man sieht, wie salonfähig Aldi und Co. geworden sind, da stehen auf dem Parkplatz nicht selten einzelne Autos im Wert von 50.000 und mehr. Das, was man nach außen hin zeigen kann, ist bei uns mehr wert, als das, was man täglich als Nahrung zu sich nimmt. Das, was da abends auf den Teller kommt, sieht der Nachbar ja nicht, das Auto und den schönen Vorgarten dagegen schon."

Ohne mehr Netto auf dem Konto, ändert sich nichts.

Kati S. via Facebook: "Das ist ein zweischneidiges Schwert. Es gibt nun mal Menschen mit geringem Einkommen wie den Mindestlohn. Diese Menschen werden immer so billig wie möglich einkaufen. Solange der Arbeitnehmer nicht mehr Netto aufs Konto bekommt, ändert sich daran nichts. Bitte nicht falsch verstehen. Ich bin auch für Tierschutz."

Viel wichtigere Fragen: Woher und wie produziert?

Bernd R.: "Höhere Preise bedeuten nicht automatisch bessere Qualität. Bestes Beispiel ist die Verarsche der Regierung mit dem Tierwohl-Label. Ein Schwein, welches nicht mal einen Quadratmeter Platz in seinem Leben zur Verfügung hat, als "Tierwohl" zu vermarkten, ist die blanke Verbrauchertäuschung. Oder die Bio-Eier von Aldi - bevor ich mir die kaufen würde, dann lieber kein Ei zum Frühstück. Ich denke viel wichtiger ist zu wissen, woher meine Lebensmittel kommen und wie sie produziert werden. Wir kaufen fast nur noch Bioland, Naturland- und Demeter-Lebensmittel. Da wissen wir, was wir haben. Vieles in den Supermarktregalen kann man eigentlich nur als "Müll" bezeichnen."

Lieber regional als zwanghaft Bio.

Manfred B.: "Bei Bio werde ich doch genauso verarscht. Woher kann ich sicher sein, nur Bio zu bekommen. Lieber ein 1er-Ei aus der Region als ein Bio-Ei vom Discounter. Beim Tierwohl hilft nur, die Gesetze zur Haltung zu ändern und nicht alles dem Verbraucher zu überlassen. Dabei aber auch Ware aus dem Ausland mit einbeziehen."

Mehr bezahlen ja, wenn das Geld die Erzeuger bekommen.

Christine L: "Da ich auf einer Landwirtschaft aufgewachsen bin, weiß ich, was es heißt, Tier zu versorgen. Im Sommer in der Erntezeit einen 18-Stunden-Tag zu haben. Ich weiß, mit wie viel "Liebe" die meisten Landwirte ihre Arbeit machen. Dass die meisten Landwirte vom Milchgeld bald ihre Familien und Tiere nicht mehr versorgen können, will jedoch keiner wissen. Ich würde mehr für gute Nahrungsmittel bezahlen, wenn das Geld dann auch bei den Erzeugern ankommen würde."

Selbst Wochenmarkt bedeutet längst nicht regional.

Sabine D. via Facebook: "Ich zahle bereits höhere Preise für regionale Lebensmittel. Leider machen es einem die Supermärkte/Discounter nicht einfach: Da steht z.B. bei Obst/Gemüse auf dem Preisschild 'Herkunftsland: Deutschland/Ba.Wü.'. Die Ware, die darunter liegt, kommt aber aus Spanien. Da muss man schon ganz genau hinschauen und auch wissen, wo man hinschauen muss. Das Gleiche gilt auch für den Wochenmarkt. Nur weil etwas auf dem Markt angeboten wird, ist es noch lange nicht 'regional'."

Lieber Gutes und dafür weniger.

Ottmar E.: "Ich kaufe schon längere Zeit Qualitätslebensmittel. Gesünder und schmeckt besser, auch das Tierwohl ist stark im Hinterkopf. Qualität hat seinen Preis. Beim Werkzeug und Freizeit gibt man Geld aus, achtet nicht so stark auf den Preis. Da esse ich lieber Gutes und das darf auch was kosten. Dann halt weniger. Ich würde höheren Preis bezahlen - und tue das auch schon."

Wie soll man das noch zahlen?

Ulrike S.: "Mehr zahlen, nur mit was? Leider steigt ja bei den Erhöhungen nicht automatisch der Lohn. Wie sollen Familien mit Kindern, Rentner mit geringer Rente, Alleinstehende mit Mindesteinkommen und auch andere das noch zahlen? Es ist nicht so, dass alle im Geld schwimmen. Warum kaufen so viele im Discounter? Ganz einfach, weil das Geld fehlt."

Was fehlt, ist Transparenz.

Gustav G.: "Was ich vermisse, ist Transparenz. Wenn ich weiß, wie viel der Bauer für ein Produkt bekommt und wie viel der Händler, fällt es mir leichter, mich für ein Produkt zu entscheiden. Außerdem fehlt mir Transparenz beim Produkt. Ich weiß als Endverbraucher nicht, wie oft und mit was, z.B. ein Apfel gespritzt wurde oder wie ein Tier behandelt wurde, dies würde mein Kaufverhalten aber stark beeinflussen. Außerdem wird viel zu viel subventioniert. Es herrscht doch in der Landwirtschaft längst kein freier Markt mehr."

... aber wo geht die Masse hin? - Einmal hin, alles drin!

Markus P. via Facebook: "Der Handel wird immer eine billige Variante zu jedem Lebensmittel zur Verfügung stellen. Der Kunde wird dann dazu gezwungen, sich zu entscheiden, was er mitnimmt. Wir haben mit Hofläden und Wochenmärkten, Metzgereien, Bäckereien, Obst und Gemüsegeschäften, Reformhäusern genug Möglichkeiten, gesunde, regionale und faire Lebensmittel einzukaufen, aber wo geht die Masse hin? - Einmal hin, alles drin!"

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