Porsche dank VW mit mehr Gewinn als Umsatz

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Deutsche Presse-Agentur

Der Sportwagenbauer Porsche hat im ersten Geschäftshalbjahr dank des Höhenflugs der VW-Aktie sein Nettoergebnis mehr als vervierfacht und mehr Gewinn als Umsatz erzielt.

Der den Aktionären zuzurechnende Überschuss stieg in der Zeit von August bis Januar von 1,260 Milliarden auf 5,553 Milliarden Euro, wie das Stuttgarter Unternehmen am Dienstag mitteilte. Allein die Optionsgeschäfte auf VW-Aktien spülten 6,840 Milliarden Euro in die Kasse. Porsche hält seit Anfang Januar fast 51 Prozent an VW und will seine Beteiligung noch in diesem Jahr auf 75 Prozent erhöhen.

Für das Gesamtjahr wagte das Unternehmen keine Prognose. Aufgrund der Unsicherheit auf den Märkten seien verlässliche Aussagen derzeit nicht möglich, hieß es. Allerdings stehe außer Frage, dass Umsatz und Absatz schwächer ausfallen werden als im Vorjahr. Das Vorsteuerergebnis stieg in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2008/2009 von 1,658 Milliarden auf 7,342 Milliarden Euro.

Gleichzeitig sanken Umsatz und Absatz des Sportwagenbauers jedoch kräftig. Die Verkäufe schrumpften wie bereits mitgeteilt um fast 27 Prozent auf rund 34.300 Einheiten. Der Umsatz ging um 12,8 Prozent auf 3,043 Milliarden Euro zurück.

Die Netto-Verschuldung betrug nach der Aufstockung der VW-Beteiligung 9,0 Milliarden Euro. Daher könnten nach Ansicht von DZ-Bank-Analyst Michael Punzet Spekulationen aufkommen, ob Porsche den Anteil an VW weiter erhöhen und den geplanten Beherrschungsvertrag abschließen kann. Die Porsche-Aktie rutschte am Vormittag um 5,6 Prozent ins Minus auf 34,95 Euro.

Erklärtes Ziel des Vorstands ist es, Porsche und Volkswagen durch einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag miteinander zu verbinden. Derzeit stehen dem noch die VW-Satzung und das VW-Gesetz entgegen. Dieses wird jedoch nach wie vor nicht nur von Porsche, sondern auch von der EU kritisiert und könnte nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs fallen.

Porsche hatte sich erst jüngst eine neue Kreditlinie im Volumen von zehn Milliarden Euro gesichert und damit den finanziellen Spielraum für eine endgültige Machtübernahme bei Volkswagen erhalten. Erstmals will sich der Sportwagenbauer auch von zwei Ratingagenturen bewerten lassen. Dadurch verspricht sich Porsche bessere Refinanzierungsmöglichkeiten.

Dass der Umsatz in den ersten sechs Monaten weniger stark schrumpfte als der Absatz, führte Porsche auf den höheren Verkaufsanteil der Sportwagenbaureihe 911 zurück. Dagegen brachen die Verkäufe der preiswerteren Boxster-Baureihe vor dem Modellwechsel um 60 Prozent ein. Eine Belebung der Nachfrage erhofft sich das Unternehmen von der neuen Boxster-Generation und der Diesel-Version des Geländewagens Cayenne, die seit Februar 2009 erhältlich sind.

Den nächsten Wachstumsschub erwartet das Unternehmen früheren Angaben zufolge erst im nächsten Geschäftsjahr mit der Markteinführung des Panamera. Das viertürige Coupe soll im April auf der Automesse in Schanghai vorgestellt werden und ab September an die Kunden gehen. Der Jahresabsatz der vierten Baureihe soll den Planungen zufolge künftig bei 20.000 Einheiten pro Jahr liegen.

Als Reaktion auf die Absatzkrise hatte der Sportwagenbauer die Produktion im ersten Geschäftshalbjahr um rund 20 Prozent gesenkt und die Produktion teilweise ausgesetzt. Besonders stark fiel der Produktionsrückgang der Boxster-Baureihe beim finnischen Auftragsfertiger Valmet aus. Seit Februar wurde ein Teil der Boxster-Fertigung in das Stammwerk in Zuffenhausen zurückgeholt. Bis zum Beginn der Sommerpause soll die Produktion bei Porsche noch einmal an 13 Tagen ruhen. Zudem hat das Unternehmen ein Sparprogramm in dreistelliger Millionenhöhe aufgelegt.

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