Pleite für Heckler & Koch rückt näher

Lesedauer: 5 Min
Männer schauen durch Heckler und Koch Waffen und zielen
Stand von Heckler & Koch auf der Enforce Tac Polizei- und Sicherheitsmesse in Nürnberg Anfang März. (Foto: imago images)
Lothar Häring

Dass der Oberndorfer Waffenhersteller Heckler & Koch ums Überleben kämpft, hat sich schon seit Längerem abgezeichnet. Jetzt liegt auch ein offizielles Attest der Bilanzprüfer vor: Sie warnen vor einem „bestandsgefährdenden Risiko“. Heißt: Heckler & Koch droht die Pleite.

Die Zahlen sprechen für sich: Zwar ist der Umsatz im Jahr 2018 um 21 Prozent auf 220,9 Millionen Euro gestiegen – trotzdem stand unter dem Strich ein weiterer Verlust von acht Millionen Euro (Vorjahr: 7,5 Millionen Euro). Aus dem Jahresbericht 2018 geht weiter hervor, dass die Schuldenlast auf 381 Millionen Euro gestiegen ist. Das Eigenkapital liegt bei minus 119 Millionen Euro. Ein nicht genau benannter Großaktionär hatte 2018 bereits das Schlimmste verhindert und ein zinsloses Darlehen von 30 Millionen Euro gewährt. Als die Not trotzdem wuchs, schoss der geheimnisvolle Unbekannte einen weiteren Überbrückungskredit über 50 Millionen Euro nach.

Doch das wird immer noch nicht reichen, wie das aktuelles Testat der Wirtschaftsprüfungsgesellshaft KPMG zeigt. In der Abschlussprüfung, die jetzt vor der am 12. Juli stattfindenen Hauptversammlung der Aktionäre veröffentlicht wurde, lassen die Experten keinen Zweifel am Ernst der Lage, wenn auch erst auf den hinteren Seiten. Unter der Überschrift „Wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit“ heißt es unter anderem: „Es bestehen wesentliche Unsicherheiten und bedeutsame Zweifel“, ob die Waffenfirma, die am Stammsitz in Oberndorf rund 800 Mitarbeiter beschäftigt, gerettet werden könne.

Der Vorstand mit dem erst vor einem Jahr ins Amt gekommenen Geschäftsführer Jens Bodo Koch, der nur zufällig den Namen der Firma trägt, gibt sich derweil zuversichtlich, die Wende zu schaffen, auch wenn er im Geschäftsbericht Probleme einräumt. Mut machten ein weiterer Anstieg des Umsatzes, die Bereitschaft der Mitarbeiter zur Mithilfe und interne Umstrukturierungen mit dem Ziel einer größeren Effizienz, auch wenn sich in diesem Punkt bisher nicht alle Hoffnungen erfüllt hätten.

Die Mehrheit der Belegschaft hatte sich, wie berichtet, vor drei Wochen auf eine unbezahlte Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 37,5 Stunden und einen Verzicht auf die jährliche Einmalzahlung bereit erklärt.

Demonstrativ optimistisch gibt sich derweil Florian Bokermann, der aktuelle Sprecher des Unternehmens: „Wir blicken auf 280 Millionen Euro Auftragseingang. So erwarten wir steigende Umsätze auch 2019. Wir sind in den ersten Monaten des Jahres 2019 voll im Plan.“ Ziemlich ungetrübt ist auch sein Blick auf das Ergebnis der Bilanzprüfer: Sie hätten Heckler & Koch „ein uneingeschränktes Testat gegeben“. Dieses beinhalte die gleiche Aussage wie im Vorjahr und die allgemeingültige Aussage, dass – sollten bestimmte Prämissen nicht eintreffen – externe Finanzierungsquellen herangezogen werden müssten.

Der Waffenhersteller hofft weiter auf Millionenzuschüsse von Finanzinvestoren. Doch nicht nur die sind ein großer Unsicherheitsfaktor. Das Landgericht Stuttgart hat die Waffenfirma im Februar zu einer Strafzahlung von 3,7 Millionen Euro verurteilt. Heckler & Koch hofft auf die Revision. Und um Millionen geht es auch in einem Prozess, den ein früherer Geschäftsführer gegen seinen früheren Arbeitgeber angestrengt hat.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen