Noch hat die deutsche Autobranche eine Zukunftschance

Lesedauer: 3 Min
Die den Schuss gehört haben
Die den Schuss gehört haben (Foto: Roland Rasemann)
HannesKoch

Einen Augenblick zu überlegen, was man selbst besser machen könnte, ist hilfreich. „Gute Vorsätze“ heißt diese kontemplative Übung bei vielen Zeitgenossen am Jahresbeginn. Die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen haben sie nun zur Jahresmitte absolviert. Ihr Überlebensprogramm für die in den drei Ländern beheimatete Autoindustrie ist gespickt mit Forderungen an die Bundesregierung, lässt sich jedoch auch lesen als Selbstermahnung.

Immerhin zwei der drei Fordernden – Markus Söder (CSU) und Stephan Weil (SPD) – gehören Parteien an, die seit Jahren die Bundesregierung stellen. Und auch der Grüne Winfried Kretschmann ist nicht einflusslos auf Bundesebene. Diese Spitzenkräfte geben nun zu Protokoll, den Schuss gehört zu haben.

Noch zehn Jahre habe man Zeit, um die deutschen Kraftfahrzeughersteller fit für die Zukunft zu machen. Sonst sei es zu spät und die Krone der ökonomischen Evolution gehe den Weg alles Irdischen. Das mag dramatisch klingen, aber die Gefahr besteht. Zwar preist Kretschmann Daimler und Porsche als „beste Autos der Welt“. Leider stimmt das nicht mehr so ganz. Wer einmal mit einem voll elektrischen Nissan Leaf oder einem Tesla unterwegs war und entsprechende Wagen in der Palette der heimischen Hersteller sucht, mag an Kretschmanns Lob zweifeln.

Tatsächlich hat auch die Bundes- und Landespolitik jahrelang verpasst, der Autoindustrie einen förderlichen und Modernisierung ermutigenden Rahmen zu setzen. Man hat sich auf den Lorbeeren ausgeruht. Nun, da der technisch-unternehmerische Fortschritt disruptiv, also sehr schnell, vonstattengeht, ist betriebswirtschaftliche und politische Eile geboten. Die Chancen sind dabei nicht so schlecht. Wenn die deutschen Autokonzerne in den nächsten Jahren wirklich Dutzende Elektromodelle auf den Markt bringen und die Politik das Land flächendeckend mit Stromtankstellen ausrüstet, können VW, BMW und Daimler als global relevante Firmen überleben. Zum Jahreswechsel lässt sich überprüfen, ob Kretschmann, Söder und Weil einige Schritte in diese Richtung geschafft haben.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen