Neues VW-Spitzenmodell

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Herbert Diess (links), aktuell noch Markenvorstand von Volkswagen, steht bei einer Pressekonferenz neben Matthias Müller, dessen
Herbert Diess (links), aktuell noch Markenvorstand von Volkswagen, steht bei einer Pressekonferenz neben Matthias Müller, dessen Tage als Vorstandsvorsitzender von VW wohl gezählt sind. (Foto: Philipp von Ditfurth)
Deutsche Presse-Agentur
Felix Frieler und Jan Petermann

Es ist einer der aufreibendsten Jobs in der Autobranche. Als VW-Chef steht Matthias Müller im Dieselskandal unter der Dauerbeobachtung von Medien, Investoren und Ermittlern. Und das ist nur das heikelste von vielen heiklen Themen, mit denen der Lenker des größten Autokonzerns der Welt täglich zu tun hat.

Kurz nachdem im Herbst 2015 die Manipulationen an Millionen Dieselwagen bekannt wurden, übernahm Müller von Martin Winterkorn das Ruder in Wolfsburg. Jetzt steht er selbst vor der Ablösung an der Spitze der VW-Gruppe. Sein Nachfolger soll Kernmarkenchef Herbert Diess werden, heißt es aus dem Umfeld des Aufsichtsrats und des Managements.

Die Nachricht schlug am Dienstagnachmittag ein. Volkswagen denke über Umbaumaßnahmen im Vorstand nach, erklärte das Unternehmen recht allgemein und kryptisch. „Dazu könnte auch eine Veränderung im Amt des Vorstandsvorsitzenden gehören.“ Aber steht tatsächlich der harte Schnitt bevor, nach dem es aussieht? Ob der 64-jährige Müller am Ende wirklich gehen muss, ist bis auf Weiteres unklar. Eigentlich läuft sein Vertrag bis 2020. Noch ziehen die mächtigen Kontrolleure ihre Strippen: die Mehrheitseigner der Familien Porsche und Piëch, die Arbeitnehmer um Betriebsratschef Bernd Osterloh, das Land Niedersachsen, das Scheichtum Katar.

Aus dem Umfeld der Aufseher ist zu hören, dass verschiedene Szenarien durchgespielt werden. Eines könnte die stärkere Aufteilung des Zwölf-Marken-Konzerns in eine Premiumgruppe mit Audi, Porsche & Co. auf der einen sowie eine Volumengruppe mit VW, Skoda und Seat auf der anderen Seite sein. Schon Winterkorn hatte ähnliche Gedanken. Das mündete dann zwar in eine engere Zusammenarbeit der Marken bei der Entwicklung. Sie blieben aber weiter unter einem Konzerndach mit dem Machtzentrum Wolfsburg.

Eine stärkere Selbstständigkeit hatte Müller selbst in seiner Amtszeit angestoßen, auch wenn er nicht der Erfinder dieser Strategie war. Bei Volkswagen können die Einzelmarken zwar theoretisch im Einkauf oder bei der Entwicklung ihre Marktmacht bündeln – allerdings ist das VW-Imperium über die Jahre auch immer unübersichtlicher und schwieriger zu organisieren geworden. Hinter vorgehaltener Hand stöhnten viele Beschäftigte über ausufernden Zentralismus, kleinteilige Vorgaben und nach wie vor starre Hierarchien.

Der Dieselskandal 2015 war der Anlass, vieles bei VW auf den Prüfstand zu stellen. In diesem Sinne wollte Müller die schwere Krise auch als Weckruf oder Chance verstanden wissen. Als Vorstandschef schob er Reformen zumindest an.

Zu viele Fettnäpfchen

Doch er trat auch immer wieder in Fettnäpfchen. Als Kunden, Politiker und Aufsichtsbehörden kurz nach dem Bekanntwerden der Manipulationen eine Entschuldigung erwarteten, ging Müller in einem Radiointerview in Abwehrhaltung. VW habe in der Affäre bloß Gesetze falsch ausgelegt – der Abgasskandal sei kein ethisches, sondern eher ein rein „technisches Problem“. Es folgte ein Sturm der Entrüstung. Später polterte er gegen aus seiner Sicht unfaire Medienberichterstattung. Zuletzt brachte Müller in einem Interview ein Ende der Steuerprivilegien für Dieselautos ins Spiel. Die Branche, die so lange wie möglich gutes Geld mit den teureren Wagen verdienen will, war entsetzt. Und auch beim Reizthema Vorstandsgehälter machte er nicht immer eine glückliche Figur. Auf die Frage etwa, wie er denn die Erhöhung seiner Jahresbezüge von 7,2 auf 10,1 Millionen Euro von 2016 auf 2017 rechtfertige, antwortet er bei der Vorlage der Zahlen Mitte März lapidar: Da sei ja der Aufsichtsrat zuständig. Kanzlerin Angela Merkel gab sich „erstaunt“ über das Gehaltsplus.

Sein möglicher Nachfolger ist ein ganz anderer Typ. Der einstige BMW-Manager Herbert Diess (59) spricht eher leise und ist zumindest nach außen das Gegenteil von einem Heißsporn. Den Konflikt – vor allem mit den Arbeitnehmervertretern – scheut er allerdings nicht.

Vor allem hat Diess bei der VW-Kernmarke als Chef einiges in Bewegung gebracht und der chronisch ertragsschwachen Sparte rund um Golf, Passat, Tiguan und Touareg hohe Ziele gesetzt. Bislang konnte er liefern. Die Ertragskraft der Marke hat sich in seiner Amtszeit erhöht, obwohl sie weiter unter dem Wert vieler Konkurrenten liegt. Mit dem mächtigen Betriebsrat um Bernd Osterloh schloss Diess nach heftigen Scharmützeln rund um das Sparprogramm „Zukunftspakt“ eine Art Burgfrieden.

Für Matthias Müller muss der Umbau derweil nicht das Ende seiner Karriere bedeuten. Er habe grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, am Umbau mitzuwirken. Derzeit sei offen, ob es zu einer „Weiterentwicklung der Führungsstruktur oder zu personellen Veränderungen im Vorstand“ kommt – ein Rauswurf klingt anders.

Eine weitere Personalie wurde am Dienstagabend bekannt. Im Zuge des Umbaus bei VW soll ein enger Vertrauter von Betriebsratschef Bernd Osterloh neuer Personalvorstand werden: Gunnar Kilian, aktuell Generalsekretär des VW-Konzernbetriebsrates.

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