Neue Vorwürfe gegen Schlecker

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Lars und Meike Schlecker im Jahr 2011 vor der damaligen Unternehmenszentrale der Schlecker-Drogeriemarkt-Kette.
Lars und Meike Schlecker im Jahr 2011 vor der damaligen Unternehmenszentrale der Schlecker-Drogeriemarkt-Kette. (Foto: dpa)

Anton Schlecker, der Chef der vor fünf Jahren untergegangenen Drogeriemarktkette Schlecker mit Sitz in Ehingen (Alb-Donau-Kreis) soll mit seiner Familie kurz vor der Insolvenz seines Unternehmens mehr als 26 Millionen Euro beiseitegeschafft und vor den Gläubigern gerettet haben. Das berichtet die „Wirtschaftswoche“. Das Magazin beruft sich vor dem am Montag am Landgericht Stuttgart beginnenden Prozess gegen den Unternehmer und seine Familie auf die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Demnach soll Anton Schlecker sich in 36Fällen Vermögenswerte gesichert haben, die in die Insolvenzmasse gehörten. Schleckers Ehefrau Christa und die Kinder Lars und Meike stehen ebenfalls vor Gericht, unter anderem wegen Beihilfe.

Allein 16 Millionen Euro sollen dem Zugriff der Gläubiger entzogen worden sein, indem Anton Schlecker sie durch überteuerte Verträge mit dem Logistikunternehmen LDG an seine Kinder verschob, berichtet das Magazin. Der Sohn und die Tochter waren Gesellschafter der LDG.

In der Auflistung der Staatsanwaltschaft tauchen laut „Wirtschaftswoche“ auch Schenkungen an Schleckers Enkelkinder, Beraterhonorare an seine Frau und eine Gewinnausschüttung der LDG auf. Schleckers Anwalt Norbert Scharf sagte der „Wirtschaftswoche“, die in der Klageschrift aufgeworfenen Fragen „betreffen einen komplexen und rechtlich schwer einzuordnenden Sachverhalt aus der Historie der Firma“. Daher verböten sich voreilige Festlegungen.

Nun könnte auf die Familie Schlecker weiterer Ärger hinzukommen, der nichts mit dem Strafprozess zu tun hat. Das Finanzamt Ehingen erhebt nach Angaben von „Spiegel Online“ Steuernachforderungen auf rund 68 Millionen Euro von Schleckers Kindern, Meike und Lars. Auch Anton Schlecker selbst soll in den Vorgang verwickelt sein. Das Nachrichtenportal beruft sich auf einen Brief. Auch hier steht das Logistikunternehmen LDG im Zentrum der Vorwürfe. „Als das Unternehmen ihres Vaters in Schieflage geriet, gaben die Kinder ihrem Vater über die LDG augenscheinlich ein Darlehen über 50 Millionen Euro. Darüber hinaus stand Anton Schlecker bereits mit rund 18 Millionen in der Schuld der Kinder, da er Werkleistungen der LDG mbH in Anspruch genommen hatte, ohne sie zu vergüten“, schreibt „Spiegel Online“.

Die Finanzbeamten vertreten nach Angaben des Nachrichtenportals nun die Ansicht, dass die Gesamtsumme von 68 Millionen Euro für den Vater kein echter Kredit war, sondern ein Griff in die Kasse durch Lars und Meike Schlecker. Das Finanzamt wertet dies als eine verdeckte Gewinnausschüttung, die privat an den Vater weitergereicht wurde. Als Schlecker Insolvenz anmelden musste, schrieben die Kinder das Darlehen ab.

In dem Schreiben des Finanzamts heißt es nach Angaben von „Spiegel Online“ nun, zum Ende des Jahres 2011 seien bei der Firma LDG „Wertberichtigungen auf Forderungen in Höhe von 68063938 Euro gegenüber Herrn Anton Schlecker geltend gemacht“ worden. Die Wertberichtigungen jedoch „wurden nicht anerkannt und als verdeckte Gewinnausschüttung bei der Firma LDG hinzugerechnet.“ Eine solche Gewinnausschüttung hätte aber versteuert werden müssen – von Lars und Meike Schlecker.

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Die Anklage gegen Anton Schlecker, den Chef der ehemaligen Drogeriemarktkette, ist zugelassen wor.

Insgesamt soll er 800.000 Euro an seine Enkel überwiesen haben
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