Motorenbauer MTU hebt Jahresziel an

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Rolls-Royce-Power-Systems zieht positive Bilanz nach erstem Halbjahr
Der Umsatz ist um 13 Prozent auf mehr als 1,6 Milliarden Euro gestiegen. Das gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt.
Ressortleiter Wirtschaft

Es läuft rund. Die Halbjahreszahlen, die der Motorenhersteller Rolls-Royce Power Systems (RRPS) und seine Friedrichshafener Kernmarke MTU am Donnerstag vorgelegt haben, sind sogar so gut, dass RRPS-Finanzchef Marcus Wassenberg das Umsatzziel für 2018 leicht erhöht hat. Das Unternehmen, das zum englischen Traditionskonzern Rolls-Royce gehört, hatte sich im März noch ein Umsatzziel von 3,35 Milliarden Euro gesetzt. „Nun gehen wir von einem Jahresumsatz zwischen 3,5 und 3,6 Milliarden Euro aus“, sagte Wassenberg.

„Wir sind auf Kurs und haben die positive Entwicklung fortgesetzt“, erklärte RRPS-Chef Andreas Schell mit Blick auf die Geschäfte in den ersten sechs Monaten 2018. RRPS, zu denen neben der bekannten Dieselmotorenmarke MTU der norwegischen Motorenbauer Bergen Engines und Teile des zivilen Nuklear-Programms von Rolls-Royce gehören, kam auf einen Umsatz von 1,672 Milliarden Euro, das sind 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der operative Gewinn (Ebit vor Finanzierung) stieg sogar um 208 Prozent auf rund 91 Millionen Euro.

Als Gründe für die gute Entwicklung nannte Wassenberg vor allem die florierende Weltwirtschaft und die Tatsache, dass sich einige für das RRPS wichtige Schlüsselmärkte wie die Öl- und Gasförderung sowie die Schifffahrt besser als erwartet entwickelt haben. Im Frühjahr habe das Unternehmen nicht weniger als 265 Dieselmotoren der 4000er-Baureihe nach Chile für ein Kraftwerkssystem verkauft. Zudem steige nicht nur die Nachfrage nach neuen Motoren und Komonenten, sondern auch die Nachfrage nach Serviceleistungen.

Für den Rest des Jahres erwartet Markus Schell weiter ein stabiles Wachstum. „Trotz einiger Handelsdispute läuft es im Moment gut“, erklärt der RRPS-Chef. „Seit dem Besuch von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bei US-Präsident Donald Trump sind wir wieder beruhigter. Aber wir sind schon sehr abhängig vom Welthandel.“

Um sich im Hinblick auf diese Unsicherheiten vorzubereiten, will das Unternehmen den eingeschlagenen Weg vom Motorenhersteller zu einem sogenannten Lösungsanbieter weitergehen. „Die Kunden erwarten nicht mehr nur einen Motor, sondern Komplettlösungen über den gesamten Lebenszyklus des Produktes“, erläutert Andreas Schell. „Aus diesem Grund müssen wir die Kundenorientierung stärken und die Digitalisierung weiter vorantreiben.“ Dazu hat RRPS weltweit mittlerweile vier sogenannte Costumer Care Center, die die Kunden 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche betreuen können. „Wir sind auf Kurs – und mitten drin in der Umsetzung“, sagt Schell. Der Wandel macht eben auch vor Dieselmotoren nicht halt.

Große Probleme beim RRPS-Mutterkonzern

Rolls-Royce Power Systems stellt vor allem große Dieselmotoren für Schiffe, Eisenbahnen und zur Stromerzeugung her. Das Unternehmen ist mit einem Umsatzanteil von 21,4 Prozent der zweitwichtigste Geschäftsbereich des britischen Traditionskonzern Rolls-Royce. Wichtigste Sparte ist die zivile Luftfahrt mit einem Umsatzanteil von 52,5 Prozent neben den militärischen Anwendungen (20,6 Prozent) und der Sparte Luftfahrtaggregate und Gasturbinen (5,5 Prozent).

Rolls-Royce kam in den ersten sechs Monaten auf einen Umsatz von 8,4 Milliarden Euro (7,5 Milliarden Pfund), das war ein Plus von zwölf Prozent. Der operative Gewinn belief sich auf 158 Millionen Euro (141 Millionen Pfund) nach einem Verlust von 94 Millionen Euro (84 Millionen Pfund) im Vorjahreszeitraum. Unterm Strich wies das Unternehmen jedoch einen Verlust von 1,08 Milliarden Euro (962 Millionen Pfund) aus. Grund sind technische Probleme mit den Motoren für den Boeing-Jet 787 Dreamliner, wegen denen der Konzern für die in den kommenden Jahren erwarteten Mehrkosten Rücklagen bildete.

Im Vorjahr hatte sich das Minus sogar auf 1,35 Milliarden Euro (1,2 Milliarden Pfund) belaufen. Grund für den Rückgang im Vergleich zu 2017 war dem eingefahrenen dreistelligen Millionengewinn durch den Verkauf der Einspritzsystem-Tochter L’Orange zu verdanken, die zuvor zur Sparte RRPS gehört und die Rolls-Royce an den US-amerikanischen Hersteller von Steuerungssystemen für Luftfahrt und Industrie, Woodward, verkauft hatte. Für RRPS arbeiten 10000 Menschen, davon 5700 in Friedrichshafen, das sind 20 Prozent der Gesamtbelegschaft von Rolls-Royce.

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