Ministerium begrüßt Teststrecke am Bodensee

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Ein Auto auf der geplanten Friedrichshafener Teststrecke für automatisiertes Fahren: Tests im realen Verkehrsumfeld sind nach Au
Ein Auto auf der geplanten Friedrichshafener Teststrecke für automatisiertes Fahren: Tests im realen Verkehrsumfeld sind nach Auffassung des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums unabdingbar. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
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Die Zukunft der Automobilität beginnt in Friedrichshafen mit dem Umbau von Ampelanlagen. Der ist nötig, um mitten in der Stadt am Bodensee eine Teststrecke für automatisiertes Fahren einzurichten. Der Gemeinderat der Stadt will am nächsten Montag entscheiden, ob das Projekt umgesetzt wird. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass eine große Mehrheit den Weg mit uns gehen wird“, sagte der Erste Bürgermeister Stefan Köhler am Dienstag. Die Stadt will dafür nach eigenen Angaben rund 250 000 Euro investieren.

Die Route, auf der der Friedrichshafener Automobilzulieferer ZF und später auch andere Unternehmen automatisierte Funktionen von Autos ausprobieren wollen, führt mitten durch die Stadt und wird zunächst genauso aussehen wie bisher. Mit einer Ausnahme: An allen neun Ampelanlagen, die die Wagen mit ihren Testfahrern passieren, werden sogenannte Road-Side-Units angebracht, kleine, graue Kästen, die den Autos der Zukunft nicht nur verraten können, ob das Licht gerade rot oder grün ist, sondern auch wann die Ampel umspringt und wie viel Verkehr sich gerade auf der fraglichen Kreuzung tummelt. Später soll möglicherweise eine Strecke in der Altstadt, die an die Fußgängerzone grenzt, und Parkhäuser dazukommen.

Das Wirtschaftsministerium von Baden-Württemberg begrüßt die Initiave, die das Institut für Weiterbildung, Wissens- und Technologietransfer (IWT) mit Sitz in Friedrichshafen mit ZF initiiert hat, ausdrücklich. „Zulieferer aus der Region Bodensee-Oberschwaben haben auf diese Weise die Chance, ihre Produkte im Realbetrieb auf öffentlichen Straßen und vor allem im herausfordernden Stadtverkehr zu testen, ohne weite Strecken zu anderen Testfeldern zurücklegen zu müssen“, sagte Ministeriumssprecherin Silke Walter auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“. Im Rahmen der Entwicklung von Fahrzeugen mit automatisierten Fahrfunktionen sei „die Durchführung von Tests in speziellen Testgebieten, aber auch im realen Verkehrsumfeld unabdingbar“.

In Deutschland gibt es bereits in Bremen, Braunschweig und Wuppertal sowie in Bayern und im Saarland Teststrecken. Baden-Württemberg plant zudem auf Strecken zwischen Karlsruhe und Heilbronn ein Testfeld Autonomes Fahren, das alle Arten von öffentlichen Straßen – von der Autobahn über Landstraßen bis hin zu städtischen Hauptstraßen und Wegen in Wohngebieten – umfasst.

Falls der Gemeinderat in Friedrichshafen nächste Woche zustimmt, könnte die Teststrecke nach Angaben von Bürgermeister Köhler noch in diesem Jahr – wohl im September oder Oktober – in Betrieb gehen. Die Teststrecke am Bodensee umfasst neben einer Bundesstraße auch Tempo-50- und Tempo-30-Zonen. In den Testwagen werden aber vorerst immer auch Fahrer mitfahren, die den Betrieb überwachen und jederzeit eingreifen können.

Test unter Realbedingungen

Das IWT will die Teststrecke in den kommenden Jahren weiterentwickeln. Ziel ist nach Angaben des Instituts die Bildung eines Konsortiums mit mehreren Firmen und anderen Partnern. Zunächst aber werden vor allem ZF-Ingenieure in Autos und Lastwagen unterwegs sein. Es sei wichtig, direkt am Konzernsitz Erprobungsmöglichkeiten für das automatisierte Fahren zu haben, sagte Torsten Gollewski, Leiter der ZF-Vorentwicklung und Geschäftsführer der ZF-Tochterfirma „Zukunft Ventures“, in der der Konzern unter anderem seine Start-up-Beteiligungen im Segment des autonomen Fahrens bündelt. „Wir bauen hier in Friedrichshafen mit Hochdruck Entwicklerteams auf.“ Die bräuchten die Möglichkeit, ihre Arbeit unter realen Bedingungen zu testen und Daten zu sammeln.

Die Route durch Friedrichshafen bietet im Vergleich zu anderen Strecken einige Besonderheiten, etwa einen Tunnel, Kreisverkehre, mehrspuriges Abbiegen und auch unmarkierte Straßenabschnitte. Denn auch die wird es in der Zukunft geben.

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