Mindestlohn erhöhen - ja oder nein? User von Schwäbische.de sagen ihre Meinung

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Einkommen
Der Mindestlohn soll bis 2022 auf 10,45 Euro steigen. (Foto: Andreas Gebert / DPA)
Schwäbische Zeitung

Der Mindestlohn liegt aktuell bei 9,35 Euro pro Stunde. Gewerkschaften fordern schon länger eine deutliche Anhebung, Arbeitgeber warnen dagegen vor einer zu hoher Belastung. 

Am heutigen Dienstagnachmittag dann wurde von der verantwortlichen Kommission empfohlen, den gesetzliche Mindestlohn in Deutschland zu erhöhen, und zwar in vier Stufen bis zum 1. Juli 2022 von derzeit 9,35 Euro auf 10,45 Euro.

Wir haben unsere Leser vor dieser Entscheidung ganz grundsätzlich befragt:

Sollte der Mindestlohn erhöht werden oder nicht? 

Hier eine Auswahl an Antworten:

Dann lohnt es sich nicht mehr, etwas zu lernen

Manuela W.: "Eine Erhöhung des Mindestlohns sehe ich kritisch. Damit erreicht man, dass die ungelernte Kräfte näher an die gelernten rankommen. Es lohnt somit nicht, etwas zu lernen. Am Ende stehen wir da, wie die USA. Wenn jemand nach 40 Jahren Arbeit von der Rente leben möchte, dann muss man auch was geleistet haben. Das bedeutet: Von Anfang an wieder lernen und sich ständig weiterbilden. Wenn ich sehe, was derzeit mit Mittlerer Reife hier so abschließt und was die in Mathematik, Physik und Chemie so draufhaben, wird mir übel. Von Allgemeinbildung ganz zu schweigen."

Mindestlohn für bessere Rente

Herbert M.: "Mindestlohn erhöhen, damit nach 40 Berufsjahren eine Rente rauskommt, von der man ohne staatliche Zuschüsse leben kann."

Das ganze System stimmt nicht mehr

Karin M. via Facebook: "Traurig, dass man überhaupt Mindestlohn zahlen muss. Früher gab's Tarifverträge und Einstufungen, je nach Ausbildung und Berufserfahrung. Da hatte man einen anständigen Lohn und konnte sich noch hocharbeiten. Das ganze System stimmt nicht mehr."

Arbeit muss sich lohnen!

Anne H.: "Arbeit muss sich lohnen! Es muss ein Unterschied sein zwischen 'einer Arbeit nachgehen' und 'kein Bock auf Arbeit haben'. Hut ab vor allen, die für den Mindestlohn arbeiten und sich nichts leisten können und gerade so über die Runden kommen - was schon traurig ist. Viele haben mit dem Mindestlohn viel weniger als die, die nicht arbeiten möchten."

Wollen wir wirklich die Spirale so weiterdrehen?

Ralf S.: "In der Schweiz bekommt man in größeren Städten kaum eine Reinigungskraft für unter 30 Franken die Stunde. Hört sich erst mal toll an. Aber dann muss man sich auch nicht wundern, wenn die Preise hochgehen und am Ende für die Reinigungskraft wieder nicht mehr übrig bleibt. Wollen wir wirklich die Spirale so weiterdrehen? Oder wie sollen die Arbeitgeber die Erhöhungen erwirtschaften, wenn nicht durch Preiserhöhungen?"

Ein Armutszeugnis, dass da überhaupt diskutiert werden muss.

Dolores G. via Facebook: "Ein Armutszeugnis, dass da überhaupt diskutiert werden muss. Selbstverständlich brauchen wir endlich einen armutsfesten Mindestlohn, mit dem man auch ein Rentenniveau über der Grundsicherung erreichen kann."

Manche Leistungen sind keine 9,35 Euro wert

Tom D.: "Es gibt nicht wenige Arbeitnehmer hier im Land, deren 'Leistungen' in der Tat keine 9,35 Euro wert sind! Das System funktioniert nur, wenn Leistung und Gegenleistung im Einklang stehen. Eine sehr einfache Formel."

Man sollte vom Einkommen leben können

Fiona Petra S.: "Man sollte vom Einkommen leben können und am Ende sollte eine ausreichende Rente dabei rausspringen, ohne dass man staatliche Hilfe braucht."

Nicht mehr genug Netto vom Brutto

Reinhard K.: "Das Kernproblem ist, dass vom hohen Brutto viel zu wenig Netto übrig bleibt. Und das, was sich der Staat nicht mehr traut zu holen, wird in Zuzahlungen umgewandelt oder in Gebühren versteckt. Wenn man sich die Bruttolohnentwicklung der letzten zehn Jahre ansieht und dann diese mit dem verbleibenden Netto vergleicht, wird es einem schlecht. Mit der Rente genau das Gleiche. Erst wird die Rentenkasse zweckentfremdet und geplündert, dann kommt die Einheitsrente, wo derjenige, der 40 Jahre eingezahlt hat, wieder beschissen wird. Die Generation, die auf den Generationenvertrag gesetzt hat, ist am schlimmsten dran. Der Generation, der man zusätzliche Altersvorsorge angeraten hat, bekommt es hinterher wieder von der gesetzlichen Rente abgezogen. Vater Staat sorgt schon dafür, dass Otto Normalverbraucher in der Rente nicht zu üppig ausgestattet ist. Ganz im Gegensatz zu den Politikern und den staatlichen Pensionen."

Mindestens zwei Euro über dem Hartz-4-Satz

Sabrina A. via Facebook: "Was ist denn das für eine Frage? Der Mindestlohn sollte mindestens zwei Euro über dem Hartz-4-Satz liegen. Dass man darüber überhaupt reden muss, ist unfassbar!"

Mindestlohn nicht ständig unterwandern

Sascha A.: "Wichtiger als eine Erhöhung wäre ein Gesetz, damit der Mindestlohn nicht ständig unterwandert wird, wie zurzeit üblich in der Paketbranche durch unbezahlte Überstunden oder auf dem Bau durch Scheinselbständigkeit."

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