Milliarden für neue Züge - Damit will die Bahn die Verkehrswende beflügeln

Ein ICE 4 in einem Bahnbetriebswerk: Bis zum Ende des Jahrzehnts gibt die Bahn 19 Milliarden Euro für neue Züge aus.
Ein ICE 4 in einem Bahnbetriebswerk: Bis zum Ende des Jahrzehnts gibt die Bahn 19 Milliarden Euro für neue Züge aus. (Foto: Maurizio Gambarini/dpa)
Korrespondent

Auf der einen Seite teilt sich eine Familie das Abteil der Regionalbahn, etwas weiter arbeitet ein Angestellter am Laptop auf dem Weg zur Arbeit, weiter vorne sitzt eine Gruppe am Tisch. So könnte ein Morgen in der Bahn künftig aussehen. „Wir wollen die Zeit des Pendelns wertvoll machen“, sagt die für den Regionalverkehr zuständige Vorständin Evelyn Palla, also sie die neue S-Bahn auf der Fachmesse Innotrans in Berlin vorstellt. Weit entfernt ist der Einsatz nicht mehr. Im kommenden Jahr wird der Zug zwischen München und Mühldorf erstmals im Linienverkehr eingesetzt.

An neuen Zügen wird der Aufschwung des Schienenverkehrs nicht scheitern. Bahnchef Richard Lutz kündigt ein gewaltiges Investitionsprogramm für neue Züge an. Bis zum Ende des Jahrzehnts gibt die Bahn 19 Milliarden Euro für neue Züge aus. Mehr als zehn Milliarden Euro kostet alleine die Anschaffung neuer ICE. Dazu gibt es neue Regionalzüge, innovative Güterwaggons und Lokomotiven, die sowohl mit Strom als auch mit Biodiesel fahren können. Ein weiterer Milliardenbetrag fließt in den notwendigen Ausbau der Instandhaltungswerke.

Ein großer Teil der Pläne war bereits bekannt, etwa die Anschaffung von 73 ICE 3 Neo, die ab dem kommenden Dezember auf die Gleise kommen und allein 2,5 Milliarden Euro verschlingen. Aber die Bahn hat ihre Investitionen noch einmal um einige Milliarden Euro aufgestockt. Im kommenden Jahr werden jeden Monat drei neue ICE eingesetzt. Damit will Lutz auch die Verkehrswende beflügeln. Insgesamt wird die ICE-Flotte Ende des Jahrzehnts rund 450 Züge umfassen.

Der Blick in die vermeintlich komfortable Zukunft des Bahnfahrens drängt die aktuell triste Lage im Schienennetz einen Moment lang in den Hintergrund. Erst einmal muss das Netz in einen akzeptablen Zustand versetzt werden. Mit der Radikalsanierung der Hauptachsen, beginnend mit der Riedbahn zwischen Frankfurt/Main und Mannheim beginnt 2024 eine weitere Leidenszeit für die Fahrgäste mit vielen Umleitungen.

Eine Milliarde Passagiere mehr im Regionalverkehr

Die Modernisierung der Strecken wird viele weitere Milliarden verschlingen, die der Bund bereitstellen muss. Obwohl der Aufwand im Budget noch nicht vollständig abgebildet ist, rechnet Lutz fest mit der Bereitstellung. Über das Ziel sei sich die Bahn mit dem Bund einig. Bundesverkehrsminister Volker Wissing hat bereits mehrfach zugesagt, dass eine Modernisierung des Netzes nicht am Geld scheitern wird. Die Ziele sind nicht gerade bescheiden. Bis Ende des Jahrzehnts soll sich die Zahl der Reisenden im Fernverkehr verdoppelt, im Regionalverkehr sollen eine Milliarde Passagiere im Jahr dazu gewonnen werden.

Weiterhin steht auch der Klimaschutz auf der Prioritätenliste der Bahn obenan. „Wir wollen bis 2040 klimaneutral werden“, betont Lutz. Die Bahntechnik spielt dabei eine große Rolle. Ein Beispiel dafür ist die Zweikraft-Lok, die auf der Messe erstmals vorgestellt wurde. Damit schlägt das Unternehmen zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Lok fährt sowohl elektrisch als auch mit Kraftstoff. Da erst gut zwei Drittel des 35 000 Kilometer langen Streckennetzes elektrifiziert sind, müssen bei Güterzügen bisher regelmäßig aufwändig Lokomotiven ausgetauscht werden, wenn anstelle des Stromantriebs wieder auf den Diesel umgestellt werden muss. Das kostet Zeit und Geld.

Bei der Zweikraft-Lok kann der Antrieb per Knopfdruck angepasst werden. Anstelle des herkömmlichen Dieselkraftstoffs soll Biodiesel eine CO2-freie Fahrt sicherstellen. Bis der Zug erstmals im regulären Verkehr Eingesetz werden kann, vergehen nach Angaben von Cargo-Chefin Sigrid Nikutta wohl noch mehr als zwei Jahre. In dieser Zeit wird die Lok getestet und durch das Zulassungsverfahren gelotst.

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