Mehr Geld durch EU-Binnenmarkt

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 Grenze zur Bundesrepublik in Nordrhein-Westfalen: Die Vorteile des EU-Binnenmarktes spüren die Deutschen auch im Portemonnaie.
Grenze zur Bundesrepublik in Nordrhein-Westfalen: Die Vorteile des EU-Binnenmarktes spüren die Deutschen auch im Portemonnaie. Das hat die Bertelsmann Stiftung errechnet. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Dieter Keller

Der EU-Binnenmarkt wirkt sich einer Studie zufolge positiv auf das Einkommen der europäischen Bürger aus: Der größte Wirtschaftsraum der Welt steigere das Einkommen in Deutschland pro Kopf und Jahr um geschätzte 1046 Euro, für die EU-Bürger insgesamt seien es im Durchschnitt statistisch rund 840 Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung zwei Wochen vor der Europawahl.

Dabei fallen die in allen 28 EU-Staaten untersuchten Auswirkungen regional unterschiedlich aus. „Nicht jeder profitiert gleichermaßen, aber alle gewinnen“, sagte Stiftungsvorstand Aart de Geus. Der Binnenmarkt sei „größter Treiber für unseren Wohlstand“.

Die Autoren gehen davon aus, dass insgesamt EU-weit rund 420 Milliarden Euro Einkommenszuwächse jährlich durch den 1993 eingeführten Binnenmarkt erzielt werden. Auf Deutschland entfalle das größte Plus – zusammengerechnet etwa 86 Milliarden Euro. Am höchsten sind die Gewinne in Regionen, in denen Industrie und Exportbranchen besonders stark verankert sind. „Auch Regionen mit starkem Mittelstand und Zuliefererbetriebe, die viel in die EU exportieren, sind Gewinner“, so Studienleiter Dominic Ponattu.

1211 Euro pro Kopf im Südwesten

In Deutschland trifft dies neben den Stadtstaaten Hamburg und Bremen insbesondere auf Baden-Württemberg und Bayern zu. So bringe der EU-Binnenmarkt dem Südwesten fast 13,2 Milliarden Euro (1211 Euro) und Bayern 15,4 Milliarden Euro (1198 Euro), heißt es in der Studie, die das reale Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und Jahr misst. Dagegen fallen die Einkommenssteigerungen in eher strukturschwachen Ländern – allen voran Ostdeutschland samt Berlin – vergleichsweise gering aus. Brandenburg hält mit 672 Euro pro Kopf die rote Laterne.

Die Analyse stellt zudem fest, dass ausgerechnet die Schweiz – Nicht-EU-Mitglied, aber über bilaterale Verträge mit dem europäischen Binnenmarkt besonders eng verbunden – mit 2914 Euro Einkommensplus pro Kopf und Jahr am stärksten profitiert. Es folgen Luxemburg (2834 Euro) und Irland (1894 Euro). Niedriger seien Zuwächse bei Staaten mit geringerer Wettbewerbsfähigkeit, etwa Spanien, Portugal, Polen oder Griechenland mit rund 600 bis 400 Euro pro Person und Jahr. Was sind die Gründe für die Einkommensgewinne? Das Wegfallen von Zöllen und anderen Hemmnissen lasse den Handel wachsen, schildern die Autoren. Es gebe mehr Wettbewerb, was sich positiv auf Produktion und Preise auswirke. Handelskosten würden gesenkt. Der Binnenmarkt berge noch viel Potenzial für weitere Wohlstandsgewinne – vor allem beim Handel mit Dienstleistungen, meinte die Stiftung in Gütersloh.

Zum anstehenden Brexit prognostizierte Studienleiter Ponattu, ein vollständiger Austritt der Briten aus dem Binnenmarkt würde das Land hart treffen. Das gelte besonders für den Großraum London und die Bewohner in den industrie- und innovationsstarken Süd-Regionen. „Das Ergebnis hält all jenen einen Spiegel vor, die mit Blick auf die anstehenden Europawahlen einen nationalen Kurs jenseits der Gemeinschaft fordern,“ betonte der Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags, Wolfgang Grenke.

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