Managementgebühren sind ein oft unterschätzter Renditekiller bei der Geldanlage

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Der Kursverlauf des Euro Stoxx 50 vor Geldmünzen
Indexfonds bilden die Kursentwicklung eines Indizes ab. Dabei entstehen nur geringe Kosten. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Annika Krempel

In Zeiten niedriger Zinsen raten Experten zur Geldanlage in Aktien. Fonds bündeln viele Aktien und streuen so das Risiko. Anleger sollten bei der Wahl des Fonds aber einen Blick auf die Kosten werfen: „Aus unseren Untersuchungen ziehen wir die eindeutige Erkenntnis, dass günstige Fonds immer besser sind als teure Fonds“, sagt Ali Masarwah von der Ratingagentur Morningstar.

Grundsätzlich kann man zwei Arten unterscheiden: aktive und passive Fonds. Bei aktiven Fonds gibt es Investmentmanager, die den Markt beobachten und dann entscheiden, welche Aktien sie kaufen und wieder verkaufen. Dafür fallen laufend Kosten an, erklärt Masarwah. Zum Beispiel Gebühren für das Management, für den Vertrieb oder Erfolgsgebühren. Im Durchschnitt, so hat es Morningstar berechnet, kostet ein aktiv gemanagter Aktienfonds 1,9 Prozent pro Jahr.

Bei einem passiven Indexfonds fallen dagegen kaum Gebühren an. Sogenannte ETFs bilden stur die Kursentwicklung eines Index nach, zum Beispiel des deutschen DAX, des S&P 500 in den USA oder des weltweiten MSCI World. Sie kosten im Schnitt 0,4 Prozent pro Jahr.

„Spektakulär günstig“ nennt Roland Aulitzky von der Stiftung Warentest solche Indexfonds. „Laufende Kosten sind ein großer Posten und haben deshalb eine enorme Bedeutung für Langfristanleger.“

Gewaltige Unterschiede

Wie sehr die Kosten die Rendite auffressen können, zeigt eine Beispielrechnung der Stiftung Warentest. Ein Anleger kauft dabei jeden Monat für 100 Euro Anteile. Sowohl für einen ETF als auch einen aktiv gemanagten Fonds nehmen die Experten eine jährliche Brutto-Rendite von sechs Prozent an. Der ETF kostet dabei jährlich 0,3 Prozent Gebühren, der aktive Fonds 1,5 Prozent. Unterm Strich hätte ein Anleger mit dem ETF nach 30 Jahren mehr als 20 000 Euro mehr zur Verfügung als mit dem aktiven Fonds.

Je höher die Rendite, desto größer wird dieser Unterschied, sagt Aulitzky. „Das ist eine gewaltige Summe, die allein aufgrund der Kosten bei der Altersvorsorge fehlt.“

Ein Index fasst gewöhnlich Aktien von Unternehmen zusammen, die viel wert sind. So stecken im Dax die Aktien der 30 größten und wichtigsten börsennotierten deutschen Unternehmen. Weil ETFs nur der Kursentwicklung folgen, können sie niemals besser sein als der Markt.

Ein aktiv gemanagter Fonds soll dagegen genau diesen Anspruch erfüllen. Investmentmanager beobachten dazu die Märkte und entwickeln Strategien, um die besten Aktien zum richtigen Zeitpunkt zu kaufen und mehr Rendite einzufahren als ein Index. Allein: Es klappt selten.

Verschiedene Studien belegen, dass aktiv gemanagte Fonds nur selten besser abschneiden als der Index, den sie schlagen wollen – also auch nicht besser abschneiden als ETFs. So hat die Ratingagentur Scope festgestellt, dass im Jahr 2018 lediglich 24 Prozent der aktiven Aktienfonds besser waren als ihre Referenzindizes.

Auf lange Sicht wird die Zahl der aktiven Fonds, die es schaffen, den Index zu übertreffen, sogar immer kleiner, wie eine Studie von Morningstar zeigt. „Viele gemanagte Fonds bringen erschreckend schlechte Ergebnisse“, kommentiert Aulitzky. „Nur die wenigsten schaffen es, besser als ihre Benchmark abzuschneiden.“

Auch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) kommt zu diesem Ergebnis. Anfang des Jahres 2019 hat sie einen Bericht über Ergebnisse und Kosten von Investmentprodukten in der EU vorgelegt. Ein Ergebnis: Zwar sind aktive Fonds vor Abzug der Kosten minimal besser als passive. Doch nach Abzug der Kosten kehrt sich das Ergebnis um: Über zehn Jahre bringen aktive Fonds durchschnittlich demnach 5,5 Prozent Rendite pro Jahr und passive Fonds 5,8 Prozent.

Günstige sind besser

Manche Fonds schaffen es aber doch, besser als der Markt zu sein. Gerade Fonds, die vergleichsweise geringe Gebühren verlangen, schneiden häufiger gut ab, so die Morningstar-Zahlen. „Leider gibt es nur wenige wirklich günstige aktive Fonds für Verbraucher. Außerdem kann niemand vorab beurteilen, wie ein Fonds abschneiden wird“, sagt Masarwah. Daher plädiert der Experte für günstige ETFs.

Auch Warentester Aulitzky betont, dass selbst gute aktive Fonds nicht in jedem Jahr erfolgreich sind. „Daher sind ETFs, die genau den Markt abbilden, für den Durchschnittsanleger die vernünftigste Wahl. Auch wenn sie vielleicht nicht das bestmöglichste Ergebnis bringen, so ist die Rendite – vor allem dank der niedrigen Kosten – verlässlich besser als beim Gros der aktiv gemanagten Fonds.“ Vor allem, wer sich nicht tief in die Welt der Aktien einarbeiten möchte, mache daher mit der Wahl eines ETF keinen Fehler.

Aber nicht jeder Indexfonds ist geeignet. Masarwah regt an, auf breit gestreute ETFs zu setzen. Die Stiftung Warentest empfiehlt zum Beispiel ETF auf den MSCI World. Zusätzlich können Verbraucher die Kosten senken, indem sie ein günstiges Depot wählen. „Wer noch bei einer teuren Filialbank ein Depot hat, kann damit zu einer Direktbank wechseln“, rät Aulitzky. Dort sind Depots oft kostenlos. Zudem rät er, für die langfristige Geldanlage einen ETF-Sparplan zu wählen, den viele Direktbanken zumindest zeitlich begrenzt kostenlos anbieten.

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