Lufthansa macht Weizen zu Spreu

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Eine Maschine der Fluggesellschaft Germanwings startet vom Flughafen Leipzig-Halle. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur

Der Lufthansa-Kranich soll künftig nur noch Premium-Flüge des weltweiten Mittel- und Langstreckennetzes mit den Knotenpunkten Frankfurt und München und deren Zubringer zieren. Der Rest des heutigen Lufthansa-Programms, also innerdeutsche und europäische Flüge abseits der beiden Knoten, wird unter der Tochter-Marke Germanwings mit deren bisherigem Programm zusammengefasst. Mit diesem Geschäftsmodell, das Lufthansa-Vorstand Christoph Franz gestern vorstellte, will die größte deutsche Fluggesellschaft dem internationalen Wettbewerbsdruck Paroli bieten.

„Günstig, aber nicht billig“ soll das Germanwings-Angebot sein. Die rund 800 Mitarbeiter, die im Zuge dieser Umstrukturierung von Lufthansa zu Germanwings wechseln sollen, müssen voraussichtlich Gehaltseinbußen hinnehmen. Die Gewerkschaft Verdi verlangte daher „Klarheit und Planungssicherheit“. Die Konkurrenzgewerkschaft Ufo hatte bereits vor drei Wochen harte Verhandlungen angekündigt. Mit dann knapp 90 Flugzeugen soll die bereits bestehende Lufthansa-Tochter auf den Direktflügen rund 18 Millionen Passagiere pro Jahr befördern. Damit will Lufthansa ab dem kommenden Jahr gegen Billig-Airlines wie Easyjet (2011: 55 Mio Passagiere) und Ryanair (76 Mio) punkten. Germanwings hat im Jahr 2010 rund 7,7 Millionen Passagiere befördert.

Auf was bisherige Lufthansa-Kunden bei der Billigtochter verzichten müssen, will die Konzernspitze erst am 6. Dezember bekannt geben. Eines sei jedoch klar, sagte Franz: „Es wird bei der Germanwings keine Business Class geben.“ Zum Wechsel müssen auch bis zu 30 Lufthansa-Jets umlackiert werden. Zudem wird die weiterhin eigenständige Lufthansa-Tochter Eurowings mit 23 Maschinen für die neu organisierte Direktflugsparte fliegen.

Laut Passage-Chef Carsten Spohr sind rund 1100 Flugbegleiter der Lufthansa von dem Umbau betroffen, davon sollten 300 weiterhin ab Düsseldorf bei der Konzernmutter eingesetzt werden. Die übrigen 800 sollen wählen können, ob sie zu Germanwings mitgehen, zu einem der Lufthansa-Drehkreuze wechseln oder den Konzern gegen eine Abfindung verlassen. Das Bodenpersonal an den dezentralen Standorten bleibt laut Vorstandschef Franz bei Lufthansa angestellt. Für die 300 Piloten, die zu Germanwings wechseln sollen, muss die Lufthansa noch eine Lösung mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) finden. Die Piloten des Billigfliegers verdienen nämlich Spohr zufolge rund 20 Prozent weniger als ihre Lufthansa-Kollegen.

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