Linde verschärft Sparkurs -

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Deutsche Presse-Agentur

Der Technologiekonzern Linde verschärft wegen eines drohenden Umsatz- und Gewinnrückgangs seinen Sparkurs. „Die ersten Monate 2009 zeigen, dass wir im laufenden Geschäftsjahr mit einer schwächeren Marktentwicklung rechnen müssen als im Vorjahr“.

Dies sagte Konzernchef Wolfgang Reitzle am Montag in München. Ein bereits beschlossenes Programm zur Kostensenkung soll nun schneller umgesetzt werden. Neue Mitarbeiter werden nicht mehr eingestellt. „Für den gesamten Konzern gilt bis auf weiteres ein Einstellungsstopp.“ Ausgenommen seien nur einzelne Ingenieursstellen. Dadurch könnte die Zahl von derzeit weltweit rund 52 000 Beschäftigten um 500 bis 1000 zurückgehen.

In den vergangenen Monaten bekam der Konzern die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise zunehmend zu spüren und schließt inzwischen einen Umsatzrückgang für 2009 nicht mehr aus. Aus heutiger Sicht könnten Konzernumsatz und Konzernergebnis leicht über oder auf dem Niveau von 2008 liegen, sagte Reitzle. „Wir müssen aber auch einen Rückgang einkalkulieren.“

Im vergangenen Jahr kam der Konzern mit Sitz in München besser als viele andere Unternehmen durch die Krise. Der Umsatz stieg ohne Berücksichtigung von Währungseffekten um 2,9 Prozent auf 12,66 Milliarden Euro. Der Überschuss sank nach dem Wegfall von Sondereffekten aus dem Verkauf von Unternehmensteilen im Vorjahr von 996 auf 776 Millionen Euro. Die Aktionäre sollen eine um 10 Cent auf 1,80 Euro erhöhte Dividende erhalten.

Zwar sei Linde mit seiner globalen Aufstellung in rund 100 Ländern und der Konzentration auf das weltweite Gase- und Anlagenbaugeschäft nicht mehr so anfällig wie früher mit dem Gabelstaplergeschäft, sagte Reitzle. „Dennoch sind auch wir nicht immun gegen die weltweite Rezession.“ Betroffen sei Linde unter anderem von der Insolvenz des wichtigsten US-Kunden, des Chemiekonzerns Lyondell-Basell. Aber auch die Krise der Autowirtschaft schlägt auf Linde durch. „Die Autofabrik, die keine Autos herstellt, verbraucht auch keine Schweißgase.“ Die Gaseindustrie mache mit jedem hergestellten Auto rund 40 Euro Umsatz.

Das Sparprogramm hatte Linde bereits im vergangenen Jahr angekündigt, will nun aber schon in diesem Jahr stärker als geplant davon profitieren. „Wir schalten das Programm jetzt schärfer“, sagte Reitzle. Insgesamt will Linde in den kommenden Jahren 650 bis 800 Millionen Euro einsparen. Kurzarbeit oder Kündigungen sind bislang kein Thema, bei vielen Zeitarbeitern am Standort Pullach bei München würden die Verträge aber nicht verlängert. Außerdem sollen die Reise- und IT-Kosten gesenkt werden, auch im Einkauf sollen die Ausgaben deutlich sinken. Hinzu kommen in diesem Jahr 250 Millionen Euro an Synergieeffekten durch die Übernahme des britischen Konkurrenten BOC im Jahr 2006.

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