Letzte Ausfahrt Aktien

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Schön, wer etwas Geld im Sparstrumpf hat. Aber wie anlegen? Experten schätzen Aktien lukrativer ein als Immobilien und Gold.
(Foto: Archiv)
Anke Leuschke

Die Konjunkturaussichten für das nächste Jahr sind alles andere als rosig. Das sind keine guten Voraussetzungen für steigende Börsen. Anleger kommen um Aktien trotzdem nicht herum.

Die Europäische Zentralbank hat angesichts der schwachen Konjunktur in der Eurozone im September den Leitzins auf 0,05 Prozent gesenkt. „Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass das Zinsniveau noch für einen längeren Zeitraum niedrig bleiben wird“, sagt Tobias Spies, Leiter Fixed Income bei der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung GmbH in München. Der sehnsüchtig erwartete Aufschwung lässt auf sich warten, wodurch die Europäische Zentralbank weitere stimulierende Maßnahmen ergreifen wird.

Kleine Gewinne sind noch drin

Auf zweistellige Kursgewinne, wie sie Anleger 2014 bei lang laufenden Bundesanleihen erzielen konnten, würde Tobias Spies 2015 nicht spekulieren. „Kleine Gewinne sind noch drin, insbesondere wenn die EZB tatsächlich mit ihrem massiven Staatsanleihekaufprogramm beginnt und dadurch die Renditen weiter fallen.“ Sollte die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen 2015 aber nur geringfügig auf 1,25 Prozent steigen, verliert der Anleger drei Prozent. Daher rät Fondsmanager Spies Privatanlegern, sich auf kurz- bis mittelfristige Restlaufzeiten zu konzentrieren und nur solche Papiere zu kaufen, die sie wirklich verstehen. Er setzt auch 2015 auf nachrangige Bankanleihen, die vor den Basel-III-Richtlinien begeben wurden. Von Mittelstandsanleihen würde Spies hingegen ganz die Finger lassen, da es zu einer weiteren Pleitewelle unter den Emittenten kommen kann.

Langfristige Strategie

Trotz schwächelnder Wirtschaft sind Aktien für Vermögensverwalter Rolf Kazmaier von der SVA Vermögensverwaltung Stuttgart auch 2015 alternativlos. Allerdings sollten sich Privatanleger nicht auf kurzfristige Anlageprognosen verlassen. „Eine langfristig ausgerichtete Strategie ist sinnvoller“, erklärt Geschäftsführer Kazmaier. Für ihn sind Qualitätsaktien weiterhin die Basis für das Depot. Der Anleger dürfe nur keine schnellen Gewinne erwarten. „Langfristig sollten solche Titel aber vier bis fünf Prozent Rendite erzielen“. Finanzdienstleister und der Energiesektor seien attraktiv. Beide Branchen verzeichneten seit Jahren eine Abwärtsentwicklung und dürften 2015 zur Erholung ansetzen. Chancen sieht Rolf Kazmaier außerdem nach wie vor bei Pharma. Die Industrie profitiere von der demografischen Entwicklung und der steigenden Nachfrage der älter werdenden Bevölkerung nach medizinischen Produkten und Dienstleistungen.

Rückläufiges Wirtschaftswachstum, niedrige Zinsen und Krisen sprechen normalerweise für eine gute Preisentwicklung von Gold. Doch kürzlich sank der Goldpreis auf den tiefsten Stand seit vier Jahren. Es gibt wenig Gründe, die für eine baldige Trendwende sprechen: Trotz der großen Krisen um die Krim und die Ukraine, den Nahen Osten mit dem IS-Terror und Ebola zeigen sich die Marktteilnehmer derzeit nicht verängstigt, geschweige denn panisch.

Mieten stagnieren

Im Gegensatz zum Gold sind Immobilien 2014 in Deutschland noch einmal teurer geworden. Der Zenit scheint aber überschritten zu haben. In den Metropolen legen die Preise für Eigentumswohnungen zwar noch zu, doch das Mietpreiswachstum verlangsamt sich bereits. In einigen deutschen Städten stagnieren die Mieten sogar. „Die Preise dürften 2015 moderat weiter steigen und teilweise neue Höchststände erreichen“, glaubt Pia Bölingen, Finanzplanerin der FiNUM.Private Finance AG in Biberach. Allerdings sollte sich dieser Trend in erster Linie auf die Metropolregionen beschränken. Bölingen sieht in der Verlangsamung des Preisanstieges noch keine allgemeine Trendwende; regional begrenzt gibt es jedoch erste Anzeichen, die dafür sprechen. Das richtige Verhältnis von Kaufpreis und Miete sollte daher der entscheidende Faktor bei der Wahl der richtigen Immobilie sein.

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