Land öffnet Ausländern neue Wege in den Arbeitsmarkt

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Andrea Nahles (SPD)
Andrea Nahles (SPD) (Foto: dpa)
Landes-Korrespondentin

Die Prognose ist eindeutig: Bis 2030 fehlen der Wirtschaft in Baden-Württemberg im Schnitt jährlich mehr als 200000Fachkräfte. Das haben die Industrie- und Handelskammern im Land berechnet. Um diesen Mangel zu beheben, startet im Land ein Modellprojekt. Wer außerhalb der EU lebt, soll damit leichter einen Job im Ländle finden. Am Freitag haben Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), Landeswirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) und Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit, die Initiative in Stuttgart vorgestellt.

Rund 3000 ausländische Fachkräfte sollen in den kommenden drei Jahren mithilfe des „Punktebasierten Modellprojekts für ausländische Fachkräfte“ (Puma) nach Baden-Württemberg kommen. Das Neue: Bewerber werden nach einem Punktesystem ausgewählt. Die Bundesagentur für Arbeit vergibt die Zähler anhand bestimmter Kriterien. Dazu gehören vor allem gute Sprachkenntnisse, aber auch, ob jemand bereits längere Zeit in Deutschland gelebt oder dort Verwandte hat.

„Wir wollen ausprobieren, welche Vorteile ein Punktesystem bringt“, erklärt Bundesministerin Nahles. Ziel sei es, das Verfahren einfacher und schneller zu machen. Für Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern ist der Weg nach Deutschland bislang kompliziert. „Das ist ein Nachteil im Vergleich zu anderen Staaten, die um Fachkräfte werben“, so Schmid.

Komplizierter Behördenmarathon

Unter anderem müssen sich Bewerber an viele verschiedene Stellen wenden: Ausländerbehörden erteilen die Aufenthaltserlaubnis, Arbeitsagenturen regeln den Zugang zum Job, wieder andere Behörden prüfen die Abschlüsse. Wer jemanden aus dem Nicht-EU-Ausland einstellen will, hat ebenfalls einen Behördenmarathon vor sich. Firmen müssen nachweisen, das es keine geeigneten deutschen Bewerber gibt.

Für einige Berufsgruppen gibt es bereits Unterstützung: Akademiker können die Blue Card beantragen, die den Zugang nach Deutschland erleichtert. Für Ausländer, die in bestimmten Mangelberufen wie etwa der Pflege arbeiten, gelten ebefalls weniger strenge Kriterien.

Das neue Programm richtet sich deshalb vor allem an Menschen ohne Hochschulabschluss, die eine Berufsausbildung abseits der Pflege haben. Sie können sich über das Internet an die Bundesagentur für Arbeit wenden. Dort helfen Mitarbeiter beim Weg durch den Behördendschungel. Bis Herbst sollen Fachkräfte für einen Bewerberpool ausgewählt werden. Sobald eine Firma ihnen ein Job anbietet, können sie einreisen. Der Testlauf startet in Baden-Württemberg, weil es hier viele Beratungsangebote für ausländische Arbeitnehmer gibt und Fachkräfte fehlen. Zusätzliche Kosten verursacht Puma nicht. Laut Arbeitsagentur nutzt man bestehende Strukturen.

SPD für neues Einwanderungsgesetz: Von dem Modellprojekt erhoffen sich die SPD-Politiker Nils Schmid und Andrea Nahles auch neue Argumente in der Debatte um ein Einwanderungsgesetz. „Wir machen hier den Probleauf“, so Schmid. Während SPD, FDP und Grüne seit Langem für eine solche Neuregelung plädieren, war die CDU lange dagegen, und hat das Thema nun auf 2017 vertagt – also nach die kommende Bundestagswahl. Befürworter versprechen sich einfachere Regeln für jene Zuwanderer, die Deutschland braucht – also für Fachkräfte. Gegner halten die bestehenden Gesetze für ausreichend. Die FDP in Baden-Württemberg hat die Projektvorstellung am Freitag als Inszenierung im Landtagswahlkampf kritisiert. (tja)

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