Nervenkitzel mit Bitcoins? Das sollte man über die Kryptowährungen wissen

Korrespondent (Berlin)

Niedrigzinsen auf dem Sparbuch, Strafzinsen auf dem Tagesgeldkonto – die Banken meinen es nicht gut mit dem deutschen Sparer. Da versprechen Kryptowährungen das große Geld. Was steckt dahinter und lohnt es sich, dort zu investieren? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist eine Kryptowährung?

Eine Kryptowährung ist ein virtueller Wert. Mit einigen dieser Werte kann auch bezahlt werden, weil Geschäfte oder Banken sie akzeptieren. Kryptografie beschäftigt sich in der Informatik mit Verschlüsselungstechnologien, sie sind wichtig, um die virtuellen Werte zu sichern und auch zum Teil erst zu erschaffen. Der Begriff Währung ist irreführend, weil hinter der Kryptowährung keine Notenbanken oder Staaten stehen, die den Wert garantieren. Der Begriff hat sich aber durchgesetzt.

Seit wann gibt es die Währungen?

Sie sind erst knapp zwölf Jahre alt. Die erste Kryptowährung war der Bitcoin. Satoshi Nakamoto veröffentlichte die Software und die Theorie dazu 2009. Ziel war eine dezentrale Währung ohne Notenbanken. Satoshi Nakamoto ist ein Pseudonym, wer sich dahinter verbirgt, ist nicht bekannt.

Wie kommen die Währungen her?

Der Bitcoin wird errechnet, wobei die entsprechenden kryptografischen Aufgaben komplizierter werden, je mehr Bitcoins geschürft werden, wie es in der Branche heißt. Inzwischen gibt es fast 18,7 Millionen Bitcoin. Die Gesamtmenge ist auf rund 21 Millionen begrenzt. Entsprechend aufwändig sind die Aufgaben. Um sie zu lösen, sind Rechenzentren nötig, die ausschließlich Bitcoin schürfen. Der Stromverbrauch ist enorm. Manche Experten schätzen, dass er so groß ist, wie der Norwegens.

 Anti-Banken-Sticker vor einer Filiale der Credit Suisse in Zürich: Ziel der Bitcoin-Pioniere war eine Währung ohne Notenbank-Ko
Anti-Banken-Sticker vor einer Filiale der Credit Suisse in Zürich: Ziel der Bitcoin-Pioniere war eine Währung ohne Notenbank-Kontrolle. (Foto: Andreas Haas/imago)

Welche Kryptowährungen gibt es zurzeit?

Am meisten verbreitet ist die erste aller Kryptowährungen: Bitcoin. Sie hat einen Marktanteil von um die 50 Prozent. Danach folgt Ether mit gut 17 Prozent. Weitere, schon deutlich kleinere Kryptowährungen sind Binance Coin und Ripple. Auch eine Art Parodie gibt es: Dogecoin, nach Angaben der Erfinder soll das „dog“ (engl.: Hund) die Währung besonders attraktiv machen. Experten schätzen die Gesamtzahl von Kryptowährungen weltweit auf mehr als 10 000. Viele sind allerdings verschwindend klein. Auflegen kann sie im Prinzip jeder, der die Technik beherrscht.

Welche Unterschiede gibt es?

Zu jeder Kryptowährung gibt es eine Idee, etwa ein Projekt oder eine besondere Technik. „Das heutige Ökosystem an verschiedenen Konzepten könnte man als eine Art Ursuppe für das zukünftige digitale Leben bezeichnen. Ideen werden ausprobiert, verworfen, verbessert und kopiert“, sagt Marcel Uhlmann, Experte für Kryptowährungen der V-Bank in München.

Wichtige Ideen seien beispielsweise ganze Ökosysteme für eine dezentrale Finanzwelt (Ethereum, Synthetics) und ein neues Internet (Ethereum, Polkadot). Das bedeutet auch: „Wer in diese Anlageklasse investieren möchte, sollte sich vorher intensiv mit der dahinterstehenden Technik und Idee beschäftigen“, sagt Thomas Beutler von der Verbraucherzentrale Saarland. „Schnell reich zu werden, ist kein Kriterium für ein Investment.“

Wie bewahre ich Kryptowährungen auf?

Bitcoins und alle Geschäfte damit werden in einem digitalen Kassenbuch eingetragen, einer Kette von Blöcken, der sogenannten Blockchain, die öffentlich einsehbar ist. Die Kryptowährung ist rein virtuell. Wer Bitcoins kauft, bekommt praktisch den Zugriff auf bestimmte Bitcoins in der Kette. Bitcoin verwendet ein Zwei-Schlüssel-System: Einen sogenannten öffentlichen Schlüssel, der so etwas wie eine Kontonummer ist und weitergegeben werden kann, und einen privaten Schlüssel, mit dem man Bitcoins zu einer anderen Adresse transferieren oder verkaufen kann.

Beide Schlüssel sind Zahlencodes. Gespeichert werden sie in einer virtuellen persönlichen Brieftasche (wallet). Man kann sie auf dem Computer speichern, auf einem USB-Stick oder auch auf Papier aufschreiben. Wichtig ist, den privaten Schlüssel nicht zu verlieren. „Ohne den privaten Schlüssel kann ich allenfalls den Kontostand abrufen“, sagt Kevin Spur, Kryptowährungsexperte beim Bankenverband BdB.

Wie kann ich in Kryptowährungen investieren?

Es gibt mehrere Möglichkeiten. Man kann etwas bei Ebay verkaufen und sich in Bitcoin bezahlen lassen. Dafür ist eine digitale Geldbörse (wallet) erforderlich. Man kann selbst schürfen, was für den normalen Anleger nicht zu empfehlen ist – technisch zu aufwändig und in Deutschland wegen der hohen Strompreise unwirtschaftlich. Man kann direkt investieren: Kryptowährungen können an Börsen wie Coinbace, Binance, BSDEX, der Börse Stuttgart und Handelsplätzen wie bitcoin.de der Frankfurter Futurum Bank gekauft werden.

Dort muss man sich anmelden und legitimieren, dann kann man Euro einzahlen und Kryptowährungen kaufen. Mit Bison bietet die Börse Stuttgart auch eine App an, die den Handel sehr einfach machen soll. Verwahrung und technische Abwicklung werden den Kunden dabei abgenommen. Man kann indirekt investieren: Für manche Kryptowährungen gibt es ETN, Exchange Traded Notes. Diese Papiere bilden etwa die Entwicklung des Bitcoin-Kurses ab – aufwärts wie abwärts.

ETN werden von Finanzfirmen wie Coinshare aufgelegt und an Börsen wie der Deutschen Börse gehandelt. Wer sie kauft, nimmt Kursgewinne oder -verluste der jeweiligen Kryptowährungen mit, besitzt diese aber nicht selbst. Auch wenn ETN und die beliebten ETF (Exchange Traded Fund) ähnliche Namen haben: Es gibt einen wesentlichen Unterschied: „Anders als beim ETF unterliegt die ETN wie ein Zertifikat dem Emittenten-Risiko.

Ist der Herausgeber des ETN pleite, ist auch das Geld des Anlegers weg“, sagt Beutler von der Verbraucherzentrale Saarland. Und immer gilt: „Wer in Kryptowährungen investiert, sollte auch auf die Nebenkosten achten“, sagt Beutler. „Beim Kauf und Verkauf von Bitcoin zum Beispiel fallen Gebühren an.

Wie viel kann ich verdienen?

Sehr viel. Der erste Bitcoin hatte einen Wert von 0,07 Dollar. Mitte April 2021 erreichte er sein Allzeithoch: 64 748,91 Dollar. Wer 2009 einen Dollar investiert hat, hätte dann 924.984,43 Dollar auf dem Konto gehabt. Inzwischen ist der Kurs wieder gefallen. Zuletzt notierte der Bitcoin bei rund 32 000 Dollar. Sogar einen Preis von bis zu 146 000 Dollar pro Bitcoin scheint möglich. Den Wert hat die US-Bank JP Morgan errechnet.

Welche Risiken gibt es?

  • Totalverlust: „Der Wert etwa des Bitcoins beruht allein auf Angebot und Nachfrage. Wenn die Nachfrage zusammenbricht, kann der Wert auf Null fallen. Das wäre dann ein Totalverlust“, sagt Thomas Beutler von der Verbraucherzentrale Saar. Der Anleger sollte also nur investieren, auf was er auch verzichten kann.
  • Kursschwankungen und Manipulation: Kryptowährungen sind nichts für alle, die schwache Nerven haben und eine solide langfristige Anlage suchen. Oder, wie Beutler sagt: „Kryptowährungen schwanken extrem. Das kann für viele emotional sehr anstrengend sein.“ So pendelte etwa der Bitcoin binnen der vergangenen vier Monate zwischen 28 893 und 41 295 Dollar. Auch größere Sprünge nach oben und unten sind möglich, wie etwa, als Elektroautopionier Elon Musk erst ankündigte, in Bitcoin zu investieren und dann zurückzog. Solche Fälle zeigen, wie anfällig die Währungen für Marktmanipulation sein können.
  • Kein Anlegerschutz: Der Markt für Kryptowährungen ist nicht reguliert. „Es gibt zum Beispiel keinen Staat und keine Einlagensicherung, die Risiken abdecken“, warnt Kevin Spur vom Bankenverband.
  • Betrug: Es ist nicht garantiert, dass zum Beispiel eine neu auf den Markt gebrachte Kryptowährung überhaupt läuft oder gar echt ist. 2019 etwa kamen über sogenannte ICO viele neue Kryptowährungen auf den Markt. Einige verschwanden nach wenigen Monaten wieder und mit ihnen das angelegte Geld.
  • Anonymität: Ein weiteres Risiko liegt in einem Vorteil der Kryptowährungen, der Anonymität. Wer seine digitale Geldbörse (wallet) mit den privaten Schlüsseln löscht oder bei einem Computerabsturz verliert, kann nicht mehr auf die Anlage zugreifen. Zudem ist angesichts der großen Gewinnchancen möglich, dass Hacker versuchen, die Währungen zu stehlen.
  • Geopolitik: Und dann ist da noch die chinesische Regierung, die gegen Kryptomining und Handel etwa bei Bitcoin vorgeht. In dem Land wurde zuletzt mit Abstand am meisten geschürft. Die Folgen sind unklar.

Wie unterscheidet sich Bitcoin vom geplanten Facebook-Geld Libra und dem digitalen Euro der EZB?

Die EZB will einen digitalen Euro einführen, in den kommenden Jahren wird festgelegt, welche Technik dafür genutzt wird. „Der zentrale Unterschied zwischen einer Kryptowährung und dem digitalen Euro: Beim Euro garantiert die Europäische Zentralbank die Währung. Hinter dem Bitcoin steht keine Notenbank, er wird dezentral von allen verwaltet“, erklärt Kevin Spur vom Bankenverband. Ähnlich sieht es beim Projekt Diem (früher Libra) von Facebook aus, hinter dem ein Konsortium von 26 Unternehmen steht, die über die Währung entscheiden.

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