Krise lässt Verbraucher kalt - Konsumklima stabil

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Deutsche Presse-Agentur

Die Finanz- und Wirtschaftskrise schlägt bisher noch nicht auf die Konsumstimmung in Deutschland durch. Das Konsumklima sei auch im Februar - wenn auch auf niedrigem Niveau - stabil geblieben, teilte die GfK am Mittwoch in Nürnberg mit.

Der Indikator des Marktforschungsunternehmens prognostiziere eine Stagnation des Konsumklimas auf dem revidierten Vormonatswert von 2,2 Punkten. Volkswirte hatten im Schnitt einen Rückgang auf 1,9 Punkte erwartet. Grund für die Konstanz des Konsumklimas sei eine deutliche Verbesserung der Anschaffungsneigung, während die Einkommens- und Konjunkturerwartungen erneut sanken.

"Zuletzt stark gesunkene Inflationsraten stützen derzeit die Konsumneigung", kommentierte die GfK die Ergebnisse. Meldungen über Kurzarbeit, Zwangsurlaub und drohende Entlassungen führten unterdessen dazu, dass bei den Beschäftigten die Angst vor Arbeitslosigkeit wieder zunehmen. Auch die Konjunkturerwartungen sanken im Januar erneut und erreichten damit ein neues Rekordtief.

Produktionseinbrüche, Kurzarbeit sowie Meldungen über drohende Entlassungen führten dazu, dass sich die Konjunkturaussichten der Verbraucher zum Jahresbeginn noch einmal weiter verschlechterten. Der Indikator verschlechterte sich allerdings mit 0,5 Punkten auf minus 32,9 Zählern nur minimal. Der nur sehr geringe Rückgang der Konjunkturerwartungen könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Bürger nun erwarteten, den Tiefpunkt der Prognosen nun erreicht zu haben. So rechnet die Bundesregierung nun mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,25 Prozent.

Auch die Einkommenserwartungen sanken im Januar den zweiten Monat in Folge. Sie gingen um gut fünf Punkte auf minus 20,5 Zähler zurück und erreichten damit den tiefsten Stand seit März 2003. Durch die anhaltend schlechten Nachrichten aus der Wirtschaft sähen sich die Konsumenten zunehmend persönlich betroffen. Mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit wachse bei den Beschäftigten auch wieder die Angst vor einem Jobverlust. Folglich beurteilten mehr Bürger die Einkommensaussichten wieder pessimistischer. Dieser Angst könne die momentan gesunkene Inflationsrate nicht wirksam begegnen.

Die Angst vor Einkommenseinbußen bremse die auf die Kaufkraft positiv wirkenden Faktoren wie sinkende Benzin- und Heizölpreise. Nur die Anschaffungsneigung verzeichnete kräftige Gewinne. Der Indikator sprang um knapp 22 Punkte auf 15,5 Zähler. Der Indikator liege damit wieder über seinem langjährigen Duchschnittswert von Null Punkten. Die Anschaffungsneigung sei damit zum ersten Mal seit August 2007 wieder positiv.

Der wesentliche Grund für die spürbare Besserung der Konsumneigung liege im nachlassenden Preisdruck der vergangenen Monate. Deutlich geringere Energiekosten schonten die Budgets und sorgten zudem generell für eine bessere Stimmung. "Sie wirken somit wie ein Konjunkturprogramm", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Darüber hinaus sei mit der Rückerstattung der Pendlerpauschale ein zusätzlicher Impuls zu erwarten. "Für 2009 gehen wir nach wie vor von einem moderaten Zuwachs des Verbrauchs um bis zu 0,5 Prozent aus", bekräftigte Bürkl.

"Ein rapider Anstieg der Arbeitslosigkeit wäre eine ernste Gefahr für die Konsumstimmung, die sich bisher als erstaunlich stabil erweist", sagte Bürkl der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Momentan sei der Arbeitsmarkt noch "überaus stabil". Die Unternehmen zögerten mit Kurzarbeit und anderen Maßnahmen derzeit Entlassungen noch hinaus.

Experten rechneten generell aber mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Uneinigkeit herrsche aber über das Ausmaß und die Geschwindigkeit. Für die weitere Entwicklung des inländischen Konsums ist laut Bürkl vor allem die Arbeitsmarktentwicklung ausschlaggebend: "Die wesentliche Gefahr ist die Entwicklung am Arbeitsmarkt." So führe ein zusätzlicher Arbeitsloser bei drei weiteren Beschäftigten zur Angst vor einem Jobverlust.

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