Kleinaktionäre fühlen sich abserviert

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Der schwäbische Pressenhersteller Schuler bereitet den Rückzug von der Börse vor. (Foto: oh)
Schwäbische Zeitung

Klappe, die letzte Hauptversammlung – zumindest in dieser Form. Schuler ist verkauft. Das war schon schwer zu verdauen. Jetzt aber fühlen sich die Kleinaktionäre von den Vorkommnissen der vergangenen Tage überrollt. Unlängst hatte der Vorstand von Schuler verkündet, das Unternehmen werde die Börse verlassen. Dieser Prozess des „Delisting“ ist in vollem Gange. Nur wenige Aktionäre allerdings fanden den Weg zu der historischen Hauptversammlung in Göppingen.

Schuler, weltgrößter Pressenhersteller aus Göppingen mit einem bedeutenden Standort in Weingarten (Kreis Ravensburg), wurde letztes Jahr von der österreichischen Andritz-Gruppe übernommen. Damit sind 174 Jahre eigenständige Firmenhistorie Geschichte. Der steirische Maschinenbauer, in dessen Besitz sich schon jetzt über 95 Prozent der Aktien befinden, hat das Sagen.

„2014 ist ein besonderes Jahr für Schuler“, sagt eingangs der Vorsitzende des Vorstandes, Stefan Klebert. Schließlich sei ein solch stolzes Alter nur ganz wenigen Unternehmen in Deutschland beschieden. „Momente, die bewegen“ lautet das Motto des Firmenjubiläums, das 175 Jahre Firmengeschichte lebendig werden lassen soll. Für die Kleinaktionäre allerdings sind es Momente, die erregen. Mehrheitlich fühlen sie sich billig abgespeist. Das umso mehr, als sie die erfreuliche Entwicklung des Unternehmens und dessen solide Finanzbasis lobten. Und deshalb auch an dem Gewinn beteiligt werden wollen. Schließlich hat eine Vielzahl von Kleinaktionären die Geschicke Schulers über Jahrzehnte begleitet. Doch Sparen ist eine schwäbische Tugend; außerdem ist es Unternehmenspolitik, dass die Gewinne wieder reinvestiert werden.

Delisting und Dividende, diese zwei Worte bestimmen die Debatte. Die festgelegte Dividende falle, so die Minderheitsaktionäre, mit elf Cent pro Aktie äußerst dürftig aus. Mit „absolut lachhaft“, „moralisch verwerflich“, „ein Feigenblatt, um sich juristisch nicht angreifbar zu machen“, kommentieren sie diese Ausschüttung, die „an der Schamgrenze“ sei. Entsprechend einhellig fällt der Applaus für den Gegenantrag eines Kleinaktionärs aus, der einen Euro pro Aktie forderte. Fast 97 Prozent stimmen den elf Cent letztlich zu. Kleinaktionär Martin Büchele rechnet fest mit einem Squeeze-Out, also dem Aufkauf der restlichen Aktien durch Andritz. Unaufgeregter sieht es Hardy Hamann von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz: „Die Rechtslage ist klar, Schuler hat sich rechtskonform verhalten, allerdings zum Nachteil der Aktionäre.“ Das könne man bereits am Aktienkurs sehen. Was also sollen die verbliebenen Aktionäre tun? „Guter Rat ist hier teuer“, sagt der Vermögensberater und fügt hinzu: „Der Fall Schuler ist durch. Ich sehe hier keinen Silberstreif am Horizont.“ Wer also auf Nummer sicher gehen will, solle seine Aktien jetzt zum Kurs von 23 Euro veräußern. Denn auch dieser Wert dürfte für die meisten Aktienbesitzer über dem liegen, für den sie die Papiere einst erworben haben. Hamann: „Ich persönlich würde wenigstens eine Aktie im Depot behalten, um die HV besuchen zu können. So erhalte ich den besten Einblick in ein Unternehmen.“

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