Kampfansage: Outdoor gegen Outdoor

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Messe stellt neues Konzept für die Outdoor 2019 vor
Im Februar wurde bekannt, dass die Fachmesse Outdoor künftig in München stattfindet. Ein schwerer Schlag für den bisherigen Ausrichter, die Messe Friedrichshafen, gehörte doch die Fachschau rund ums Wandern, Klettern und Zelten zu den Top3-Veranstaltungen am See. Doch die Outdoor-Spezialisten im Messeteam geben nicht auf und gehen im September 2019 mit der „Outdoor Friedrichshafen“ an den Start.
Ressortleiter Wirtschaft

Es ist ein Vorstoß, der einer Kampfansage gleichkommt: Die Messe Friedrichshafen hat nach dem Verlust der Messe Outdoor ein eigenes Ausstellungskonzept für die Branche erarbeitet und will mit einer in Eigenverantwortung entwickelten Schau die nach München abgewanderte Leitmesse angreifen. Die neue Messe findet immer im Spätsommer statt – zum ersten Mal vom 17. bis 19. September 2019.

Zielgruppe: Kleinere Hersteller und Fachgeschäfte

Die Zielgruppe der unter den Namen „Outdoor Friedrichshafen“ firmierenden Veranstaltung ist der stationäre Handel – also die Fachgeschäfte auf der einen und die kleinen und mittleren Hersteller auf der anderen Seite, die diese Fachgeschäfte mit ihren Produkten beliefern. „Wir sind überzeugt davon, dass trotz wachsendem Onlinevertrieb am stationären Handel kein Weg vorbeiführt – weder unter Verkaufs- und Beratungsaspekten, noch dem Communitygedanken“, erklärt Stefan Reisinger, der bei der Messe Friedrichshafen für die Outddor zuständige Bereichsleiter. Ansprechen will die Messe vor allem Hersteller und Händler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, den wichtigsten Outdoormärkten in Europa.

Standpreise ab 1699 Euro

Die Messe soll vor allem kleinen Unternehmen die Möglichkeit eröffnen, sich zu präsentieren oder auch zu schauen, was die neuesten Trends der Branche sind. So gibt es für Hersteller Komplettstandpakete bereits ab einem Preis von 1699 Euro. Eintrittskarten für Händler sind bei einer frühzeitigen Onlineregistrierung sogar kostenlos.

Im Zentrum steht nach Angaben von Messechef Klaus Wellmann die sogenannte Hartware – also die Ausrüstung, die Sportler für ihre Aktivitäten in der Natur brauchen: Schuhe, Stöcke, Zelte, Seile, Steigeisen, Schlafsäcke, Surfbretter und Kanus. Nicht zum Angebot gehören Ski und Skiausrüstungen, das ist auf der Winterausgabe der Internationalen Fachmesse für Sportartikel und Sportmode (Ispo) in München zu finden. Zudem ist das Thema Bekleidung nicht im Zentrum der neuen Messe – die großen und bekannten Outdoormarken wie Schöffel, Jack Wolfskin, Patagonia, Mammut oder die Tettnanger Firma Vaude werden wohl eher die nach München abgewanderte Messe besuchen. Zumal Bekleidungsfirmen ihre Produkte für die nächste Saison im Jahresverlauf eher früher als später präsentieren wollen – und die „Outdoor by Ispo“ den alten Termin im Frühsommer beibehalten wird.

Zwölf Milliarden Euro Umsatz in der Branche

25 Jahre hatte Friedrichshafen die Outdoor für die European Outdoor Group (EOG), den Verband der europäischen Outdoor-Branche, ausgerichtet. Nach der Neuausschreibung der Messe und einer Abstimmung im Verband stimmten im Februar allerdings mehr als zwei Drittel der abstimmungsberechtigten Mitglieder gegen Friedrichshafen und für den Rivalen München. Während in München die Sektkorken knallten, waren die Verantwortlichen in Friedrichshafen fassungslos – und die Niederlage und der Verlust der Leitmesse für eine Branche, die in Europa mit Sportlern und Naturliebhabern zwölf Milliarden Euro umsetzt, schmerzt noch immer. „Wir haben hier keine Branche verloren, sondern nur einen Verband“, erklärt Messechef Wellmann. „Wir sind Garant dafür, dass die Branche so dasteht wie heute und kein Anhängsel einer anderen Produktgruppe ist.“ Sein Bereichsleiter Reisinger geht noch einen Schritt weiter: „Wir stellen infrage, ob das Votum, das im Februar bei der EOG getroffen wurde, wirklich das Interesse der Branche widerspiegelt.“

Die Messe München, die die Outdoor der EOG von 2019 an für mindestens zehn Jahre ausrichten darf, äußerte sich nicht zu den Plänen der Messe Friedrichshafen. Der Verband verwies noch einmal auf den „transparenten und demokratischen Prozess, an dessen Ende sich der Handel mit überwältigender Mehrheit für den Standort München entschieden“ hat. „Selbstverständlich danken wir der Messe Friedrichshafen für 25 Jahre gute Zusammenarbeit“, erklärte EOG-Sprecher Arne Strate.

Schwierige Zeiten voraus

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ist der Vertrag der EOG mit der Messe Friedrichshafen ausgelaufen. „Nun sind wir frei und beginnen, die Partner für die neue Messe einzusammeln“, erläutert Wellmann. Das wird nach Meinung vieler Branchenexperten schwierig werden – vor allem weil in Zeiten von digitalen Vertriebskanälen bei Konsumgütern Messen mehr und mehr an Bedeutung verlieren. Selbst der langjährige Partner Vaude, der als im oberschwäbischen Tettnang beheimateter Hersteller von Outdoor-Bekleidung und Rucksäcken die Messe vor der Haustüre immer sehr geschätzt hat, ist skeptisch. „Wir können es nachvollziehen, dass die Messe Friedrichshafen ein alternatives Konzept für eine Outdoor-Messe kreiert, nachdem sie 25 Jahre eine tolle Messe gemacht hat“, sagt Vaude-Chefin Antje von Dewitz der „Schwäbischen Zeitung“. „Aus Branchensicht wäre es allerdings sinnvoller, sich auf eine starke Leitmesse zu fokussieren – gerade in Zeiten, in denen Messen generell auf dem Prüfstand stehen.“

Vaude will sich in den kommenden Monaten mit dem nun vorgestellten Konzept befassen. Bei der „Outdoor by Ispo“ vom 30. Juni bis 3. Juli in München wird Vaude vertreten sein. Ob das Unternehmen auch bei der Outdoor in Friedrichshafen ausstellen wird, sei noch nicht entschieden.

Messe Friedrichshafen steht unter Druck

Keine Frage, die Friedrichshafener Messe – immerhin der zweitwichtigste baden-württembergische Messestandort nach Stuttgart – ist unter Druck, denn sie hat in der Outdoor nicht irgendeine Messe verloren, sondern eine für den Standort eminent wichtige Schau. Auch wenn Wellmann weder die Umsätze, die die Outdoor zum Gesamtgeschäft seines Unternehmens beigetragen hat, noch die Ausstellerzahlen der Messe nennt, war die Outdoor nach Informationen der „Schwäbischen Zeitung“ aus Branchenkreisen die zweitwichtigste Schau in Friedrichshafen.

Wichtigste Veranstaltung ist die Eurobike, die Leitmesse für Fahrräder. Nach der Outdoor folgen die Messe für industrielle Kunststoffverarbeitung Fakuma und die Weltleitmesse für Allgemeine Luftfahrt, Aero. Das neue Format wird die verlorenen Umsätze in absehbarer Zeit allerdings nicht auffangen können: Das zeigt die Tatsache, dass die Messe Friedrichshafen die neue Outdoor nur für vier Hallen konzipiert hat, das ist ungefähr ein Drittel der gesamten Ausstellungsfläche – für die alte Outdoor brauchte die Messe die gesamte Ausstellungsfläche.

Vor allem: Der Druck auf die Messe könnte noch zunehmen, denn die Messe München greift auch Friedrichshafens wichtigste Messe an. Auf der „Outdoor by Ispo“ wird auch die Fahrradbranche vertreten sein – also die Unternehmen, die eigentlich auf der Eurobike zu Hause sind.

Wehmut und Hoffnung zugleich nach der letzten Outdoor in Friedrichshafen
Es war die letzte Outdoor in Friedrichshafen: mit einer Jubiläumsausgabe zum 25-jährigen Bestehen ist die Fachmesse am Mittwoch zu Ende gegangen. Dennoch soll es mit dem Thema „Outdoor“ auch im nächten Jahr am Bodensee weitergehen – in etwas veränderter Form…
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