König Kunde soll die Wende bringen

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Die Bahn will 20 Milliarden Euro investieren.
Die Bahn will 20 Milliarden Euro investieren. (Foto: dpa)
Wolfgang Mulke

Wie angespannt die Situation bei der Deutschen Bahn gerade ist, zeigt eine kleine verbale Attacke im Anschluss an die Verkündigung des Sanierungsprogramms durch Bahnchef Rüdiger Grube. „Der Aufsichtsrat hat uns grünes Licht für das Programm gegeben“, sagte der Vorstandschef. Von einer „harmonischen und konstruktiven Sitzung“, war die Rede. Das veranlasste den stellvertretenden Vorsitzenden des Kontrollgremiums, Alexander Kirchner von der Eisenbahnergewerkschaft EVG, postwendend zu einem Konter. „Das ist so nicht richtig“, erklärte Kirchner. In einer langen und kontroversen Diskussion sei vielmehr deutlich geworden, dass es für verschiedene Geschäftsfelder an einer langfristigen Strategie fehle. Diese müsse der Vorstand nun nachliefern. Damit ist klar, dass Grube schwer unter Erfolgsdruck geraten ist.

2600 Arbeitsplätze gefährdet

Mit neuen Strukturen, einer straffen Organisation und pünktlicheren Zügen will die Bahn die Wende einläuten. Denn in diesem Jahr steht erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt ein Minus von mehr als einer Milliarde Euro in der Bilanz. „Wir räumen auf“, verspricht Grube. Dabei geht es sowohl um interne Veränderungen, die wohl auch Stellen kosten werden. Das wird den Güterverkehr betreffen, der in diesem Jahr für einen dicken Verlust in der Bilanz sorgt. Bis zu 2600 Arbeitsplätze in dieser Sparte seien gefährdet, sagt Personalvorstand Ulrich Weber. Das Unternehmen verfügt über bundesweit rund 1500 Verladestellen für die Güter. Davon liegen gut 400 mehr oder minder brach und stehen damit jetzt zur Disposition.

Einschnitte wird es auch bei den Werkstätten geben. Künftig sollen zum Beispiel Nahverkehrszüge verstärkt von mobilen Teams vor Ort instand gehalten werden. „Damit findet weniger Arbeit in unseren heutigen Werken statt“, erläutert Technik-Chef Volker Kefer. Die Kapazitäten werden demnach angepasst, sprich abgebaut. Entlassen wird bei der Bahn trotz Stellenabbau in der Regel niemand. Der Konzern betreibt einen internen Arbeitsmarkt. Für die betroffenen Beschäftigten wird dort eine neue Tätigkeit innerhalb des Unternehmens gesucht.

Es wird aber nicht nur gespart, sondern auch geklotzt. 20 Milliarden Euro will Grube für Investitionen ausgeben, die vor allem den Fahrgästen zugute kommen sollen. „Das erste und wichtigste Thema ist die Pünktlichkeit unserer Züge“, versichert Weber und startet ein Rechenspiel. Mehr als 90 Prozent der Fahrgäste sollen ihre Anschlüsse pünktlich erreichen. Dazu müssen im Fernverkehr 85 Prozent der Züge plangemäß ankommen. Derzeit sind es nur drei von vieren. Es sind viele kleine Maßnahmen, die für pünktlichere Ankünfte sorgen sollen. Dazu gehören die Früherkennung von Fehlern bei Weichen oder jene des Diebstahls von Metallen auf der Strecke. Oder auch Task Forces an zehn großen Bahnhöfen, die eine rechtzeitige Bereitstellung der Züge sicherstellen sollen.

Einkommensfaktor Pünktlichkeit

Die Einhaltung der Reisezeiten wird für das Management auch zum Faktor des eigenen Einkommens. „Wir als Vorstand haben dem Aufsichtsrat vorgeschlagen, auch die Pünktlichkeit bei den Vorständen und Führungskräften in den persönlichen Leistungszielen zu hinterlegen“, sagte Grube. So sollen offenkundig die Manager motiviert werden, die nur indirekt mit dem Zugverkehr zu tun haben.

Darüber hinaus will die Bahn durch eine bessere Information der Reisenden punkten. Ärgernisse wie zu späte Ansagen über Gleiswechsel oder geänderte Wagenfolgen will Weber bis Ende 2016 beseitigen. Dafür schafft die Bahn neue Anzeiger für die Bahnsteige an.

Schließlich hält das Internet im kommenden Jahr Einzug in die zweite Klasse. Mittelfristig wird das WLan-Angebot dann noch durch Unterhaltungsprogramme im Zug ergänzt.

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