Joop soll Schiesser fit für Börse machen

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Der insolvente Wäschehersteller Schiesser kann wieder positiv in die Zukunft blicken: Modemacher Wolfgang Joop steigt bei dem Unternehmen aus Radolfzell ein. Der Star-Designer übernimmt offenbar einen Minderheitsanteil und soll Schiesser künftig beraten. Ziel ist ein baldiger Börsengang der Traditionsfirma.

Von unserem Redakteur Thomas Hagenbucher

Es kam dann doch, wie es sich bereits seit Wochen abgezeichnet hatte: Der insolvente Wäschehersteller Schiesser aus Radolfzell am Bodensee soll an die Börse -- und wird dabei vom renommierten Modemacher Wolfgang Joop unterstützt. Der Gläubigerausschuss habe sich für diese Variante entschieden, ließ Insolvenzverwalter Volker Grub nun mitteilen. „Wolfgang Joop wird wesentlich dazu beitragen, die Marke Schiesser in ihrer Attraktivität zu stärken und zu profilieren“, sagt der 72-jährige Insolvenz-Experte, der das Joop-Konzept schon seit Längerem favorisiert hatte. Der Modemacher werde ein „wirklicher Botschafter für die Marke Schiesser“ werden und sei deshalb die richtige Wahl, ist Grub überzeugt.

Der 65-jährige Joop soll das Traditionsunternehmen in Sachen Design, Marketing und beim visuellen Auftritt beraten, erläutert ein Grub-Sprecher gegenüber der „Schwäbischen Zeitung“. Weitere Details über die Zusammenarbeit will er aber nicht nennen. „Die Planungen laufen noch“, teilt der Sprecher mit, der auch nicht sagen möchte, ob sich Joop selbst bei Schiesser finanziell engagiert. In Medienberichten war von einer Minderheitsbeteiligung die Rede. Auch wurde spekuliert, dass sich Joop die Unterstützung von Wella-Erben oder des nahe gelegenen Schweizer Modelabels Strellson gesichert haben könnte.

Joop, der als Designer und Unternehmer zu Weltruhm gelangt ist, hat sich mit seinen Plänen gegen zwei Investoren durchgesetzt, die Schiesser komplett übernehmen wollten. Vom Börsengang erhofft sich Insolvenzverwalter Grub aber mehr Geld für die Gläubiger als bei einem Direktverkauf. Das insolvente Unternehmen sitzt auf Forderungen in Höhe von insgesamt 86 Millionen Euro. Wann der Gang aufs Börsenparkett gewagt werden soll, ist laut dem Sprecher derzeit noch offen. Er könnte aber sehr schnell erfolgen, hieß es dagegen im Umfeld von Schiesser. In finanzielle Schieflage war die 135 Jahre alte Firma vor allem durch unrentable Lizenzverträge -- etwa mit Puma und Tommy Hilfiger -- gekommen. Die Insolvenz wurde im Februar 2009 beantragt, nachdem die Schweizer Eignerfamilie Bechtler kein Geld mehr nachschießen wollte.

„Ich freue mich über die Entscheidung des Gläubigerausschusses und darauf, meine Erfahrung in der Modebranche und als Unternehmer bei Schiesser einzubringen“, sagt Joop, der sich als künftige Produkte neben Unterwäsche auch Oberbekleidung und Freizeitmode vorstellen kann. Schiesser verfüge über „eine großartige Belegschaft und eine starke Marke“. Und dies seien zwei entscheidende Faktoren, um weiter profitabel zu wachsen. Profitabel ist Schiesser schon jetzt wieder. Nachdem die Belegschaft von 2300 auf 1900 Mitarbeiter reduziert und die unrentablen Lizenzgeschäfte größtenteils aufgelöst wurden, erwirtschaftete Schiesser 2009 einen kleinen Gewinn. Für das laufende Geschäftsjahr plant Grub mit einem Umsatz von 128 Millionen Euro (2009: 150 Millionen Euro) und einem operativen Ergebnis von 9,5 Millionen Euro. Für einen weiteren Stellenabbau gibt es laut dem Sprecher des Insolvenzverwalters derzeit keine Pläne. Neben der Zentrale in Radolfzell verfügt Schiesser über Produktionsgesellschaften in Griechenland, Tschechien und der Slowakei. Am Bodensee arbeiten noch gut 500 Menschen.{element}

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