Jedes zweite Geldhaus verlangt von seinen Kunden Gebühren für Kartenzahlung

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 Kartenzahlung ist in der Corona-Krise wieder beliebter geworden: Verbraucherschützer weisen allerdings darauf hin, dass zahlrei
Kartenzahlung ist in der Corona-Krise wieder beliebter geworden: Verbraucherschützer weisen allerdings darauf hin, dass zahlreiche Geldinstitute für jeden Zahlvorgang Gebühren erheben. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
Horst Biallo

Banken und Sparkassen empfehlen ihren Kunden in Corona-Zeiten auf Zahlungen mit Bargeld zu verzichten und stattdessen die Bankkarten einzusetzen. Tatsächlich kaufen immer mehr Verbraucher morgens das Brot so ein, mittags die Lebensmittel, tanken mit der Girocard und die Pizza zum Mitnehmen wird auch so beglichen. Was die wenigsten Kunden wissen: Dafür werden oft Gebühren fällig. In der Spitze 70 Cent je Zahlvorgang.

Eine aktuelle Untersuchung des Verbraucherportals biallo.de ergibt: Von 820 überprüften regionalen Banken und Sparkassen verlangt knapp die Hälfte eine solche Gebühr. Im Durchschnitt sind dies 0,34 Euro. Was sich auf den ersten Blick wenig anhört, kann sich im Laufe der Zeit zu ansehnlichen Beträgen summieren.

Dazu eine Beispielrechnung. Ein Kunde, der dreimal täglich – außer sonntags – statt bar mit der Girocard bezahlt, kommt bis Ende des Jahres auf eine durchschnittliche Mehrbelastung von rund 220 Euro. Ist er hingegen Kunde bei der Niederrheinischen Sparkasse RheinLippe in Wesel mit dem bundesdeutschen Höchstbetrag von 0,70 Euro, sind es stolze 462 Euro.

Nicht alle Kunden der 193 Sparkassen und 226 Volks- und Raiffeisenbanken (VR-Banken), die diese Gebühren erheben, sind davon betroffen. Zahlen müssen meist nur die, die sich für die klassischen Filialkonten zum Monatspreis von knapp fünf Euro und für die etwas günstigeren Online-Konten entschieden haben. Das Gleiche gilt für Basiskonten, die vor allem von sozial schwachen Verbrauchern gewählt werden und die man nicht überziehen kann.

Die vom Verbraucherportal konfrontierten Geldhäuser argumentieren ähnlich wie Stefanie von Carlsburg, Pressesprecherin der Hamburger Sparkasse (Haspa). Demnach sei nur eine Minderheit der Kunden von diesen Gebühren betroffen, da sich die Mehrzahl für ein Konto mit höherem Grundpreis entschieden hätte, bei denen es diese Gebühren nicht gebe. Das lässt sich allerdings nur schwer nachprüfen.

Andererseits: Nach Angaben der Haspa bestehen 180 000 solcher Konten. Wenn pro Tag nur zwei Zahlvorgänge ausgelöst würden, käme bis Jahresende eine Gesamtsumme von gut 40 Millionen Euro zusammen.

Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sagt: „Die Banken erhalten Geld für jede Kartenzahlung und zwar vom Verbraucher ebenso wie vom Händler, während sie an Barzahlungen nichts verdienen.“

Das Fatale in der Praxis ist: Nur wenige Geldhäuser wie die Sparkassen aus Oberhausen und Bochum oder die VR-Bank Kreis Steinfurt weisen diese Kosten als solche aus. Die meisten hingegen verstecken diese in ihren Entgeltinformationen – so beispielsweise die Münchner Bank, die Hamburger Sparkasse, die Stadtsparkasse München oder die Freiburger Volksbank. Meist ist von Gebühren für „beleglose Buchungen“ die Rede. Unerwähnt bleibt aber, dass damit auch die Verbuchung von Kartenzahlungen gemeint ist. Das kritisiert auch Verbraucherschützer Nauhauser: „Statt ehrlich und offen die Entgelte für Kartenzahlungen konkret zu nennen, werden diese im Preisverzeichnis regelmäßig unter Buchungsposten versteckt.“

Und was sagen die Banker zu diesem Vorwurf? Martin Holzer, Pressesprecher der Freiburger Volksbank, schreibt: „Die Kartenzahlung stellt eine Basislastschrift dar und wird als solche auf dem Kontoauszug ausgewiesen. Das Entgelt für eine Lastschrift in Euro ist in den auf unserer Webseite zur Verfügung gestellten vorvertraglichen Entgeltinformationen klar und öffentlich zugänglich aufzufinden.“ Kartenzahlung gleich Basislastschrift: Da muss man erstmal draufkommen.

Während Haspa und Stadtsparkasse München eher beschwichtigen, geht die Berliner Sparkasse einen anderen Weg. Bei ihr dürften sich sehr viele Kunden für das günstige „Giro Individual“ entschieden haben. Dieses klassische Filialkonto mit Einzelabrechnung kostet nur einen Euro pro Monat.

Auf der Webseite kommuniziert sie transparent bei den Preisen, dass Kartenzahlungen eine Gebühr von 0,30 Euro auslösen. Pressesprecherin Katja Holzer versichert: „Die monatliche Abrechnung gibt unseren Kunden einen aktuellen Überblick über ihre Buchungen. Das Kontomodell kann jederzeit rückwirkend für den laufenden Monat gewechselt werden.“ Oder die Kunden tun wieder das, was das Vernünftigste ist: Sie zahlen einfach wieder mehr in bar.

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