Interview zu Agrarexporten: „Der Bedarf an Schweinefleisch ist gigantisch“

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 Martin Banse, Experte für internationalen Agrarhandel und Professor am Thünen-Institut Braunschweig.
Martin Banse, Experte für internationalen Agrarhandel und Professor am Thünen-Institut Braunschweig. (Foto: Thünen-Institut)
Nina Jeglinski

Martin Banse, Experte für internationalen Agrarhandel und Professor am Thünen-Institut Braunschweig, fordert eine Verringerung der Tierbestände. Nina Jeglinski hat mit ihm gesprochen.

Herr Banse, wieso sind Agrarexporte nötig?

Wir bieten weltweit Produkte an, die in Deutschland zu sehr hohen Qualitätsstandards produziert werden. Weltweit steigt die Nachfrage nach Agrarprodukten wie Fleisch, Fleischprodukten und Milch sowie Milchprodukten. Mögliche negative Seiten in Deutschland wären Umweltbelastungen für Böden und Wasser, die durch ein hohes Düngerniveau und hohe Tierbestände entstehen.

Wieso exportiert Deutschland so viel Schweinefleisch nach China?

Wir exportieren überwiegend Teilstücke wie Ohren, Pfoten und Schnauzen nach China, die in Deutschland nur wenig Absatz finden, in China hingegen als Delikatesse gelten. Der Bedarf an Schweinefleisch ist gigantisch, zumal dort auch die afrikanische Schweinepest grassiert. Daher ist die Nachfrage nach Schweinefleischimporten in China derzeit größer, als weltweit überhaupt gehandelt wird, weshalb sich zurzeit auch gute Geschäfte machen lassen.

Deutschland will auch weiterhin Agrarprodukte exportieren. Wie müsste die Produktion aussehen?

Die Produktion vor allem in der Tierhaltung muss so geändert werden, dass die negativen Effekte auf die Umwelt geringer ausfallen. Dies gilt besonders bei der derzeit hohen Nitratbelastung des Grundwassers und vor allem in den Problemregionen mit ihrer intensiven Hühner- und Schweinehaltung.

Was bedeutet das konkret?

Eigentlich sollen diejenigen, die Böden wirtschaftlich nutzen, für mögliche Umweltkosten auch zahlen. Die Debatten sind nicht neu, sondern werden in Deutschland seit über 30 Jahren geführt. Das ist vor allem bei Landwirten nicht unbedingt beliebt. Heute wehren sich die Bauern gegen die Verschärfung der Düngeverordnung, bei der es um Maßnahmen zur Reduktion der Nitratbelastung geht. Darüber hinaus sind die Tierbestände im Nordwesten viel zu hoch. Hier ist eine deutliche Reduktion notwendig.

Muss die Politik handeln?

Der Gesetzgeber könnte das durch Ordnungsrecht steuern, dass in bestehenden Ställen die Mindestfläche je Tier erhöht würde und Stallneubauten mit hoher Dichte an Tieren wie im Nordwesten Deutschlands nur noch begrenzt möglich ist.

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