IG Metall will nur über Geld reden

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Die IG Metall dürfte wieder ein Lohnplus zwischen fünf und sechs Prozent verlangen.
(Foto: dpa)
Günther M. Wiedemann

Das Jahr 2015 war tarifpolitisch extrem turbulent. Selten sind in Deutschland so viele Arbeitstage durch Streiks ausgefallen (rund 1,7Millionen). Für das neue Jahr zeichnen sich ruhigere Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften ab. Denn erstens haben sie manche Streik-Ursachen beseitigt (Bahn, Post, Erzieherinnen) oder wollen dies 2016 in friedlicherem Rahmen erreichen (Schlichtung für Flugbegleiter). Und zweitens stehen im neuen Jahr überall „nur“ Gehaltsverhandlungen an. Meist nehmen Unternehmen ja lieber etwas höhere Lohnsteigerungen in Kauf als einen Arbeitskampf zu riskieren.

Teilhabe am Aufschwung

Die Gewerkschaften konzentrieren sich 2016 auf das Einkommen nicht aus Mangel an anderen zu regelnden Themen wie die Arbeitszeit, sondern um Teilen ihrer Mitgliedschaft die Sorge zu nehmen, womöglich nicht angemessen an der guten wirtschaftlichen Entwicklung beteiligt zu werden, berichten Führungskräfte. Lohnforderungen in der Spannbreite von fünf bis knapp an sechs Prozent deuten an, dass die Gewerkschaften in etwa die Ergebnisse des letzten Jahres erreichen beziehungsweise leicht übertreffen wollen. 2015 lagen die meisten Tarifsteigerungen in der Spanne zwischen 2,5 und drei Prozent. Konkrete Zahlen für die großen Branchen kommen erst in einigen Wochen auf den Tisch.

Verhandelt wird 2016 in vielen wichtigen Wirtschaftsbereichen. Die Schwergewichte Metall und Bau sind gleich im Frühjahr an der Reihe. Im Sommer folgt die Chemiebranche. Bei der Bahn wird im Herbst erneut verhandelt. Gespräche gibt es unter anderem auch im Bereich Hotel- und Gaststätten, Lebensmittelindustrie und eine Reihe kleinerer Branchen. Den Aufschlag in der Tarifrunde 2016 hat der Öffentliche Dienst. Hier beginnen im Februar die Verhandlungen für die 2,2 Millionen Beschäftigten bei Bund und Kommunen. Im Herbst verhandeln die Gewerkschaften mit den Ländern. Insgesamt für zwölf Millionen Beschäftigte laufen 2016 die Einkommensverträge aus. Damit können die Gewerkschaften für rund eine Million Arbeitnehmer mehr als in der letzten Tarifrunde neue Abkommen vereinbaren.

Die Voraussetzungen dafür, dass sie dabei Lohnabschlüsse um drei Prozent durchsetzen können, sind vergleichsweise günstig. Die Wirtschaftslage ist recht stabil, sinkende Energiepreise sorgen dafür, dass die Konjunkturaussichten auch stabil bleiben. Der Wirtschafts-Weise Peter Bofinger hält daher Lohnsteigerungen von bis zu 3,5 Prozent für wirtschaftlich vertretbar. Wie immer gibt es freilich zwischen den Branchen Unterschiede und wie immer warnen die Arbeitgeber vor zu hohen Forderungen und Erwartungen. So meint der Präsident der Metall-Arbeitgeber, Rainer Dulger: „Wir können uns eine solche Lohnsteigerung wie in der letzten Runde nicht mehr erlauben.“ Damals war die Metallbranche klar über dem Durchschnitt, mit 3,4 Prozent gab es den zweithöchsten Abschluss des Jahres.

Metaller offensiv

Der seit Oktober amtierende IG-Metall-Chef Jörg Hofmann will daran gerne anknüpfen: Die Konjunkturlage sei „ein guter Grund, die stabile Einkommenspolitik fortzusetzen“. Am 2. Februar wird der Gewerkschaftsvorstand seine Empfehlung für die regionalen Lohnforderungen in der Metallindustrie beschließen. Verhandelt wird ab März. Die Empfehlung dürfte zwischen fünf und sechs Prozent liegen (2015: 5,5 Prozent). Für den von ihr betreuten Bereich Holz- und Kunststoff fordert die IG Metall fünf Prozent.

An dieser Zahl wird sich auch die Chemie-Gewerkschaft orientieren. In der Runde 2015 hatte sie 4,5 Prozent gefordert; vereinbart wurde neben Verbesserungen im Demografie-Vertrag ein Gehaltsplus von 2,8 Prozent. Damit waren Beschäftigte in Großbetrieben unzufrieden. Gewerkschaftschef Michael Vassiliadis muss diesmal mehr liefern; deshalb verzichtet seine Gewerkschaft diesmal auf Zusatzforderungen.

Dafür gibt es auch im Öffentlichen Dienst keinen Spielraum. Schon gar nicht bei den Kommunen, die auf die Kosten der Flüchtlingszuwanderung und ihren ohnehin schon hohen Schuldenstand verweisen. Die Erfahrung lehrt jedoch, dass sich davon weder Verdi noch der Beamtenbund beeindrucken lassen. Ihre Forderung, die am 18. Februar verkündet wird, dürfte nicht nennenswert unter dem Metallbereich liegen.

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