Hertie-Zukunft ungewiss

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Deutsche Presse-Agentur

Die Zukunft der insolventen Warenhauskette Hertie steht auf Messers Schneide: Während der Hertie-Besitzer MABV die Rettungsgespräche am Freitag für gescheitert erklärte, zeigte sich der vorläufige Insolvenzverwalter zuversichtlich, einen neuen Investor zu finden.

Gleichzeitig warfen sich beide Seiten vor, den Fortbestand des Traditionsunternehmens mit seinen rund 3000 Mitarbeitern im Streit um die Höhe der Immobilien-Mieten zu gefährden.

Bei den Verhandlungen geht es um 58 Immobilien, die die niederländische Mercatoria Acquisitions BV (MABV) besitzt und an Hertie verpachtet. Die Pachtverträge für die 58 Häuser hatte MABV am 19. Januar gekündigt, weil Hertie seit Insolvenz-Anmeldung im vergangenen Juli keine Mieten gezahlt hat. Seither wurde das Insolvenzverfahren noch nicht eröffnet.

MABV griff den vorläufigen Insolvenzverwalter Biner Bähr scharf an: Ihm sei es nicht gelungen, einen Investor für Hertie zu finden. „Daher haben die Eigentümergesellschaften nunmehr festzustellen, dass keine Basis für konkrete Vertragsabschlüsse besteht“, erklärte MABV.

Bähr befindet sich nach eigenen Angaben im Gespräch mit mehreren möglichen Investoren. „Wenn es gelingt, die Mieten für die Warenhäuser auf ein marktübliches Niveau zu senken, bin ich mir sicher, dass einer der Interessenten auch anbeißt“, sagte er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Falls die Senkung der Mieten nicht gelinge, sei der Fortbestand des Unternehmens weiter in Gefahr. Bis Anfang März rechne er mit einer Entscheidung.

Laut Bähr soll es schon am kommenden Mittwoch ein Gespräch mit einem der Interessenten und dem Land Nordrhein-Westfalen über eine mögliche Bürgschaft geben. Den Namen des Interessenten wollte Bähr nicht nennen. Ein Sprecher des Wirtschaftsministerium in Düsseldorf bestätigte lediglich Gespräche mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter ohne Einzelheiten zu nennen.

Hertie-Eigentümer MABV will nach eigenen Angaben dagegen nun selbst neue Investoren für die Hertie-Standorte suchen. „Wir haben eine Vielzahl von Anfragen zahlungskräftiger und zahlungswilliger Mieter und Käufer für die Standorte.“ Allerdings wäre es MABV lieber gewesen, die Mietverhältnisse mit einem Investoren fortzusetzen, der Hertie und die Belegschaft übernommen hätte.

Bähr hatte bei einem letzten Treffen mit MABV einen Schweizer Investoren zum Kauf der Warenhauskette ins Gespräch gebracht. Dieser wolle allerdings nur einsteigen, wenn die Einnahmen in den Läden um zehn Prozent steigen und er Unterstützung aus Steuermitteln bekomme.

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