Helfer im Zahlendschungel

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Bildschirm mit dem digitalen Steuerprogramm Elster: Für einfach gelagerte Steuerfälle empfiehlt sich das System, das die Finanzä
Bildschirm mit dem digitalen Steuerprogramm Elster: Für einfach gelagerte Steuerfälle empfiehlt sich das System, das die Finanzämter kostenlos zur Verfügung stellen. (Foto: Robert Günther/dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Bernadette Winter

Bei den Finanzämtern gehen nach Angaben der Stiftung Warentest jährlich gut 23 Millionen Steuererklärungen elektronisch ein. 77 Prozent davon werden mithilfe einer Software erstellt. Das Gute daran: „Digitale Steuererklärungen werden mittlerweile sogar bevorzugt behandelt“, erklärt Jörg Geiger vom Fachmagazin „Chip“. Schließlich liefern die Finanzämter mit Elster selbst eine Art staatlicher Gratis-Alternative zu Kauf-Steuerprogrammen. „Im Prinzip ist Elster das Papierformular online“, erklärt Geiger. Nachteil: Es ist weniger serviceorientiert und eher nüchtern gehalten. Tipps zum Sparen sucht man hier vergeblich.

Dorothee Wiegand vom „c't“-Fachmagazin würde Elster daher auch nur für einfach gelagerte Steuerfälle empfehlen, also solche ohne Kinder, Immobilien oder gar Pflegegeld. Gut dagegen: Elster übernimmt Daten aus dem Vorjahr, und Nutzer können ihre Belege von Rentenzahlstellen, Krankenkassen und Arbeitgebern einspielen.

Wer lieber Tipps haben möchte und durch die Steuererklärung geführt werden will, kann ein Computerprogramm nutzen, eine Browser-Anwendung oder eine App. Das Ziel sämtlicher Anbieter, so Geiger, sei ein möglichst kurzer Weg durch die Erklärung. Gerade Apps werben mit Schnelligkeit. Sie sprechen vor allem ein junges Publikum mit unkomplizierten Steuerfällen an und suggerieren: alles nur Minutensache. Doch: „In 30 Minuten wird es für die wenigsten getan sein“, ist sich Geiger sicher.

Ein Nachteil der Apps ist der relativ kleine Bildschirm des Smartphones. „Basis ist deshalb ein Chat, der Schritt für Schritt durch das Programm führt“, sagt Geiger. Ein Fehler lasse sich häufig später nicht mehr korrigieren, spätere Ergänzungen seien nicht möglich, ohne von vorne zu starten. „Gerade für Berufseinsteiger kommt der Nachteil im zweiten Jahr“, erläutert Wiegand. „Dann muss ich plötzlich viel mehr tippen, und es wird unbequem.“ Die Entscheidung für einen Anbieter ist dann jedoch schon gefallen. Wer wechselt, fängt von vorne an.

Für ihre Zeitschrift „Finanztest“ hat die Stiftung Warentest die Angebote von 14 unterschiedlichen Steuerprogrammen untersucht – vom Download bis zur App. Nur drei Angebote schnitten mit der Note „gut“ ab (Ausgabe 5/2019). Den Testern gefielen zwar Einfachheit und Chats mancher Browser- oder Smartphone-Anwendungen, jedoch nicht die Berechnungen. „Die Programme haben zum Teil eklatante Fehler gemacht“, sagt Stefan Fischer, Projektleiter bei Stiftung Warentest. Doch das gilt nicht nur für Apps. Das Ergebnis von „Finanztest“: „Selbst die Testsieger rechnen nicht hundertprozentig richtig.“

Einige Sachverhalte wie den Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen für Kinder löse kein Programm perfekt. Selbst für Studierende seien Steuererklärungen nicht ohne, warnt Fischer. „Auch da hatten die Programme nicht alle die richtige Berechnung parat. Grundsätzlich rät Jörg Geiger, auf jeden Fall die Datenschutzerklärung zu lesen und zu klären, wer der Anbieter ist und wo dieser seinen Sitz hat. „Tendenziell haben größere Anbieter mehr Möglichkeiten und einen guten Ruf zu verteidigen.“

Momentan gibt es Wiegand zufolge noch zwei Hersteller und drei Anbieter für Desktop-Versionen, allesamt heimische Unternehmen, die ihre Daten auf Servern hierzulande lagern. Die Unterschiede zwischen Desktop- und Browserversion würden immer kleiner, die Wahl der Anwendung zur Geschmackssache, meint Dorothee Wiegand. Noch hätten zwar Desktop-Programme einen Vorsprung, die Webdienste deckten jedoch immer mehr Fälle ab.

Beide bieten ähnlich wie Elster an, Daten der Finanzämter abzufragen und einzuspielen. Dafür müssen Anwender allerdings einem Anbieter treu bleiben. „Das spart Zeit, vermeidet Zahlendreher und jede Menge Ärger“, sagt Wiegand. Wer im Browser arbeitet, hat den Vorteil, dass er sich weder um Installation noch um Updates kümmern muss. „Wer will, kann auch übers Jahr seine Belege laufend einscannen, dann sitzt man am Ende nicht vor einem riesigen Berg“, so Warentester Fischer.

Bei aller Hilfe, die die Programme böten, schwierig werde es etwa bei Patchwork-Familien mit unterschiedlichen Konstellationen von Unterhalt, Betreuungs- und Kindergeld, schränkt Wiegand ein. Je komplizierter der Steuerfall, desto eher sei das ein Fall für den Steuerberater, sind sich die Experten einig.

Wichtig: Am Ende ist man immer selbst verantwortlich. Für Fehler in der Erklärung können Nutzer später nicht der Software oder einer App die Schuld geben.

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