Heidelberger Druck streicht weitere 2500 Stellen

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Deutsche Presse-Agentur

Die Lage bei Heidelberger Druck spitzt sich zu: Angesichts der schlechtesten Auftragslage seit mehr als zehn Jahren streicht der krisengeschüttelte Druckmaschinen-Marktführer weitere 2500 Stellen.

Damit sollen 5000 der einst 20 000 Mitarbeiter bis zum Jahresende das Unternehmen verlassen. „Das wird nicht ohne betriebsbedingte Kündigungen gehen“, sagte Vorstandschef Bernhard Schreier am Donnerstag in Heidelberg. Besonders treffen wird es die Beschäftigten an den beiden Hauptstandorten Heidelberg und Walldorf-Wiesloch - für rund 2000 Mitarbeiter in der Region ist das Aus greifbar. Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall kündigten heftige Gegenwehr an.

Schreier begründete den drastischen Schritt mit der globalen Wirtschaftskrise und der anhaltenden Investitionszurückhaltung. Der Weltmarktführer aus Heidelberg bekommt die Krise mit voller Wucht zu spüren. Denn von der Wirtschaftsflaute ist die Werbung besonders betroffen. Folge: Druckaufträge bleiben aus, Maschinen stehen still. Zudem werden geplante Investitionen der - vorwiegend mittelständigen - Kunden ausgebremst durch die zögerliche Kreditvergabe der Banken. Da Prospekte und Plakate in den meisten Fällen auf den Maschinen der Heidelberger gedruckt werden, bleiben Bestellungen aus.

Bereits im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2008/09 (31. März) war die Auftragslage um 41,5 Prozent auf 560 Millionen Euro eingebrochen. Das schlechteste Ergebnis seit mehr als zehn Jahren, so Schreier damals. Die Talfahrt hält an: Laut Konzernchef sieht die Situation im vierten Quartal noch schlechter aus, und der Auftragseingang sinkt unter 500 Millionen Euro. „Es ist nicht unsere erste Krise - aber es ist unsere tiefste“, sagte Schreier.

Der zunächst geplante Abbau von 2500 Stellen reicht aus Sicht der Heidelberger Druckmaschinen AG nicht mehr aus, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Maßnahmen wie Kurzarbeit und der Abbau von Zeitarbeitskonten seien ausgeschöpft. „Wir haben eine mühsame Zeit hinter uns, aber noch wesentlich schwerere Zeiten vor uns“, sagte Schreier.

Seit Monaten häuften sich die Warnungen vor einem schlechteren Geschäft. Zuerst waren es nur vereinzelte Drucker in den USA, die sich mit Neuanschaffungen zurückhielten. Inzwischen zeigt sich in Europa und Asien ein ähnliches Bild. Angesichts der rapide schwindenden Bestellungen verkündete Vorstandschef Schreier schließlich im vergangenen Sommer den Abbau von 500 Arbeitsplätzen in Verwaltung, Vertrieb, Forschung und Entwicklung. Im Oktober dann die die Hiobsbotschaft, dass weltweit 2500 Mitarbeiter gehen müssen - nun sind es weitere 2500. Damit ist zunächst die „Zielmarke“ erreicht, so Schreier.

Etwa 1500 Mitarbeiter haben bereits den Konzern verlassen. Mit rund 1000 Beschäftigten gab es Gespräche. Insgesamt stehen nun noch 3500 Menschen vor dem beruflichen Aus. Da laut Schreier bislang hauptsächlich im Ausland Personal abgebaut wurde, trifft es nun überwiegend Deutschland. Rund 2000 Menschen in der Kurpfalz und rund 1000 an den Standorten in Amstetten, Brandenburg, Kiel sowie Leipzig, Ludwigsburg und Mönchengladbach.

Um die Kündigungen umsetzen zu können, kündigt das Unternehmen den zuletzt im Oktober 2007 verlängerten Tarifvertrag zur Zukunftssicherung zum 30. Juni. „Bei der Verlängerung des Vertrages war eine derart dramatisch negative Entwicklung der Weltkonjunktur nicht absehbar“, sagte Schreier. Es gebe keine Alternative. Der Konzern will Gespräche mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft aufnehmen. Es sei durchaus möglich, dass diese Entscheidung „eine Signalwirkung“ für die Branche habe, räumte er ein.

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