Häuser verlieren zu viel Energie

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Styroporplatten werden oft zur Wärmedämmung an der Gebäude-Außenwand montiert. (Foto: dpa)
Nadine Wahl

Ganze 92 Prozent der Energie in Privathaushalten werden für Heizung und Warmwasser verwendet. Der Hauptanteil davon entstammt fossilen Quellen. Doch die Umstellung auf erneuerbare Energien gestaltet sich im Wärmebereich noch schwieriger als beim Strom. Es gibt nur wenige erneuerbare Alternativen und sie sind nicht so einfach zu integrieren. Umso wichtiger ist es deshalb, durch eine Sanierung möglichst viel Energie einzusparen.

Dennoch liegt die Sanierungsrate in Deutschland aktuell bei einem Prozent im Jahr. Das Ziel der Politik sind aber zwei Prozent. Wolf-Dieter Dötterer vom GIH hält dies für Wunschdenken der Politiker: „Die Kapazitäten in der Baubranche reichen bei Weitem nicht aus. Man operiert jetzt schon am Anschlag. Die Handwerksbetriebe kommen bei der Auftragslage gar nicht nach.“ Außerdem, so Dötterer, brauche es eine größere Verlässlichkeit seitens der Politik für die Investoren.

Und auch Axel Gedaschko von der Bundesvereinigung Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft (BSI) benennt Fördermittel als wichtigen Hebel zur Steigerung der Sanierungsrate. Diese sollten, so Gedaschko, bei fünf Milliarden Euro. statt aktuell bei 1,5 Milliarden Euro pro Jahr liegen, um die angepeilte Sanierungsrate von zwei Prozent zu erreichen.

Unsicherheit ist außerdem ein Faktor, der vielen Sanierungen im Weg steht: Die Frage nach der Finanzierung, der Entwicklung der Energiepreise, die Sorgen um Pfusch am Bau und Schimmelbildung. Auch die Wirtschaftlichkeit von Sanierungen wird diskutiert. Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) kommt in einer Studie zu dem Schluss, die Sanierungen könnten „warmmietenneutral“ durchgeführt werden. Das heißt, die Sanierungskosten werden durch die geringeren Energiekosten gedeckt. Die TU Darmstadt kommt dagegen zu dem Ergebnis, dass die Sanierungskosten durch die Einsparung bei den Energiekosten nicht gedeckt werden können. Vermieter können unterdessen ihre Sanierungskosten nicht voll auf die Mieter umlegen. Die drohende Mietpreisbremse treibt Vermieter um und trägt mit dazu bei, dass sich Eigentümer öfter gegen eine Sanierung entscheiden.

Natürlich bedeutet eine professionell gemachte Sanierung auch eine längerfristige Wertsteigerung für ein Gebäude. Mit den neuen Vorgaben zum Energieausweis kann man diese Wertsteigerung auch besser herzeigen. Künftig könnte es bei Kauf und Vermietung eine größere Rolle spielen, wie hoch die Energieeffizienz einer Wohnung ist. Mit den neuen Energieeffizienzklassen ist dies auch übersichtlicher.

Experten raten für eine Gebäudesanierung im Übrigen zu einem schlüssigen Gesamtkonzept. Zwar können auch Einzelmaßnahmen Einsparungen bringen, jedoch auch ungewollte Nebenwirkungen. Zum Beispiel kann der alleinige Austausch der Fenster Schimmelbildung begünstigen und die Wohnqualität verschlechtern. Was ein Bauherr am Ende einer Sanierung aber meist deutlicher spürt, ist das neue Wohngefühl und der Komfort im sanierten Haus.

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