Gewinneinbruch bei BMW

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Harald Krüger, Vorstandsvorsitzender von BMW: Bei der Halbjahresbilanz-Konferenz am Donnerstag sagte er Servus. In zwei Wochen s
Harald Krüger, Vorstandsvorsitzender von BMW: Bei der Halbjahresbilanz-Konferenz am Donnerstag sagte er Servus. In zwei Wochen soll der bisherige Produktionsvorstand Oliver Zipse übernehmen. (Foto: Lino Mirgeler)
Ralf Müller

Eines steht schon jetzt fest: Der Premium-Autobauer BMW wird 2019 nicht an die Ertragserfolge früherer Jahre anknüpfen können. Die im ersten Quartal gebildete Rückstellung von 1,4 Milliarden Euro für ein von der EU-Kommission in Gang gesetztes Kartell-Bußgeldverfahren wird die Ertragszahlen des gesamten Jahres verhageln, bestätigten der scheidende Vorstandsvorsitzende Harald Krüger und Finanzvorstand Nicolas Peter am Donnerstag in München bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Der Konzern hat angekündigt, sich mit allen rechtlichen Mitteln dagegen wehren zu wollen, richtet sich aber darauf ein, erst einmal zahlen zu müssen.

Die BMW Group lieferte im ersten Halbjahr 2019 weltweit mehr als 1,25 Millionen Fahrzeuge der Marken BMW (1,076 Millionen), Mini (174.300) und Rolls Royce (2.534) aus, was einem Plus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht, das Vorsteuerergebnis halbierte sich vor allem wegen der hohen Rückstellung aber um 53,1 Prozent auf 2,815 Milliarden Euro. Der Überschuss nach Steuern verringerte sich im ersten Halbjahr um 28,7 Prozent auf 1,48 Milliarden Euro. Von der für den Automobilbereich von BMW langfristig angestrebten Profitabilitätsquote (EBIT-Marge) von acht bis zehn Prozent kann derzeit keine Rede sein. Für 2019 wird als Ziel 4,5 bis 6,5 Prozent angegeben. Es mache keinen Sinn, zu prognostizieren, wann das frühere Profitabilitätsniveau wieder erreicht werden kann, sagte Finanzvorstand Peter.

Vergleich mit Mercedes Benz

Vielfach betonten die BMW-Chefs das „herausfordernde Umfeld“, in dem sich BMW behauptet habe, und das am Donnerstag von der US-Ratingagentur Moody’s noch einmal quantifiziert wurde: Deren Autoexperten gehen davon aus, dass die weltweiten Autoverkäufe 2019 und 2020 um 3,8 beziehungseise 0,9 Prozent schrumpfen werden. In diesem Marktumfeld habe man Marktanteile hinzugewinnen können, vor allem in China, sagten Krüger und Peter. Während der Autoabsatz im Reich der Mitte insgesamt rückläufig ist, gelangen dem von BMW geführten Joint Venture Steigerungen von 16,8 Prozent. Erstmals zog der BMW-Chef von sich aus einen Vergleich mit dem größten Mitbewerber Mercedes Benz. Man habe den Abstand zu den Stuttgartern „verringern“ können. Im Juni habe BMW mehr Autos verkauft als Mercedes.

Beide Vorstände waren bemüht, Kritik zu widerlegen, BMW habe seinen Vorsprung bei der Elektromobilität eingebüßt. Bis 2023 und damit zwei Jahre früher als bisher geplant werde man 25 elektrifizierte Modelle anbieten, die Hälfte davon voll elektrisch, kündigte Krüger an. Man arbeite an der fünften Generation des Elektroantriebs, der ohne seltene Erden auskommen werde. Gleichzeitig legte Krüger erneut Wert auf „Technologieoffenheit“. Die Wünsche der Kunden seien „weltweit verschieden“, weshalb man weiterhin einen Mix an verschiedenen Antrieben anbieten werde. Auch an der Brennstoffzelle werde weiter geforscht, sagte Peter.

Krüger würde mit Johnson reden

Weniger Sorgen macht man sich im Münchener BMW-Hochhaus offensichtlich über den anstehenden Brexit und die weltweiten Handelsstreitigkeiten, die von US-Präsident Donald Trump angezettelt wurden. „Auf den Brexit sind wir alles in allem gut vorbereitet“, sagte Krüger, warnte aber vor einer „harten“ Form des Austritts Großbritanniens aus der EU. BMW unterhält im Vereinigten Königreich mehrere Produktionsstätten, unter anderem die Mini-Fabrik in Oxford und die Rolls Royce-Autoschmiede in Goodwood. Ein harter Brexit würde für alle Beteiligten ein „lose-lose“ bedeuten, sagte Krüger. Er wäre bereit, den neuen Premier Boris Johnson persönlich davon zu überzeugen, dass der freie Welthandel und die Vermeidung eines harten Brexits im ureigensten Interesse seines Landes lägen.

Aus der kürzlich eröffneten neuen Fabrik im mexikanischen San Luis Potosi könne man dank der Abkommen Mexikos 40 Länder zollfrei mit 3er BMW beliefern, hob Peter hervor. Mit 31 über die ganze Welt verteilten Produktionsstätten fühle man sich auch für die Phase neu entstehender Handelsbarrieren „gut aufgestellt“.

Die Turbulenzen in der Autoindustrie und die Einsparbemühungen führen dazu, dass der jahrelang zuverlässig arbeitende BMW-Job-Motor eine Pause macht. Die Zahl der weltweit etwa 135 000 Beschäftigten verändere sich insgesamt nicht, sagte Peter. Allerdings stehe dem Personalaufbau „im mittleren vierstelligen Bereich“ etwa für die neue Fabrik in Mexiko und den Investitionen in Forschung und Entwicklung ein „Abbau“ an anderer Stelle gegenüber. Diesen Abbau wolle man aber mit der normalen Personalfluktuation bewerkstelligen: „Es sind keine Sondermaßnahmen geplant“.

„Lassen Sie sich überraschen“

Am Donnerstag fand der vermutlich letzte Presseauftritt Krügers als BMW-Vorstandschef statt. Schon in zwei Wochen, am 15. August, soll der bisherige Produktionsvorstand Oliver Zipse den Vorsitz übernehmen. Der scheidende BMW-Chef ließ sich durch Fragen nach den Hintergründen seines Verzichts auf eine Vertragsverlängerung nicht aus der Reserve locken. „Manchmal gibt es Punkte im Leben, wo man auch was Neues machen möchte“, sagte er zu seinen Motiven lediglich. Offenbar hat der 53-Jährige schon konkrete Vorstellungen über seine zukünftige Tätigkeit. Im August werde er ein wenig Urlaub machen. „Lassen Sie sich überraschen, was dann kommen wird“, sagte Krüger.

Kritik an seinem langjährigen Arbeitgeber ließ Krüger mit keiner Silbe anklingen, im Gegenteil sagte er BMW eine glänzende Zukunft voraus.

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